US Botschafter in Israel, eröffnet die neue US Botschaft in Jerusalem.
US Botschafter David Friedman Bildrechte: dpa

Umstrittener Umzug USA eröffnen Botschaft in Jerusalem

Im Dezember 2017 hatte US-Präsident Trump bekannt gegeben, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen. Am Montag wurde die neue Botschaft eröffnet. Die Zeremonie wurde von Unruhen im Gazastreifen begleitet, mindestens 50 Palästinenser wurden dabei getötet.

US Botschafter in Israel, eröffnet die neue US Botschaft in Jerusalem.
US Botschafter David Friedman Bildrechte: dpa

In Jerusalem haben die USA ihre neue Botschaft eröffnet. Botschafter David Friedman begrüßte rund 800 Gäste. Aus den USA war eine große Delegation nach Israel gereist, unter anderem waren Finanzminister Steven Mnuchin und Präsidententochter Ivanka Trump sowie deren Ehemann Jared Kushner gekommen.

Für Trump ist Jerusalem Israels Hauptstadt

Der Botschafter erklärte, 70 Jahre nach Gründung des Staates Israel gingen die US endlich den nächsten Schritt. Dieser historische Moment sei dem Mut einer Person zu verdanken: US-Präsident Donald Trump. Trump hatte im Dezember Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt und die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt. In einer Videobotschaft erklärte Trump am Montag: "Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen." Bereits im Dezember hatte Trump erklärt, Jerusalem sei die Hauptstadt des jüdischen Volkes. Nun fügte er hinzu: "Wir haben in der Vergangenheit das Offensichtliche nicht anerkannt."

Kushner, der zum Team gehört, das sich um eine Friedenslösung in Nahost bemühen soll, erklärte bei der Eröffnung der US-Botschaft, die USA seien entschlossen, dabei zu helfen, einen nachhaltigen Frieden zu schaffen. In Bezug auf die zeitgleichen Proteste an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel sagte er: "Diejenigen, die Gewalt provozieren, sind Teil des Problems, nicht Teil der Lösung."

Jerusalem: Arbeiter stehen auf einem Platz vor dem Konsulat der USA. Die US-Botschaft wird ab dem 14.05.2018 vorübergehend im Gebäude des US-Konsulats untergebracht
Die neue US-Botschaft in Jerusalem ist vorübergehend im Gebäude des US-Konsulats untergebracht. Bildrechte: dpa

Die US-Botschaft ist vorübergehend im Gebäude des US-Konsulats untergebracht. Der tatsächliche Umzug in ein neues Gebäude könnte noch einige Jahre dauern.

Zusammenstöße im Gaza-Streifen

Bei den Palästinensern stieß Trumps Entscheidung auf heftigen Protest. Die Palästinenser beanspruchen Ost-Jerusalem als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Gazastreifen an der Grenze zu Israel eskalierte die Situation. Dutzende Palästinenser wurden bei Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee getötet. Auch in Ramallah waren Proteste erwartet und gewaltsame Konfrontationen befürchtet worden. Die israelische Armee hatte im Vorfeld eine beinahe Verdoppelung ihrer Truppen rund um den Gazastreifen und im Westjordanland angekündigt. Die US-Botschaft und ihre nähere Umgebung wird von eintausend Sicherheitskräften abgesichert.

Netanjahu beharrt auf unteilbarer jüdischer Hauptstadt

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte Trumps Entscheidung im Dezember begeistert aufgenommen. Am Sonntag vor der Botschaftseröffnung, dem Jerusalem-Tag, sagte er, Jerusalem sei "seit mehr als 3.000 Jahren die Hauptstadt unseres Volkes. Wir haben davon geträumt, es wieder aufzubauen, die vereinte Stadt - und das ist genau, was wir jetzt tun." Zehntausende Israelis feierten bei einem Marsch durch die Altstadt die Eroberung des arabisch geprägten Ostteils im Sechs-Tage-Krieg von 1967.

Deutsch-Israelische Gesellschaft lobt Verlegung

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Hellmut Königshaus, lobte unterdessen die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. Er sagte dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland", dies erkenne die gewachsenen Realitäten der letzten 70 Jahre endlich an. Auch die Bundesrepublik Deutschland habe Jerusalem de facto bereits als israelische Hauptstadt anerkannt, sagte der FDP-Politiker und ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestages.

Jerusalem - Wendepunkt Sechs-Tage-Krieg 1967

Der Sechs-Tage-Krieg gilt als wichtiger Wendepunkt im Nahost-Konflikt.

