Das Rettungsschiff Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline wird von eim Schiff der libyschen Küstenwache erreicht
Ein Schiff der libyschen Küstenwache erreicht das Rettungsschiff "Lifeline". Bildrechte: dpa

Migranten im Mittelmeer Italiens Küstenwache sieht sich für Rettung vor Libyen nicht mehr zuständig

Italiens Küstenwache koordiniert ab sofort keine Rettungsaktionen vor der libyschen Küste mehr. Dafür sei nun wieder die Küstenwache Libyens zuständig. Das gilt auch für die Aufnahme der Geretteten.

Das Rettungsschiff Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline wird von eim Schiff der libyschen Küstenwache erreicht
Ein Schiff der libyschen Küstenwache erreicht das Rettungsschiff "Lifeline". Bildrechte: dpa

Italiens Küstenwache sieht sich ab sofort nicht mehr für die Koordinierung von Rettungsaktionen von Migranten vor der libyschen Küste zuständig. Wie italienische Medien unter Berufung auf eine Mitteilung der Küstenwache des EU-Landes berichteten, werden Kapitäne, die sich im Gebiet von Libyen befinden, aufgefordert, sich ab sofort mit Hilferufen an die libysche Küstenwache zu wenden.

Ende bisheriger Praxis

Italienische Küstenwache sucht vor Libyen nach Migranten
Italienische Küstenwache sucht vor Libyen nach Migranten (Archivbild). Bildrechte: imago/Joker

Die Mitteilung bedeutet ein Ende der bisherigen Praxis, wonach die italienische Küstenwache bei Rettungsaktionen im zentralen Mittelmeer auch außerhalb der eigenen Hoheitsgewässer eine wichtige Rolle spielte. Da das internationale Seerecht verlangt, dass der Rettungskoordinator den Geretteten auch einen sicheren Hafen bieten muss, wurden die vor der Küste Libyens aufgenommenen Migranten auch in Italien angelandet. Allein im Jahr 2017 waren das gut 119.000.

Mitteilung betrifft nur libysche Küste

Die italienische Verteidigungsministerin Elisabetta Trenta stellte allerdings klar, dass die Ankündigung der Küstenwache nicht bedeute, dass Italien seine Verpflichtungen zur Rettung von Menschen aus Seenot vernachlässige. Die Mitteilung der Küstenwache beziehe sich ausschließlich auf das Gebiet nahe der libyschen Küste. Dort sei die libysche Küstenwache zuständig. Diese sei von den italienischen Kollegen ausgebildet worden und habe "alle Fachkenntnisse und Mittel, um die Aufgabe zu erfüllen".

Konflikt mit privaten Flüchtlingsrettern

Italiens neue Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega hatte mit ihrem Amtsantritt vor drei Wochen eine komplette Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik eingeleitet.

Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini hat mittlerweile die Häfen seines Landes für private Flüchtlingsretter geschlossen. So wird aktuell dem Flüchtlingsschiff "Lifeline" der Dresdner Organisation "Mission Lifeline" die Anlandung von 239 Migranten durch Italien und Malta untersagt. Seit Donnerstag ist das Schiff auf dem Meer blockiert. An Bord sind auch vier Kleinkinder.

Salvini hatte mit Blick auf diese und andere Nichregierungsorganisationen (NGO) erklärt, er wolle dem "illegalen Einwanderungsgeschäft" dieser Leute nicht mehr länger Beihilfe leisten.

Containerschiff mit Flüchtlingen wartet auf Einfahrt

Am Wochenende wartete unterdessen noch ein weiteres Schiff mit Migranten an Bord auf die Einfahrt in einen italienischen Hafen. Wie ein Sprecher der Maersk Line mitteilte, wartet das dänische Containerschiff "Alexander Maersk" mit 113 aus dem Mittelmeer geborgenen Menschen vor der Küste Siziliens auf einen Anlegegenehmigung. Die Migranten seien am Freitag gerettet worden, nachdem die italienische Küstenwache Maersk alarmiert hätte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juni 2018 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2018, 12:50 Uhr

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33 Kommentare

25.06.2018 13:13 buergerx 33

@17DD: "Sie hatten nur das Pech in einer Weltregion geboren zu werden, in der der Ertrinkungstod besser erscheint als ein Leben vor Ort." Da ist mir zu einfach, was heißt hier bitte "Leben vor Ort"? Wollen Sie mir ernsthaft erklären, in GANZ Afrika gibt es keinen Ort, an dem der entsprechende Flüchtling (sicher) leben kann? Ist das Ihr Ernst? Afrika hat als Kontinent eine eigene Flüchtlingskonvention. Erst wenn diese nicht greift (ziemlich unwahrscheinlich) sollten diese Leute auf einen anderen Kontinent migrieren. Was hier größtenteils aus Schwarzafrika auf die Boote steigt, ist mMn in den allermeisten Fällen knallharte Wirtschaftsmigration. Beispiel? googlen Sie bitte "Gambia Nationalspielerin ertrunken". In diesem Zusammenhang habe ich kein Verständnis sein Leben auf das Spiel zu setzen. Mit der Gutmenschenbrille sieht man das aber wahrscheinlich anders. Nur erwarten Sie von logisch und pragmatisch denkenden Bürgern bitte kein Mitleid o.ä. und akzeptieren Sie deren Meinung.

