Ein Mann untersucht nach einem Luftangriff ein zerstörtes, von Huthi-Rebellen besetztes Forschungsgebäude in Sanaa
Ein Mann vor einem zerstörten, von Huthi-Rebellen besetzten Forschungsgebäude in Sanaa. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Genf Friedensgespräche für Jemen gescheitert

In der Schweiz sollten aktuell eigentlich Friedensgespräche für den Jemen stattfinden. Nachdem eine der Konfliktparteien, die Huthi-Rebellen, nicht anreisten, ist das Treffen am Samstag aber geplatzt. Experten fürchten eine neue Stufe der Eskalation.

Ein Mann untersucht nach einem Luftangriff ein zerstörtes, von Huthi-Rebellen besetztes Forschungsgebäude in Sanaa
Ein Mann vor einem zerstörten, von Huthi-Rebellen besetzten Forschungsgebäude in Sanaa. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Die ersten Friedensgespräche für den Jemen seit zwei Jahren sind gescheitert, bevor sie überhaupt beginnen konnten. Das angepeilte Treffen zwischen den Konfliktparteien in Genf wurde am Samstag abgesagt, weil die Delegation der Huthi-Rebellen nicht angereist war. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte das geplatzte Treffen zu einer weiteren Eskalation des Konflikts im Jemen führen.

Rebellen lehnten UN-Flugzeug ab

UN-Vermittler Martin Griffiths sagte: "Wir haben es nicht geschafft, die Delegation aus Sanaa hierher zu bekommen." Er kündigte an, in den nächsten Tagen selbst nach Sanaa fliegen, um die Huthis zu treffen.

Die Aufständischen hatten in den Tagen zuvor ein bereitgestelltes Flugzeug der Vereinten Nationen abgelehnt und eine andere Maschine verlangt, die nicht durchsucht werden dürfe. Sie hatten das damit begründet, dass die Vereinten Nationen bei früheren Gesprächen in Genf den sicheren Transport nicht hatten garantieren können. Griffiths sagte dazu: "Wir haben keine ausreichenden Bedingungen geschaffen, um sie hierher zu bringen."

Stellvertreterkrieg zwischen Iran und Saudi-Arabien

Jemen
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Im Jemen kämpft die international anerkannte Regierung des Landes gegen die Rebellen, die weite Teile des Nordens und auch Sanaa beherrschen. Die Huthi, eine politisch-militärische Bewegung eines Zweigs von Schiiten, hatten 2004 den Aufstand gegen die jemenitische Regierung geprobt, woraufhin ein Bürgerkrieg ausgebrochen war. Danach gab es über Jahre kurze Waffenpausen und neue Kämpfe. 2015 übernahmen die Huthi-Milizen faktisch die Macht. Sie werden vom Iran unterstützt. Eine Militärkoalition, die von dem mit dem Iran verfeindeten Saudi-Arabien angeführt wird, versucht, die Huthi zurückzudrängen.

UN: Schlimmste humanitäre Krise der Welt

Aktuell bombardiert dieses Militärbündnis Stellungen der Huthis aus der Luft. Für die UN spielt sich im Jemen "die schlimmste humanitäre Krise der Welt" ab. 22 Millionen Menschen - drei Viertel der Bevölkerung - sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, sieben Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Seit Beginn des Konflikts hat es außerdem rund 2.000 Tote durch die Cholera gegeben.

Hilfe für 22 Millionen Zivilisten in weiter Ferne

Die UN hatten gehofft, in der Schweiz Maßnahmen zur Bekämpfung der humanitären Not zu vereinbaren. Auch wollte Griffiths eine folgenschwere Offensive auf die Hafenstadt Hudaida verhindern, über die etwa 70 Prozent der Versorgung für die Huthi-Gebiete läuft. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition will Hudaida angreifen und erobern, was ein möglicherweise entscheidender Schlag gegen die Rebellen sein könnte - und ein Desaster für die Zivilbevölkerung.

Regierung wütend auf UN-Vermittler

Seit Donnerstag konnte Griffiths in Genf nur mit der Delegation der Regierung sprechen. Der jemenitische Außenminister Chaled al-Jamani zeigte sich verärgert über die Rebellen, aber auch über den UN-Diplomaten: "Leider hat der Vermittler mit seiner Stellungnahme versucht, der Seite des Umsturzes zu gefallen, während er uns gegenüber Unzufriedenheit mit deren ungerechtfertigtem Verhalten ausdrückte." Es sei nicht das erste Mal, dass die Huthis Friedensgespräche sabotierten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. September 2018 | 15:39 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2018, 18:16 Uhr

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4 Kommentare

09.09.2018 10:11 Michael Möller 4

nach meiner Meinung nach ist der Jemen das beste Beispiel wenn sich zwei Religionsgruppen seit fast 2000 Jahren immer wieder mit Gewalt die andere Gruppe unterdrücken oder nicht akzeptieren wollen. und leider ist der Westen bzw. die Westliche Welt so naiv das nicht war haben zu wollen. wie will die UNO die Parteien an einen Tisch bekommen wenn noch nicht einmal die einfachen Sicherheitsgarantie zustande kommt. auch bringt es der Sicherheitsrat nicht einmal zuwege den Krieg zu beenden und die Parteien auf einen Waffenstillstand zubringen , weil sich die Veto-Mächte behindern bzw. durch das Veto-Recht blockieren . der Sicherheitsrat kann nur richtig arbeiten wenn den Veto-Mächten endlich das Veto-Recht entzogen bekommen. so sehe ich das sonst wird die UNO ein Zahnlosen Tiger bleiben.

08.09.2018 23:11 Blumenfreund 3

Der Jemen wird derzeit in das Mittelalter zurück gebombt. Aber das ist wohl nicht so schlimm. Und die demokratische Welt, sie schweigt.

08.09.2018 22:39 H.E. 2

Ich kann mich gut erinnern, daß es vor 50 Jahren auch schon massive Probleme mit dem Jemen gab, nur damals gab es 2 davon, Nord-Jemen mit der Hauptstadt Sanaa und der Demokratischen Volksrepublik Jemen mit der Hauptstadt Aden.
1990 ist die Vereinigung der beiden Staaten erfolgt.
Der Jemen war schon sehr lange ein instabiles Land und die Probleme werden größer mit der exponential wachsenden Bevölkerung, seit ca. 2000 bis heute hat sie sich verdoppelt. Und solange sich das Bevölkerungswachstum sowohl im Jemen als auch in den ganzen arabischen und afrikanischen Staaten nicht ändert, wird die Lage auch nicht verbessert trotz der UN-Hilfsgelder.

08.09.2018 19:20 Fragender Rentner 1

Die "Großen" interssiert doch nicht das Leid der Menschen !!! :-(((