1947 nahm die Vollversammlung der UNO die Resolution zur Teilung Palästinas an, das zuvor unter britischer Mandatsverwaltung gestanden hatte. Die Resolution sah die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staates vor. Jerusalem, das religiöses Zentrum für Juden, Christen und Moslems ist, wurde bis zu einer Einigung unter internationale Verwaltung gestellt.

Der erste israelische Premierminister David Ben-Gurion (stehend) verkündet in Tel Aviv vor Mitgliedern der jüdischen Ratsversammlung die Gründung des Staates Israel, während über ihm ein Porträt von Theodor Herzl, Begründer des politischen Zionismus, hängt.
Der erste israelische Premierminister David Ben-Gurion (stehend) verkündete 1948 in Tel Aviv die Gründung des Staates Israel. Bildrechte: dpa

Der östliche Teil von Jerusalem, der damals unter jordanischer Oberhoheit stand, wurde allerdings im Sechs-Tage-Krieg 1967 von Israel besetzt und 1980 annektiert. Die internationale Gemeinschaft erkannte das nicht an.

Inzwischen leben im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems aber bereits mehr als 600.000 jüdische Siedler. Gleichzeitig kommt die Gründung eines Palästinenserstaates kaum voran. Die meisten Staaten hatten die Frage nach dem endgültigen Status von Jerusalem vertagt. Sie erwarten von Israel und den Palästinensern eine Friedensregelung mit einer Zwei-Staaten-Lösung. Trumps Vorstoß stieß daher weltweit auf Kritik.

Jerusalem: Heiliger Ort für Juden und Muslime Den teils künstlich aufgeschütteten Hügel im Südosten der Jerusalemer Altstadt verehren die Juden als "Tempelberg" und die Muslime als "Das edle Heiligtum".
Bis vor 2.000 Jahren befanden sich dort vermutlich der Tempel von König Salomon und - geschichtlich gesichert - der unter Herodes stark ausgebaute Zweite Tempel.

Seit 1.300 Jahren stehen auf der rechteckigen Hochfläche die Al-Aksa-Moschee und der islamische Felsendom. Der Prophet Mohammed soll von diesem Ort aus seine Himmelfahrt angetreten haben. Für Muslime ist dies nach Mekka und Medina die drittheiligste Stätte.

Das Judentum verehrt den Tempelberg als seinen allerheiligsten Ort. Nur dort, wo der im Jahr 70 von der römischen Besatzungsmacht zerstörte Zweite Tempel stand, soll eine direkte Verbindung zu Gott herstellbar sein. Der einzige Überrest des Tempels, die Klagemauer an der Westseite des Plateaus, dient heute als zentrale Gebetsstätte. Quelle: AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 14. Mai 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2018, 19:27 Uhr

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22 Kommentare

15.05.2018 20:05 Pjotr 22

Stefan, um Ihnen ein wenig auf die Sprünge zu helfen wo die Hilfsgelder landen und was damit gemacht wird empfehle ich folgenden Beitrag „Wo landen die Hilfsgelder für Palästinenser?“. Und Ihre Aussage „Das man da reagiert und auch zuweilen agieren muss, um schlimmeres zu verhindern, sollte jedem klar denkenden Menschen einleuchten.“ klingt irgendwie verharmlosend. Ich bin entsetzt! Sie als eher linker Forist begrüßen das scheinbar. Gewalt ist für Sie also eine Lösung?

15.05.2018 14:00 Stefan (Der) 21

@20.Manuel: Sie vergleichen Willkür und die beispiellose Ermordung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten mit dem Kampf Israels um Existens? Lesen Sie mal bitte in der Geschichte Israels nach und korrigieren ganz schnell Ihre Aussage. Im Konflikt zwischen Arabern und Juden in Palestina herrscht das Prinzip Ursache und Wirkung. Seit der Gründung wird Israel von außen bedroht und angegriffen. Das man da reagiert und auch zuweilen agieren muss, um schlimmeres zu verhindern, sollte jedem klar denkenden Menschen einleuchten.

Und noch ein Wort zu den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen, die angeblich Schuld sind, an den Gewalttaten der Araber: Wo sind die Milliarden, die den Menschen in Gaza und im Westjordanland von ihren "Freunden" versprochen wurden? Alles heiße Luft und nur leere Worthülsen. Den Mächtigen arabischen Staaten geht es weder um Israel noch um die Araber in Palestina; es geht ihnen einzig um Macht, egal ob Erdogan, Rohani, al-Aziz oder Assad.

