Verstoß gegen Atomabkommen Atomenergiebehörde: Iran stockt Uranvorräte weiter auf

Seit dem Rückzug der USA aus dem Wiener Atomabkommen fühlt sich auch der Iran nicht mehr an den Vertrag gebunden. Nach einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde hat das Land seine Uranvorräte erneut aufgestockt. Die angereicherte Menge betrage bereits das Zwölffache des Erlaubten. Das Internationale Atomabkommen droht damit zu scheitern. Hoffnung in dem Konflikt macht US-Wahlsieger Joe Biden.

Der Iran verstößt offenbar weiter gegen das Wiener Atomabkommen. Nach einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hat das Land seine Uranvorräte erneut aufgestockt. Am 2. November habe der Iran einen Vorrat von 2.443 Kilogramm an leicht angereichertem Uran gehabt, erlaubt sei jedoch nur ein Vorrat von knapp 203 Kilogramm.

Damit überschreite die angereicherte Menge das erlaubte Limit inzwischen um bereits mehr als das Zwölffache, erklärte die Atombehörde. Zudem habe der Iran technisch fortgeschrittene Uran-Zentrifugen unterirdisch installiert, was dem Abkommen zufolge ebenfalls nicht erlaubt sei.

Abkommen soll Atomwaffen verhindern

Das Wiener Atomabkommen war 2015 zwischen dem Iran und den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China und Russland abgeschlossen worden. Der Iran verpflichtete sich darin zu einem transparenten und beschränkten Atomprogramm. Im Gegenzug wurden wirtschaftliche Sanktionen gegen Teheran aufgehoben. Ziel des Abkommens ist es, den Iran am Bau einer Atombombe zu hindern.

Atomvertrag droht zu scheitern

Unter US-Präsident Donald Trump kündigten die USA den Atomvertrag 2018 einseitig auf und verhängten neue Sanktionen. Seitdem droht das Internationale Atomabkommen zu scheitern. Auch der Iran erfüllt seit dem vergangenen Jahr schrittweise nicht mehr seine Verpflichtungen.

Die verbliebenen Unterzeichnerstaaten wollen an dem Atomabkommen festhalten. Um die wirtschaftlichen Folgen der US-Sanktionen aufzufangen, gründeten Deutschland, Frankreich und Großbritannien im vergangenen Jahr eigens die Spezialgesellschaft Instex. Sie sollte einen dollarunabhängigen Zahlungsverkehr für Iran-Geschäfte an den US-Sanktionen vorbei ermöglichen. Die Erwartungen des Iran erfüllt sie nach Ansicht von Teheran bislang jedoch nicht.

Fortsetzung unter Biden möglich

Unter einer neuen US-Regierung könnte es zu einer Wiederbelebung des Atomabkommens kommen. Der Sieger der US-Präsidentschaftswahl, Joe Biden, hat eine Rückkehr der USA in den Vertrag in Aussicht gestellt, sollte Teheran seine Verpflichtungen aus dem Vertrag wieder erfüllen. Auch Irans Präsident Hassan Ruhani erklärte sich zu Verhandlungen mit Biden über eine Fortsetzung des Atomvertrags bereit. Voraussetzung dafür sei eine Aufhebung der verhängten Sanktionen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. November 2020 | 03:01 Uhr