Ein Junge steht vor einer Absperrung, nachdem es dort einen Luftangriff gab.
Ein Junge in der jemenitische Provinz Saada vor einem bei Luftangriffen zerstörten Haus. Bildrechte: dpa

Bürgerkrieg im Jemen Huthi-Rebellen zu Waffenruhe bereit

Die Huthi-Rebellen im Jemen haben ihre Raketen- und Drohnenangriffe eingestellt. Damit gibt es in dem festgefahrenen Konflikt mit tausenden Toten und Hungersnot wieder Chancen für Friedensverhandlungen.

Ein Junge steht vor einer Absperrung, nachdem es dort einen Luftangriff gab.
Ein Junge in der jemenitische Provinz Saada vor einem bei Luftangriffen zerstörten Haus. Bildrechte: dpa

Die Huthi-Rebellen im Jemen haben ihre Drohnen- und Raketenangriffe auf die Regierung sowie deren Verbündete gestoppt. Das Oberste Revolutionskomitee reagiert damit nach eigenen Angaben auf einen entsprechenden Aufruf der Vereinten Nationen.

Die vom Iran unterstützten Huthis zeigten sich zudem bereit für einen umfassenderen Waffenstillstand, sofern die von Saudi-Arabien angeführte feindliche Militärallianz mitziehe. Regierungstruppen hatten zuletzt ihre Offensive auf die jemenitische Hafenstadt Hodeidah unterbrochen, die von Huthis kontrolliert wird.

Vor allem Zivilbevölkerung leidet

Die Vereinten Nationen bezeichnen den Bürgerkrieg im Jemen als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Die Kämpfe dauern bereits seit fast vier Jahren. Mehr als 10.000 Menschen kamen ums Leben, über zwei Millionen wurden vertrieben. Die UN warnen vor einer verheerenden Hungersnot in dem Land.

Am Freitag hatte der UN-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, einen Besuch der von den Huthi-Rebellen kontrollierten Stadt Sanaa angekündigt, um Friedensgespräche möglichst noch in diesem Jahr zu starten. Ziel ist ein Waffenstillstand und die Bildung einer Übergangsregierung. Ein erster Versuch war im September gescheitert, weil die Huthis zu dem Treffen nicht erschienen.

Blutiger Stellvertreterkrieg

Im Jemen kämpfen Truppen des ins Exil geflohenen, aber international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die weite Teile des Nordens inklusive der Hauptstadt Sanaa kontrollieren. Seit 2015 bombardiert ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis Stellungen der Huthis aus der Luft, wobei bereits Tausende Zivilisten getötet wurden.

Zuletzt bröckelte der Rückhalt der Huthi-Rebellen unter ihren Anhängern. So lief ihr ehemaliger Informationsminister Abdel-Salam Dschabir zum Feind über. Er beschuldigte die Milizen, im Namen der Religion Kinder in den Krieg schicken.

Druck auf Saudi-Arabien nach Kashoggi-Mord

Die saudi-arabische Allianz im Jemen wurde bislang offen von westlichen Staaten mit Waffenlieferungen und Geheimdienstinformationen unterstützt. Doch zuletzt forderten Verbündete wie die USA ein Ende der Kämpfe. Nach der Ermordung des regierungskritischen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi wächst der internationale Druck auf das Königreich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2018 | 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2018, 10:55 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

20.11.2018 11:22 Blumenfreund 4

Saudi Arabien ist dort der Aggressor.
Die bomben das Land in das Mittelalter zurück. Aber das ist ja unser strategischer Partner. Warum eigentlich?

20.11.2018 06:06 H.E. 3

Ich kann mich sehr gut entsinnen, daß vor 50 Jahren auch schon sehr massive Probleme im Jemen vorhanden waren, nur war das Land geteilt in Nordjemen mit Hauptstadt Sanaa und Demokr. Volksrepublik Jemen mit Hauptstadt Aden (seit 1990 vereint).
Dieses Land kam nie zur Ruhe, auch wegen den erzkonservativen und erzreaktionären Imamen und dem exponentiellen Bevölkerungswachstum, was auch mit die exorbitanten Probleme, die sie heute haben begünstigt. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist 15 Jahre und jünger, seit 1960 bis 2017 ist die Bevölkerung von ca. 6 Millionen Einwohnern auf über 28 Millionen angestiegen.
Da darf doch die Frage erlaubt sein "ist dies unser Problem"? Und nun unterzeichnet unsere Regierung auch noch den UN-Migrationspakt, den inzwischen 19 Staaten, darunter sehr viele liberale NICHT unterzeichnen werden. Die wissen warum!

19.11.2018 14:24 noch 22 Tage (UNO-Migrationspakt) 2

.... und Frankreich mit keiner Silbe genannt.

+1

19.11.2018 11:24 Jürgen Förster 1

Ein Meisterstück, solch Artikel wie dieser.
Drei Jahre Bombardierung des Jemen durch eine Saudische Koalition, mit freundlicher Unterstützung der wichtigsten westlichen Staaten, unzählige Tote, Elend, Hungersnot in einem der ärmsten Länder der Welt, begleitet durch wohlwollende Ignoranz westlicher Medien.
Und nun schaffen Sie es in einem Artikel, die Verantwortung für diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Saudis denen in die Schuhe zu schieben, die ihr Land gegen die Angreifer verteidigen.
Ganz hohe Schule, das Opfer ist der Agressor.