Mohammed Dschawad Sarif, der iranische Außenminister, kommt durch eine Tür.
Auf Überraschungsbesuch in Frankreich: Irans Außenminister Sarif. Bildrechte: dpa

G7-Gipfel Irans Außenminister in Biarritz

Der Konflikt um den Iran ist eines der Hauptthemen auf dem Treffen der sieben führenden Industrienationen G7. Nun kam Irans Außenminister Sarif persönlich ins französischen Biarritz.

Mohammed Dschawad Sarif, der iranische Außenminister, kommt durch eine Tür.
Auf Überraschungsbesuch in Frankreich: Irans Außenminister Sarif. Bildrechte: dpa

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat am Sonntag überraschend den Ort des G7-Gipfels, das französische Biarritz, besucht. Wie ein Sprecher des iranischen Außenministeriums mitteilte, war Sarif einer Einladung von Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian gefolgt.

Macron trifft Sarif

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, Sarif habe sich zuerst mit Le Drian getroffen, anschließend auch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Bei den Gesprächen sollte es um den Erhalt des internationalen Atomabkommens mit dem Iran und die Sicherheitslage in der Golfregion gehen. Unter Berufung auf das Präsidialamt meldete AFP weiter, die Diskussion mit Sarif sei positiv gewesen und solle fortgesetzt werden. Sarif selbst twitterte nach dem Treffen: "Der Weg vor uns ist schwierig. Aber der Versuch lohnt sich."

Merkel: Jeder Versuch einer Deeskalation wertvoll

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde nach eigenen Angaben erst kurz vor Sarifs Landung über den Besuch informiert. Sie legte Wert darauf, dass der Besuch kein Teil des G7-Treffens gewesen sei, sondern "ein Parallelereignis am gleichen Ort". Man sei sich aber einig, dass jeder Versuch einer Deeskalation in dem Atomkonflikt mit dem Iran wertvoll sei.

Iran eines der Hauptthemen auf G7-Gipfel

Die Iran-Krise ist eines der Hauptthemen beim Gipfel der sieben führenden Wirtschaftsnationen. Die Staats- und Regierungschefs der G7 hatten bereits am Samstagabend über mögliche Lösungen in der Iran-Krise beraten. US-Präsident Donald Trump dementierte jedoch Berichte, Frankreichs Präsident Macron sei beauftragt worden zu vermitteln. Zugleich sagte Trump: "Wir können Menschen nicht davon abhalten zu reden. Wenn sie reden wollen, können sie reden." Macron wiederum widersprach Angaben von US-Seite, der Besuch des iranischen Außenministers sei nicht mit Trump abgesprochen gewesen.

USA setzen auf Druck - Europäer wollen vermitteln

Die USA wollen den Iran mit maximalem politischen und wirtschaftlichen Druck zu einem Kurswechsel in der als aggressiv erachteten Außenpolitik zwingen. Die Wiedereinführung von Sanktionen hat bislang aber nur die Spannungen in der Region weiter angeheizt. Paris schwebt laut diplomatischen Kreisen eine "Pause" vor, in der es Teheran gestattet werden soll, eine bestimmte Menge von Öl zu exportieren. Gleichzeitig soll der Iran seine Verpflichtungen aus dem Atomabkommen wieder einhalten. Die USA waren aus diesem Abkommen ausgestiegen.

Iran droht mit weiterer Vertragsverletzung

Sarif hatte am Freitag erklärt, falls es bis Anfang September keinen Durchbruch geben sollte, werde der Iran die dritte Phase seines Teilausstiegs beginnen. Konkret werde man die im Vertrag festgesetzte Obergrenze des Urananreicherungsgrads von 3,67 Prozent ignorieren und auf 20 Prozent erhöhen.

Urananreicherung Das für die Kernspaltung wichtige Uran-Isotop U235 ist in natürlichem Uran nur zu 0,7 Prozent enthalten. Für Kernkraftwerke braucht man eine Konzentration von etwa 3,5 Prozent, für Atombomben von rund 90 Prozent.

G7 unterstützen Initiative für Sahelzone

Ein weiteres Thema auf dem G7-Treffen war die Lage in  der Sahelzone. Deutschland und Frankreich erhielten Rückendeckung von den G7-Partnern in dem Bestreben, den Ländern Mauretanien, Mali, Niger, Burkina Faso und Tschad im Kampf gegen den Terror zu helfen. Merkel und Macron sagten in einer Pressekonferenz, die fünf Länder müssten in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen. Dafür müssten Armee und Polizei besser ausgerüstet sein. Merkel sagte, die Länder sollten ihren Bedarf für ihre Armeen melden. Ende des Jahres wollten Deutschland und Frankreich dann eine Konferenz abhalten, um abzusprechen, wer welche Hilfe liefern könne. 

Keine Wiederaufnahme Russlands

Uneinigkeit gab es indes über eine Wiederaufnahme Russlands in den Club der führenden Industrienationen. US-Präsident hatte diese als "vorteilhaft" befürwortet. Vor allem Merkel und Macron waren gegen eine Wiederaufnahme, solange Putin in der Ukraine kein Entgegenkommen zeigt. Russland war nach der Krim-Annexion 2014 ausgeschlossen worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 25. August 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2019, 21:08 Uhr