15.05.2018 11:22 Manuel 20

@14, Ihre geschichtliche Betrachtung ist wohl richtig, aber sind Sie sicher, dass diese historischen Bezüge das Hauptmotiv für die britische Entscheidung war? Soweit ich weiß, standen auch Gebiete auf dem europäischen Kontinent und anderswo zur Debatte für die Gründung eines jüdischen Staates, doch es wollte logischerweise niemand Gebiete abtreten.
Ich verstehe wohl die israelischen Sicherheitsbedürfnisse, doch sie behandeln z.T. Palästinenser mit dem gleichen Unrecht, dass den Juden selbst widerfahren ist, Vertreibung, Gewalt, Schikane und lebenslanges Vegetieren in Lagern ohne Perspektive auf Besserung.
Der optimale Nährboden für Hass und Gewalt.

15.05.2018 10:01 der_Silvio 19

@14 Thomas; ganz richtig.
Noch in der Nacht der Staatsgründung wurde Israel von allen umliegenden arabischen Staaten angegriffen. Jerusalem ist die Hauptstadt Israels und da gibt es nichts dran zu diskutieren.

@15 Norbert; "Isreal ist eine Militärmacht die es schlicht nicht duldet das andere Ansprüche anmelden."
Zwischen Anspruch anmelden und gewaltsamen Übergriffen seitens der Palästinenser besteht ein deutlicher Unterschied.

Es gibt genug Leute hier im Forum, die mit dem linken Finger auf die Antisemiten zeigen und gleichzeitig Israel den Anspruch auf sein Land verweigern und verurteilen, Doppelmorslisten!

14.05.2018 22:52 Dampflok1989 18

Thomas 100 Punkte: Die arabischen Staaten haben
1948 Israel den Krieg erklärt und nicht anders herum. Ich persönlich wünsche dem israelischen Volk alles gute!

14.05.2018 22:42 nasowasaberauch 17

Die UN hat einen Landstrich, der unter dem britischen Protektorat stand für die Gründung des Staates Israel verwendet. Wer nun zuerst dort siedelte ist uninteressant, da die Geschichte viele Völker aus ihren angestammten Gebieten vertrieben hat. Das Recht der Juden auf einen eigenen Staat ist in den Grenzen von 1947 unbestritten, aber die Okkupationspolitik und die unrechtmäßige expansive Siedlungspolitik im Westjordanland ist zu kritisieren und lässt an den Friedensbeteuerungen Israels zweifeln.

14.05.2018 22:41 esSKaa 16

#14: Thomas, man stelle sich vor, eine Besatzungsmacht lässt zu (zig)tausende Fremde ins Land. Die Besatzungsmacht zieht sich zurück und die Fremden rufen ihren Staat aus. Die Palästinenser nennen das seit 70 Jahren „Katastrophe“. Das jüdische Volk braucht seinen Platz. Die staatenlosen Palästinenser auch... Was vor 3.000 Jahren war, war damals. Heute ist etliche Generationen später. Das ganze Leid seitdem umsonst?

14.05.2018 22:38 Norbert 15

@14 na wenn diese Historie berechtigt Menschen zu töten dann haben wir in 3000 Jahren wohl nichts dazu gelernt. Isreal ist eine Militärmacht die es schlicht nicht duldet das andere Ansprüche anmelden. Wenn andere Staaten sich so verhalten ist schnell die Rede von Nationalismus ...
Aber Israel darf das aus seiner Vergangenheit heraus ? Seltsame Ansichten...

14.05.2018 21:49 Thomas 14

Der israelische Präsident hat Recht: Jerusalem war bereits vor gut 3000 Jahren die Hauptstadt der Juden, des Volkes Israel. Vor etwa 1940 Jahren wurden die Juden von der römischen Besatzungsmacht mit einem Vernichtungskrieg überrollt und anschließend aus ihrer Heimat vertrieben. Das war gut 700 Jahre bevor die ersten Moslems überhaupt in Jerusalem lebten!

Genau diese historischen Gründe haben 1947/48 die Weltöffentlichkeit dazu gebracht, Israel bei der Wiederherstellung der staatlichen Souveränität zu unterstützen. Und so wie wir Deutschen uns entschieden haben, dass nicht Bonn sondern Berlin unsere Hauptstadt ist, können auch die Israelis selbst bestimmt ihre Hauptstadt wählen. Das war und ist und bleibt für sie natürlich Jerusalem.

Und dieses Recht sollte gerade wir Deutschen den Israelis nicht absprechen.

14.05.2018 21:39 esSKaa 13

Es wurden Fakten geschaffen, mit denen die Welt jetzt umgehen muss. Blumenfreund, das Wort Apartheid kam mir auch in den Sinn, aber was weiß ich schon... Nationalismus trägt eben solche Früchte, würde ich sagen. Es soll allen eine Lehre sein!

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