Zwei Männer an einer Bahnstation
Britische Ermittler hatten anhand von Überwachungskameras minutiös den Weg der Verdächtigen nachgezeichnet. Bildrechte: Metropolitan Police/Metropolitan Police via AP/dpa

Skripal-Affäre Zweiter Verdächtiger offenbar identifiziert

Die Verdächtigen im Fall Skripal gaben vor, nur Urlauber zu sein und nichts mit dem Anschlag auf den Ex-Doppelagenten zu tun zu haben. Eine Recherchegruppe will nun auch den zweiten von ihnen identifiziert haben. Es soll sich um einen russischen Armeearzt handeln.

Zwei Männer an einer Bahnstation
Britische Ermittler hatten anhand von Überwachungskameras minutiös den Weg der Verdächtigen nachgezeichnet. Bildrechte: Metropolitan Police/Metropolitan Police via AP/dpa

Investigativ-Journalisten haben nach eigenen Angaben die Identität des zweiten mutmaßlichen Skripal-Attentäters enthüllt. Das teilte die Recherche-Webseite Bellingcat mit. Demnach soll es sich bei dem Verdächtigen, der unter dem Namen Alexander Petrow nach Großbritannien eingereist war, in Wahrheit um Alexander Jewgeniwitsch Mischkin handeln.

An Militärakademie ausgebildet

Zwei Polizisten stehen vor dem Haus des früheren Doppelagenten Skripal im ennglischen Salisbury.
Das Haus der Skripals in Salisbury war Ort des Anschlags. Bildrechte: dpa

Dem Bericht zufolge wurde Mischkin an einer Elite-Militärakademie zum Arzt ausgebildet und stand in Diensten des Militärgeheimdienstes GRU.

Den anderen mutmaßlichen Gift-Attentäter hatte das Recherche-Team bereits Ende September als einen hochdekorierten russischen Offizier namens Anatoli Tschepiga identifiziert. Dafür hatten die Journalisten unter anderem Angaben von Bekannten der Verdächtigen sowie verschiedene Ausweisdokumente ausgewertet.

Britische Polizei zurückhaltend

Die britische Polizei wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. "Wir kommentieren keine Spekulationen über die Identität der beiden Verdächtigen", hieß es in einem Statement. Jedoch hatten die Ermittler bereits vor einiger Zeit erklärt, man gehe davon aus, dass die beiden Männer unter falschem Namen eingereist seien.

Angeblich als Touristen nach England gereist

Sergej Skripal während seines Spionage-Prozesses 2006 in Moskau.
Sergej Skripal (hier während eines Spionage-Prozesses 2006) hat den Giftanschlag, wie auch seine Tochter Julia, überlebt. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Die britischen Ermittler werfen dem Duo vor, unter ihren Decknamen nach Salisbury gereist zu sein und den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia verübt zu haben.

Die beiden Männer hatten im russischen Fernsehen erzählt, sie seien als Touristen nach Großbritannien gekommen, um die "bekannte Kathedrale" und das Steinzeitmonument Stonehenge zu besichtigen. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete die Männer als Zivilisten.

Auslöser für diplomatische Krise

Vater und Tochter Skripal waren am 4. März infolge einer Giftattacke bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie mussten wochenlang intensiv behandelt werden und entkamen nur knapp dem Tod. London macht den Kreml für das Attentat verantwortlich. Moskau bestreitet die Vorwürfe. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Oktober 2018 | 00:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2018, 10:24 Uhr