Mord in Botschaft CIA sieht saudischen Kronprinzen als Auftraggeber im Fall Khashoggi

Der amerikanische Geheimdienst CIA geht Medienberichten zufolge davon aus, dass der saudische Kronprinz bin Salman hinter der Ermordung von Jamal Khashoggi steht. Mittlerweile äußerte sich auch der amerikanische Vizepräsident Mike Pence.

Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA geht davon aus, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman die Ermordung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi angeordnet hat. Das berichten mehrere US-Medien, darunter die "Washington Post". Der Geheimdienst stützt sich demnach bei seiner These auf ein Telefonat von Khashoggi mit dem saudischen Botschafter in den USA, welcher ein Bruder von bin Salman ist. Die "New York Times" schränkte allerdings ein, dass die CIA keinen eindeutigen Beweis habe.

Botschafter telefonierte mit Khashoggi

 Jamal Khashoggi während eines Interviews
Jamal Khashoggi war im saudischen Konsulat getötet worden. Bildrechte: dpa

Wie die "Washington Post" weiter berichtete, soll der saudische US-Botschafter, Chalid bin Salman, dem Journalisten Khashoggi in dem Telefonat zugesichert haben, dass ihm keine Gefahr drohe, wenn er im Istanbuler Konsulat Papiere für seine Hochzeit abhole. Die CIA kam in ihrer Auswertung zu dem Schluss, dass 15 saudische Agenten in einer Regierungsmaschine nach Istanbul geflogen waren und Khashoggi im Konsulat töteten.

Demnach hatte der saudische Botschafter den Journalisten Khashoggi auf Bitten des saudischen Kronprinzen angerufen. Unklar sei jedoch, ob der Diplomat über die Mordpläne informiert gewesen sei. Die CIA wollte sich nicht äußern.

Chalid bin Salman wies den Bericht über sein Telefonat zurück. "Das ist eine schwere Anschuldigung, die nicht anonymen Quellen überlassen werden sollte", schrieb er bei Twitter.

CIA: Tötung nicht ohne Wissen des Kronprinzen möglich

Außerdem soll es in der Einschätzung der CIA heißen, die Tötung von Khashoggi sei ohne das Wissen des Kronprinzen nicht möglich gewesen.

Die "New York Times" schrieb, die CIA-Anschuldigungen gegen Mohammed bin Salam gründeten sich auch auf Telefonate des Einsatzteams, das Khashoggi tötete, mit hochrangigen Mitarbeitern des Kronprinzen. Aus den Mitschnitten geht demnach zwar hervor, dass Prinz Mohammed Khashoggi zurück nach Saudi-Arabien habe locken wollen. Er habe darin aber nicht die Forderung geäußert, den Regierungskritiker zu töten.

Pence spricht von "Gräueltat"

Mike Pence
US-Vizepräsident Mike Pence will die "starke und historische Partnerschaft" mit Saudi-Arabien bewahren. Bildrechte: dpa

Am Rande des Asien-Pazifik-Gipfels in Papua-Neuguinea äußerte sich auch der US-amerikanische Vizepräsident Mike Pence zum Fall Khashoggi. Er sagte: "Die USA sind entschlossen, alle zur Rechenschaft zu ziehen, die für diesen Mord verantwortlich sind." Zu den Medienberichten, dass der saudische Kronprinz selbst die Tötung angeordnet habe, wollte sich Pence allerdings nicht äußern. Zu Informationen, die als geheim eingestuft worden seien, könne er keinen Kommentar abgeben.

Der Vizepräsident sprach von einer "Gräueltat", die auch ein Affront gegen die Presse- und Meinungsfreiheit gewesen sei. Die USA würden sich in ihrer Beurteilung "an die Fakten halten". Zugleich werde man einen Weg finden, um die "starke und historische Partnerschaft" mit Saudi-Arabien zu bewahren.

Khashoggi Anfang Oktober getötet

Der regierungskritische Journalist Khashoggi war am 2. Oktober verschwunden, nachdem er das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten hatte. Später hatte Saudi-Arabien zugegeben, dass Khasshoggi von einem saudischen Einsatzteam getötet wurde. Mehrere Männer wurden von der Staatsanwaltschaft angeklagt, Kronprinz Mohammed bin Salam wurde aber von jedem Verdacht freigesprochen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. November 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2018, 07:43 Uhr

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6 Kommentare

17.11.2018 15:26 Fragender Rentner 6

Was ist denn nur in den USA los, zeigen auf ihre besten Verbündeten in der Gegend?

17.11.2018 11:32 REXt 5

Und von der deutschen Politik wird ein eisiges Schweigen folgen, vielleicht , viel Heuchelei, denn , man will die Geschäfte nicht gefährden.

17.11.2018 10:47 colditzer 4

Wie war das doch,
Frau Merkel stellt aus Protest alle Öllieferungen aus Saudiarabien ein .
Wir kaufen nur noch im Iran.
Könnte man denken, aber sie macht überhaupt nicht den Mund auf.
War da was... denkt unsere Kanzlerin?
26 Prozent der Wähler wollen nur noch CDU.
Aber 56 Prozent CDU-Merkel.
Eigenartig.

17.11.2018 10:13 H.E. 3

Der Islam behauptet doch immer von sich, sie seien eine Religion der "LIEBE und des FRIEDENS".
Läßt man dann solche hinterhältigen Morde wie im Fall Khashoggi von Untergebenen durchführen?
Ich jedenfalls bezweifle schon sehr sehr lange, ob der ISLAM eine Religion der LIEBE und des FRIEDENS ist.
Da kommt eher zwangsläufig bei vielen der Gedanke, ob es nicht das Gegenteil ist.

17.11.2018 10:02 Michael Möller 2

jeder Mensch der logisch denken kann, müsste doch wissen das in Saudi-Arabien ohne wissen der Führung ( also der Herrscher Familie nichts aber auch gar nichts geschieht ), das was die Politiker des sogenannten Weste zur treiben bei dieser Affäre ist ein Skandal sondergleichen. anstatt dieses Regierung zu sanktionieren, werden mit diesem Geschäfte getan. wäre es Russland wären schon Sanktionen ausgesprochen wurden, was für eine Heuchelei von unseren Politikern.

17.11.2018 09:06 Jakob 1

Hier könnte ja mal die türkische Justiz ihre Größe beweisen und aufgrund der bisher vorliegenden Verdachtsmomente ein Ermittlungsverfahren gegen den Kronprinzen einleiten und ggf. ein Strafverfahren gegen diesen eröffnen. Denn in der freien Welt fährt man schlecht, wenn man mordet oder zum Mord anstiftet. Das sollte auch für gekrönte Häupter gelten.