Rückführung nach Deutschland Islamischer Staat: Kurdenvertreter bietet Übergabe deutscher IS-Kinder an

Kinder von Dschihadisten im Lager 7 min
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Die kurdische Selbstverwaltung in Nordsyrien bietet der Bundesregierung an, deutsche Kinder und Frauen zu übergeben. Das bestätigte deren in Berlin ansässiger Vertreter, Ibrahim Murad, gegenüber dem ARD-Magazin "FAKT": "Wenn die Bundesregierung sagt, okay, wir wollen sie haben, dann können wir sie übergeben", so Murad in einem Interview mit dem ARD-Magazin "FAKT". Logistisch sei eine Rückführung kein Problem. Die Kurden würden alle erforderlichen Vorbereitungen vor Ort treffen.

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Die kurdische Selbstverwaltung kümmere sich inzwischen um fast eine Million Binnenflüchtlinge in Nord- und Ostsyrien, die in verschiedenen Lagern untergebracht seien. Das sei eine schwere Last: "Dieses Problem ist ja nicht nur unser Problem. Es ist ein globales Problem. Wenn es den politischen Willen gibt, dann können wir zusammenarbeiten und zusammen eine Lösung finden.", so Murad im "FAKT"-Interview. Die Bundesregierung solle das Schicksal der deutschen Kinder und Frauen in den kurdischen Flüchtlingslagern endlich ernst nehmen.

Laut Murad befinden sich ungefähr 1000 ausländische IS-Kämpfer sowie 1000 ausländische Frauen im kurdischen Gewahrsam. Die Zahl der deutschen Staatsbürger bezifferte er mit rund 50, inklusive Kinder. Täglich kämen neue hinzu.

Humanitäre Lage ist katastrophal

Die innenpolitische Sprecherin der Bundesfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Irene Mihalic, forderte gegenüber "FAKT" die Rücknahme dieser Kinder: "Die Bedingungen in den Lagern sind verheerend. Es gibt schwerwiegende Missbrauchsfälle und Fälle von Unterernährung. Humanitär ist die Lage für Kinder und Jugendlichen katastrophal. Schon allein aus humanitären Gründen wäre es eigentlich eine Verpflichtung für die Bundesregierung dafür zu sorgen, dass diese Kinder außer Landes gebracht werden. Aber natürlich auch unter Radikalisierungsaspekten ist es auf jeden Fall wichtig, dass diese Kinder nicht in terroristischen Strukturen sozialisiert werden und aufwachsen."

Leonora Messing
Auch die Deutsche Leonora Messing und ihre Kinder befinden sich in einem kurdischen Lager Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Trotz mehrfacher Nachfrage habe die Bundesregierung ihr gegenüber keine schlüssige Strategie in den Fällen der Kinder erklärt. Die Bundesregierung müsse ermitteln, wie viele Kinder sich dort aufhielten, in wie vielen Fällen es bereits Sorgerechtsentzüge durch deutsche Jugendämter gegeben habe. Zumindest bei diesen Fällen habe der Staat ganz klar einen Handlungsauftrag.

Auch für Thomas Mücke vom Violence Prevention Network ist es zwingend notwendig, dass die Kinder so schnell wie möglich nach Deutschland geholt werden. Nur so hätten sie die Chance ein normales Leben zu führen: "Die Situation der Kinder ist desaströs. Sie sind diejenigen, die am unschuldigsten sind, sie haben nichts dazu beigetragen, in diese Situation reinzukommen. Es besteht immer konkrete Gesundheits- und Lebensgefahr für sie. Es sind ja auch schon welche gestorben. Hier gilt nur eine Sache: diese Kinder so schnell wie möglich in ein sicheres Gebiet bringen", so Mücke gegenüber "FAKT".

Auf "FAKT"-Nachfrage hieß es aus dem Auswärtigen Amt, in Syrien sei eine konsularische Betreuung nach Schließung der Botschaft in Damaskus weiterhin faktisch nicht möglich. Unabhängig davon prüfe die Bundesregierung auch in Abstimmung mit ihren Partnern mögliche Optionen, um deutschen Staatsangehörigen, auch in humanitären Fällen, eine Rückführung nach Deutschland zu ermöglichen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 26. März 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 09:29 Uhr

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3 Kommentare

17.04.2019 09:42 Feststellung 3

Sie sind freiwilig aus unserem System ausgestiegen , sie haben keine Verhütungsmittel genommen , wollten dort leben und nun zurück weiter mit Kopftuch usw. ! Was sie an Schicksal jetzt erzählen kann keiner nachprüfen ! Nun sollen wir der Staat für die Kinder sorgen. Sollten nicht die Großeltern und die Verwandten die Kosten des Rückfluges und die Betreuung in Zukunft übernehmen. Es zählt doch sonst auch die Verwandschaft bis ins kleinste Glied , wenn es etwas zu holen gibt z. B. beibei Todesfällen. !!

16.04.2019 16:51 Carolus Nappus 2

Aha, Sorgerechtsentzüge durch deutsche Jugendämter. Wie soll das gehen, wo doch angeblich überhaupt gar nichts geht, wenn es um irgendwas im Ausland geht? Da sollen jetzt irgendwelche Provinzbeamte dorthin fahren und schauen, ob den Eltern das Sorgerechht entzogen wird. Kindern, die vielleicht zufällig noch zwei, drei andere Staatsbürgerschaften haben?

16.04.2019 12:13 Blumenfreund 1

Die Kurden können diese Leute gerne behalten.
Hier will die keiner zurück haben !!