Das Rettungsschiff Seefuchs der Regensburger Organisation Sea-Eye. Wegen schlechter Wetterbedingungen im Mittelmeer ist das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation mit 119 Migranten an Bord selbst in Schwierigkeiten geraten.
Migranten an Bord der "Seefuchs" der Regensburger Organisation Sea-Eye. Italien will Schiffen privater Rettungsorganisationen künftig den Zugang verwehren. Bildrechte: dpa

"Herren im eigenen Haus" Italien will Häfen für private Rettungsschiffe sperren

Bislang war es Routine, dass im Mittelmeer geborgene Migranten nach Italien gebracht wurden. Innenminister Salvini kündigte nun an, dass damit für private Seenotretter Schluss sei. Die Dresdner Organisation "Lifeline" bezeichnete den Lega-Chef daraufhin kurzzeitig als "Faschisten". Unterdessen wurde das private Rettungsschiff "Aquarius", das weder Italien noch Malta anlaufen durfte, für Sonntagmorgen im spanischen Valencia erwartet.

Das Rettungsschiff Seefuchs der Regensburger Organisation Sea-Eye. Wegen schlechter Wetterbedingungen im Mittelmeer ist das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation mit 119 Migranten an Bord selbst in Schwierigkeiten geraten.
Migranten an Bord der "Seefuchs" der Regensburger Organisation Sea-Eye. Italien will Schiffen privater Rettungsorganisationen künftig den Zugang verwehren. Bildrechte: dpa

Italiens neue Regierung will Nichtregierungsorganisationen nicht länger die routinemäßige Anlandung von Migranten in seinen Häfen gestatten. Innenminister Matteo Salvini erklärte am Samstag via Twitter, die guten Zeiten für diese Organisationen seien nun vorbei: "Wir sind die Herren in unserem eigenen Haus."

Keine Einfahrt für deutsche NGO-Schiffe

Matteo Salvini, Vorsitzender der Lega-Partei, spricht nach einem Treffen mit Italiens Präsident Mattarella zu Journalisten.
Salvini: "Gute Zeiten für diese Organisationen sind vorbei." Bildrechte: dpa

Zuvor hatte Salivini angekündigt, den von deutschen NGO's genutzten Rettungsschiffen "Seefuchs" und "Lifeline" die Einfahrt in italienische Häfen zu verweigern. Der Lega-Politiker schrieb dazu: "Diese Leute sollten wissen, dass Italien nicht länger diesem illegalen Einwanderungsgeschäft Beihilfe leisten will, also werden sie sich andere Häfen zum Ansteuern suchen müssen."

Die privaten Seenotretter von Mission Lifeline aus Dresden bezeichneten Salvini daraufhin bei Twitter zunächst als "Faschisten". Der Chef der rechten Lega warnte die Helfer daraufhin, durch Beleidigungen und Drohungen lasse man sich nicht aufhalten. Später war der Tweet der Helfer nicht mehr im Kurznachrichtendienst zu sehen. Stattdessen twitterte Mission Lifeline, Salvini sei "natürlich kein Faschist".

"Aquarius" am Sonntag in Valencia

Die Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega hatte zuvor schon dem Rettungsschiff "Aquarius" von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée keine Erlaubnis gegeben, in einen italienischen Hafen einzufahren. Das Schiff mit mehr als 600 Migranten musste daraufhin Kurs auf das 1.500 Kilometer entfernte spanische Valencia nehmen, wo es am Sonntagmorgen ankommen sollte.

Sea-Eye warnt vor Folgen

Die Regensburger NGO Sea-Eye warnte, dass Retter und Migranten in große Gefahr geraten könnten, sollte Salvini bei seiner Linie bleiben. Kein europäischer Innenminister stehe über dem Gesetz, hieß es in einer per E-Mail verbreiteten Mitteilung der Organisation. Sea-Eye gehe davon aus, dass Italien weiterhin seinen humanitären und internationalen Verpflichtungen nachkommen werde.

119.000 Migranten nach Italien gebracht

In den vergangenen Jahren war es Routine gewesen, dass im zentralen Mittelmeer geborgene Migranten nach Italien gebracht wurden. Im Jahr 2017 waren es gut 119.000. Tausende von ihnen reisten später weiter in Richtung Österreich und Deutschland.

Konflikt älter als neue Regierung

Der Konflikt zwischen Italien und den privaten Seenotrettern ist allerdings viel älter als die neue italienische Regierung. In der Vergangenheit waren NGO-Schiffe immer wieder ins Visier italienischer Ermittler geraten. So wurde im August 2017 auf der italienischen Insel Lampedusa ein Schiff der deutschen NGO "Jugend rettet" festgesetzt, der Beihilfe zur illegalen Migration vorgeworfen wurde.