25.06.2018 08:58 H.E. 32

Inzwischen kann ich es nachvollziehen, daß Italien nicht mehr will und gegen Merkel kontert.
Heute morgen im swr kam folgender Satz aufgrund des Treffens zur Flüchtlingspolitik in Brüssel, daß bei den anderen Partnern in der EU, wenn Merkel spricht, grundsätzlich eine schlechte Stimmung vorhanden ist, auch bei anderen wichtigen Themen.
Warum sollte es dann jetzt plötzlich ein positive Lösung in der Flüchtlingsfrage geben. Ich sehe die Abweisung der Schiffe in Italien auch als ein Hilferuf Italiens an.

25.06.2018 08:41 Waldschrat22393 31

Vielen Dank für die Bestätigung einer weiteren "Rechten Verschwörungstheorie" von Pegida & Co.: Die EU fischt in libyschen Gewässern nach "Flüchtlingen" und betätigt sich damit als Schlepper.
Die libyschen Gewässer sind Libyiens Hoheitsgebiet, nicht das der EU. Was Itlaien wohl sagen würde, wenn libysche Marine in deren Küstengewässern herumschipperte..?
Grundsätzlich ist das Eingreifen in die Inneren Angelegenheiten eines Staates nach Art. 2 Ziff. 7 der UN-Charta unzulässig.

25.06.2018 08:29 Bingo 30

Italien ist aufgewacht,Abweissung an den Häfen. Der einzig richtige Weg, um dieses "Geschäftsmodel", der illegalen Einwanderung (Invasion) zu unterbinden.

24.06.2018 23:29 der_Silvio 29

@17 DD; "Sie hatten nur das Pech in einer Weltregion geboren zu werden, in der der Ertrinkungstod besser erscheint als ein Leben vor Ort."
Aber Zig Tausend Dollar für die Schlepper können sie auftreiben oder was?
Die wirklich armen Menschen sitzen in irgendwelchen Auffanglagern fest.
Denen sollte geholfen werden, vor Ort, um die Menschen in die Lage zu bringen, sich selbst zu versorgen.
Italien geht (endlich) den Schritt in die RICHTIGE Richtung.

24.06.2018 22:49 Montana 28

Stimme den Ländern die keine Asylanten mehr aufnehmen, vollkommen zu. Einmal muß Schluss sein.

24.06.2018 22:30 Bernd L. 27

Ich würde gern mehr über "Lifeline" wissen:
Wer finanziert die? Gibt oder gab es staatliche Gelder? Wer sind die handelnden Personen? Bekommt Lifeline Geld von den Migranten?

24.06.2018 21:09 OHNEWORTE 26

Mich wundern die Aktionen der lieben Mitmenschen aus Deutschland mit dem Rettungs UFO...... Geflagt auf Niederlaendisches Schiff ....,die Niederlaender verneinen das .... Mit welchem Recht ist so ein Piraten Kutter unterwegs ? Keine Versicherung - das Schiff scheinbar nicht seetuechtig ....aber Rettungsschiff. In Deutschland werden Kinder von der Polizei angemotzt ,wenn sie am Luftroller kein Air Bag haben und keine Klingel.
Da verklickert man den Kleinen,was fuer Katastrophen passieren koennen.....
Auf dem Mittelmeer aber sind Gutmenschen unterwegs mit Seelentroestern , bewegen sich in den Hoheitsgewaessern wie Einsatzschiffe der Laender .... Alles was mit Fluechtlingen ablaeuft - sehr eigenartig. Haben die in Lybien Reisebueros,wo Fluechtlinge gegen Dollars buchen koennen ??? Aber die elf Meilenzone selbst ueberwinden muessen zum Traumschiff Dresden ,Berlin ??? Haben die keine Angst Ebola unkontrolliert einzuschleppen nach Europa ?

24.06.2018 20:54 Walter 25

Lifeline-Sprecher kutschiert jetzt schon seit Tagen aufgenommene schiffsbrüchige durch das Mittelmeer.
Würden Sie wirklich nur Menschen retten wollen, hätten Sie diese abgesetzt und wären schon wieder auf dem „Posten“.
Sie sind aber Schlepper und wollen nur Flüchtlinge nach Europa bringen.
Volle Unterstützung für Italien und Malta.

24.06.2018 20:28 Wolfgang Nawalny 24

@17 DD - Es kann doch nicht funktionieren, dass Länder wie Italien oder Deutschland Woche für Woche tausende und abertausende Menschen aus aller Herren Ländern dauerhaft aufnehmen und dauerhaft hier versorgen. Wie die Zeit nun mal begrenzt ist, ist auch der Raum und die Ressourcen begrenzt, ebenso die Machbarkeit und die Toleranz. Diese Ausmaße können keiner Kultur zum Guten gereichen. Wie sagte der unvergessene Nahostexperte Scholl Latour: "Wer halb Kalkutta aufnimmt, rettet nicht Kalkutta, sondern wird selbst Kalkutta."

Jede Sache hat ihre Logik, so auch diese.