Coronavirus in Italien Österreich stellt Zugverkehr nach Italien ein

Österreich hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus den Zugverkehr mit Italien eingestellt. Auch Italien selbst reagiert mit drastischen Maßnahmen. In Venedig wurde der berühmte Karneval abgesagt, mehrere Orte sind von der Außenwelt abgeriegelt.

Ein Nachtzug der ÖBB steht 2016 im Bahnhof Altona.
Der Zugverkehr zwischen Österreich und Italien wurde aus Furcht vor dem Coronavirus am Sonntag eingestellt. Bildrechte: dpa

Aus Furcht vor Coronavirus-Infektionen hat Österreich den Zugverkehr mit Italien eingestellt. Die staatliche österreichische Eisenbahngesellschaft ÖBB teilte am Sonntagabend mit, alle Zugverbindungen mit dem Nachbarland seien ausgesetzt, weil bei zwei aus Italien kommenden Bahn-Passagieren der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus bestehe. Der Eurocity von Venedig war auf dem Weg nach München. Der Zug war am Grenzübergang Brenner gestoppt worden.

Wie lange der Bahnverkehr ausgesetzt bleibt, sei noch nicht klar, sagte ein ÖBB-Sprecher. Die ÖBB werde in Absprache mit den italienischen Staatsbahnen über das weitere Vorgehen entscheiden.

Italien sagt Karneval in Venedig ab

Auch Italien leitete im Kampf gegen das Coronavirus drastische Maßnahmen ein. Aus Sorge wegen der Ausbreitung der gefährlichen Lungenkrankheit wurde der berühmte Karneval von Venedig abgesagt. Das teilte das Regionalpräsidium von Venetien am Sonntag mit.

Wir müssen uns drastischen Maßnahmen anpassen. Dazu zählt die Absage des Venezianischen Karnevals und sogar noch mehr.

Luca Zaia, Präsident der Region Venetien

Nach Angaben von Regionalpräsident Luca Zaia ist die Zahl der mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten in Venetien auf 19 gestiegen. Darunter seien auch zwei ältere Personen, die direkt in der Lagunenstadt Venedig im Krankenhaus seien. Die eigentlich bis Dienstag stattfindenden Feste und Umzüge des Karnevals von Venedig gehören zu den größten und berühmtesten Veranstaltungen des weltweiten Narrentreibens.

Knapp ein Dutzend Orte abgeriegelt

Zuvor hatte die Regierung in Rom bereits entschieden, die am stärksten betroffenen Städte im Norden des Landes von der Außenwelt abzuriegeln. Wie Ministerpräsident Giuseppe Conte am späten Samstagabend mitteilte, sind zunächst knapp ein Dutzend Orte südöstlich von Mailand mit etwa 50.000 Einwohnern sowie Vo' im benachbarten Venetien mit rund 3.000 Bewohnern betroffen. "Das Betreten und Verlassen dieser Gebiete ist verboten."

Strafrechtliche Konsequenzen drohen

Giuseppe Conte
Conte: "Wenn nötig auch Streitkräfte." Bildrechte: dpa

Conte kündigte die Notfallmaßnahme nach Krisengesprächen mit der italienischen Zivilschutzbehörde an. Zunächst sollten die Sicherheitskräfte die betroffenen Regionen abriegeln. Notfalls würden auch die Streitkräfte hinzugezogen. Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe "strafrechtliche Verfolgung". Ein Aussetzen der innereuropäischen Reisefreiheit im Rahmen der Schengen-Zone sei vorerst nicht vorgesehen, sagte der Regierungschef.

Mehr als 150 Infektionen

In Italien waren bis zum Sonntag mehr als 150 bestätigte Infektionsfälle mit dem Virus Sars-CoV-2 erfasst worden. Drei Menschen sollen bereits daran gestorben sein – der jüngste Fall wurde am Sonntagabend bekannt. Damit ist Italien das europäische Land mit den weitaus meisten erfassten Sars-CoV-2-Infizierten. In Deutschland waren bis zum Samstag 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf, darunter ein Todesfall.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Februar 2020 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2020, 22:19 Uhr