Italien und Libyen warfen den NGO-Seenotrettern in der Vergangenheit auch vor, in libyschen Hoheitsgewässern operiert zu haben oder sogar mit Schleppern bei der Übernahme von Flüchtlingen auf See zu kooperieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juni 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2018, 22:48 Uhr

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17 Kommentare

18.06.2018 16:19 Fragender Rentner 17

Ist doch nur die halbe Wahrheit.

Es sollen nur die privaten Schiffe nicht die Häfen anlaufen dürfen.

Die italienische Marine bringt trotzdem noch Gerettete in die Häfen.

18.06.2018 13:11 der_Silvio 16

Hilfe ist immer freiwillig.
Wenn ein Land, hier Italien, sagt, daß es nicht mehr Hilfe leisten kann oder will, dann sollte man das akzeptieren. Sei es, weil Italien an seine wirtschaftlichen Grenzen stößt oder weil andere Länder nur sehr wenig tun. Aber dieses Maß an Souveränität sollte man jedem Land lassen.
Aber vielleicht sind manche erst zufrieden, wenn Europa oder Deutschland am Boden sind.

18.06.2018 11:39 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 15

Wenn Menschen aus Unrechtssystemen fliehen, tun sie das meist - aus der Not heraus - nur wenig vorbereitet. Wenn Menschen genügend Vorbereitungszeit und -möglichkeiten haben, lassen sich Fluchten durchaus erfolgreich durchführen - das Maß des Erfolgs hängt dann nur von der Einstellung der 'Fluchtgegner' ab.

Wenn einem DDR-Bürger die Flucht soweit gelungen war, daß er den Todesstreifen lebend hintersich gelassen hatte, wurde er von Bundespolizisten auch nicht wieder 'zurück über die Mauer geworfen', sondern es wurde ihm 'geholfen', in der Bundesrepublik Fuß zu fassen.

Die, die im Mittelmeer ertrinken, werden auch an europäischen Stränden angespült.

18.06.2018 09:07 Bingo 14

Italien ist aufgewacht, unter der neuen Regierung ."Die Retter" ,die 5 Kolonne der Schlepper."Die Retter" können auch weiter retten. Die Flüchtlinge, aber dort absetzen, wo sie gestartet sind.

18.06.2018 08:45 Beobachter 13

Die Aquariuas hat den nächsten Hafen Tuni nicht angesteuert, obwoghl dort ein großes Migrationszentrum (,it deutschem Geld) ist. Es sind daher keine Seenotretter, sondern Schlepper.

18.06.2018 06:02 Wo geht es hin? 12

@winfried - Zitat von Ihnen: "Was mir in der ÖR-Berichterstattung fehlt, ist die Entfernungsangabe des nächsten Hafens zum Zeitpunkt der "Rettung". Zitat Ende. Das ist in den allermeisten Fällen mit "Land in Sicht" anzunehmen. Es gibt im Netz eine Seite, wo die Routen dieser "Hilfsorganisationen" per Tracker gut dokumentiert sind und wo man sehen kann, dass diese wie gut organisierte Taxiunternehmen mit Dauerauftrag ständig die gleichen Strecken fahren. Ist wohl noch nicht bis zum MDR durchgedrungen...

17.06.2018 22:27 Bernd L. 11

Ich frage mich, wann sich endlich unsere Justiz mit den Schlepperschiffen beschäftigt. Oder weerden nur ausländische Schlepper verurteilt?

17.06.2018 22:21 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 10

Sicherlich ist es nicht schön für ein paar Populisten, wenn private Seenotretter Flüchtlinge in Italiens Häfen an Land lassen.

Für keinen Flüchtling ist es schön, im Mittelmeer zu ertrinken.

17.06.2018 17:05 annerose will 9

"NGO Sea-Eye warnte, dass Retter und Migranten in große Gefahr geraten könnten, sollte Salvini bei seiner Linie bleiben. Kein europäischer Innenminister stehe über dem Gesetz" Einige Fragen dazu: Wie kommen denn die Migranten in das Mittelmeer ? Warum können die scheinbar Geretteten nicht an die Küste gebracht werden von der sie ins Mittelmeer gelangten ? Ist es erlaubt in ein Land einfach übers Meer einzureisen ? Warum soll Italien verpflichtet sein, jedem Menschen außerhalb des Schengenraums Einreise zu gewähren ? Normalerweise braucht man dazu ein Visum. Ein Russe kann auch nicht einfach mit einem eigenen Boot ohne Visum über den Rostocker Hafen einreisen.

17.06.2018 14:57 Fragender Rentner 8

@Norbert zu 7

Da bekommst du aber bestimmt großen Ärger mit den Unbesorgten.