Jamal Khashoggi Journalist aus Saudi-Arabien
Jamal Khashoggi (1958-2018) während einer Pressekonferenz 2015. Bildrechte: dpa

Prozessauftakt in Riad Todesstrafen im Khashoggi-Prozess gefordert

Drei Monate nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat Saudi-Arabiens hat in Riad der Prozess gegen elf Angeklagte begonnen. Für fünf von ihnen wurde die Todesstrafe gefordert.

Jamal Khashoggi Journalist aus Saudi-Arabien
Jamal Khashoggi (1958-2018) während einer Pressekonferenz 2015. Bildrechte: dpa

Im Prozess um die Ermordung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi vor einem Gericht in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad hat die Staatsanwaltschaft gegen fünf der elf Angeklagten die Todesstrafe gefordert. Wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA berichtete, waren alle Angeklagten und ihre Anwälte zur Prozesseröffnung anwesend. Die Identität der Männer wurde allerdings nicht angegeben.

Erwürgt und zerstückelt

Video-Bild aus Überwachungskamera zeigt Ankunft von Jamal Khashoggi im Konsulat von Saudi-Arabien
Das Video-Bild aus einer Überwachungskamera zeigt die Ankunft von Khashoggi im saudischen Konsulat. Eine Sequenz mit seiner Abreise gibt es nicht. Bildrechte: imago/Depo Photos

Kashoggi war am 2. Oktober im saudi-arabischen Konsulat im türkischen Istanbul von einem extra angereisten 15-köpfigen Spezialkommando erwürgt und zerstückelt worden. Die Leiche des 59-jährigen "Washington Post"-Kolumnisten wurde bis heute nicht gefunden. Medienberichten zufolge wurde sie nach der Tat in Säure aufgelöst. Saudi-Arabien bestritt wochenlang die Tötung Khashoggis, bevor das Königreich unter internationalem Druck schließlich das Verbrechen einräumte.

Elf unbekannte Angeklagte

Die Generalstaatsanwaltschaft in Riad hatte im November die Anklage von elf saudischen Männern, die namentlich nicht genannt wurden, bekanntgegeben. Nach offiziellen Darstellungen sollen sie auf Anweisung des inzwischen entlassenen Vize-Geheimdienstchefs Ahmed al-Assiri und des königlichen Medienberaters Saud al-Kahtani gehandelt haben. Letzterer ist den zugänglichen Informationen zufolge jedoch nicht Teil des Prozesses. Außerdem versicherte die Führung in Riad, dass Kronprinz Mohammed bin Salman keine Kenntnis von dem Mordkomplott gehabt habe. Medienberichten zufolge geht allerdings der US-Geheimdienst CIA davon aus, dass der 33-Jährige Sohn von König Salman der eigentliche Verantwortliche für die Kashoggi-Ermordung ist.

Gegenseitige Vorwürfe

Laut Nachrichtenagentur SPA beklagte Generalstaatsanwalt Saud al Mudschib bei der Prozesseröffnung am Donnerstag, dass seine Behörde die Türkei zwei Mal um Beweismaterial gebeten, doch bislang keine Antwort erhalten habe. Die Türkei wiederum warf Saudi-Arabien mangelnde Kooperationsbereitschaft bei der Mordaufklärung vor. Auch forderte die Regierung in Ankara bislang vergeblich die Auslieferung der Verdächtigen, um ihnen in Istanbul den Prozess machen zu können.

Wann der Prozess in Riad fortgesetzt wird, ist bislang unklar. Ein entsprechendes Datum wurde bei der Prozesseröffnung am Mittwoch nicht genannt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Januar 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2019, 17:09 Uhr

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6 Kommentare

04.01.2019 17:04 Bingo 6

Ich denke, hier werden Leute vom Staat zun tote verurteilt,die zuvor einen Befehl bekommen haben Khashogggi zu ermorden. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann zum tote verurteilt werden.....

04.01.2019 08:05 Jakob 5

Wird man für Anstiftung zum Mord in Saudi Arabien auch bestraft? Ach so, der mutmaßliche Anstifter genießt königliche "Immunität". So viel zum Thema Rechtsstaat.

03.01.2019 18:51 Leon 4

Eine Farce, der Westen schaut weg. Hauptsache die Rüstungsgeschäfte mit Diktatoren gehen unbekümmert weiter. Was jucken uns die unschuldigen Kinder und Frauen in diesen Unrechtsstaaten, die mit deutschen Waffen niedergemetzelt werden.

03.01.2019 18:36 mattotaupa 3

@#1: "Mord ohne Leiche" bei mord gibt es immer eine leiche, jedoch kann auch diese nachträglich beseitigt werden und es bleibt dennoch ein mord. "Aber alle wissen alles" nö, unsere sauberen waffenkunden aus dem wüstensand streiten sich ja mit unseren waffenkunden vom bosporus um die zuständigkeiten und ziehen das so lange durch bis irgendwelche 11 unbekannten geköpft werden (voll demokratisch, wir müssen unbedingt noch ne waffenfabrik im wüstensand bauen!) oder der ganze prozeß einfach beendet wird (dann verkaufen wir nur ein paar boote, panzer, bomben und minen für den einsatz im jemen oder gegen katar). sollte der sultan wider erwarten auch nen prozeß anleiern, so bekommt er zum dank die erlaubnis weitere teile syriens zu erobern. der unschuldige prinz kann gerne mal zum essen bei kmw vorbeikommen. gibt bestimmt ein sonderangebot für die ausgestandenen unannehmlichkeiten.

03.01.2019 18:08 ein schon länger in Deutschland lebender 2

"hat die Staatsanwaltschaft gegen fünf der elf Angeklagten die Todesstrafe gefordert."

wo ist der Maas wenn man ihn braucht?

kein scharfer Protest, keine Sanktionen?

Achso, man will ja noch Kriegswaffen liefern.
Da gibt es als große Hürde den
SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Lobbyist der Rüstungsindustrie.

LOL, die SPD!
Wer hat uns verraten, ....

03.01.2019 17:48 Sachse43 1

Mord ohne Leiche, Aber alle wissen alles...