Fall Khashoggi Trump droht Saudi-Arabien mit ernsten Konsequenzen

US-Präsident Trump hat Saudi-Arabien ernste Konsequenzen angedroht, sollte es etwas mit der Ermordung des Journalisten Khashoggi zu tun haben. Riad wehrt sich gegen die Vorwürfe, bleibt aber Beweise schuldig. Laut einem türkischen Zeitungsbericht soll Khashoggis Smartwatch Aufnahmen von seiner Ermordung an eine Cloud versendet haben.

Ein Mann telefoniert vor dem Eingang des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul
Türkische Ermittler vermuten, dass Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul umgebracht wurde. Bildrechte: dpa

Im Fall des vermissten Journalisten Jamal Khashoggi wächst der Druck auf Saudi-Arabien. US-Präsident Donald Trump drohte dem Königreich mit ernsten Konsequenzen, falls Khashoggi tatsächlich in seinem Istanbuler Konsulat ermordet wurde. In dem Fall stehe viel auf dem Spiel, sagte er dem Fernsehsender CBS. "Könnten sie es sein? Ja. Wir werden der Sache auf den Grund gehen und es wird eine schwere Strafe geben." Einen Stopp der US-Waffenlieferungen an Saudi-Arabien lehnte Trump unter Verweis auf die Arbeitsplätze in der US-Rüstungsindustrie dennoch erneut ab.

Vor Journalisten äußerte sich Trump später dahingehend, dass er es für möglich halte, dass Khashoggi, allen bisherigen Hoffnungen zum trotz, bereits tot ist: "Unsere erste Hoffnung war es, dass er nicht getötet wurde, aber vielleicht sieht es nicht allzu gut aus."

Maas fordert rasche Aufklärung

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas forderte eine rasche Aufklärung hinsichtlich des Schicksals des regierungskritischen Journalisten. Angesichts der seit Tagen grassierenden Mordvorwürfe müsse "jetzt unverzüglich aufgeklärt werden, was ihm widerfahren ist",  sagte der SPD der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Cavusoglu beklagt mangelnde Unterstützung

Jamal Khashoggi Journalist aus Saudi-Arabien
Seit dem 2. Oktober fehlt von Jamal Khashoggi jede Spur. Bildrechte: dpa

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf Saudi-Arabien mangelnde Unterstützung bei der Aufklärung des Falles vor. Cavusoglu forderte Riad auf, türkischen Ermittlern endlich Zugang zu seinem Konsulat in Istanbul zu verschaffen, das Khashoggi vor seinem Verschwinden aufgesucht hatte. Nach Angaben der türkischen Regierung hatten sich beide Seiten eigentlich längst auf eine Durchsuchung des Komplexes geeinigt. Berichten zufolge wurde aber noch keine Einigung über die Modalitäten erzielt.

Riad verwahrt sich gegen Mordvorwürfe

Die Regierung in Riad verwahrte sich unterdessen gegen die Mordvorwürfe. Innenminister Prinz Abdel Asis bin Saud bin Najef sprach laut der staatlichen Nachrichtenagentur SPA von "unbegründete Anschuldigungen und Lügen".

Video-Bild aus Überwachungskamera zeigt Ankunft von Jamal Khashoggi im Konsulat von Saudi-Arabien
Das Standbild eines Überwachungsvideos soll Khashoggi beim Betreten des Konsulats zeigen. Bildrechte: imago/Depo Photos

Türkische Ermittler gehen davon aus, dass Khashoggi bei seinem Besuch im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul am 2. Oktober von Agenten des Königreichs ermordet wurde. Saudi-Arabien bestreitet das, hat allerdings bislang keine Beweise geliefert, dass Khashoggi das Gebäude lebend verließ. Angeblich fiel an diesem Tag die Video-Überwachung zeitweise aus. Allerdings existiert ein über die Medien verbreitetes Standbild, dass zeigen soll, wie Khashoggi am selben Tag das Konsulat betreten hatte.

Smartwatch soll Ermordung festgehalten haben

Die regierungsnahe türkische Zeitung "Sabah" berichtete am Samstag, Khashoggi habe im Konsulat eine Apple Watch getragen, die mit einem iPhone synchronisiert gewesen sei, das er bei seiner Verlobten Hatice Cengiz gelassen habe. Die Smartwatch habe die Ereignisse im Konsulat aufgenommen. Die Aufnahme sei in der Cloud gespeichert worden, allerdings sei von Saudi-Arabien versucht worden, sie teilweise zu löschen. "Die Momente der Befragung, Folter und Ermordung Khashoggis wurden von der Apple Watch aufgenommen", berichtete "Sabah". Eine offizielle Bestätigung dafür lag allerdings nicht vor.

Zuvor hatte bereits die US-Zeitung "Washington Post" gemeldet, dass türkische Regierungsvertreter US-Vertretern von Audio- und Videoaufnahmen berichtet hätten, auf zu sehen und zu hören gewesen sei, wie Khashoggi in dem Konsulat verhört, gefoltert und ermordet wurde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Oktober 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2018, 22:00 Uhr

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8 Kommentare

14.10.2018 13:27 Jakob 8

Unschuldig bis zum Beweis der Schuld. Dass Donald Trump für alle Fälle schon mal droht, ist wohl seinem enorm großen Gehirn geschuldet.

14.10.2018 13:14 Max W. 7

@13.10.2018 21:55 part (Für den Waffeneimporteur Nr. 1 und westlichen Bündnispartner im nahen Osten dürfte der Vorfall jedoch wenig Auswirkungen haben. Bei den Kriegsverbrechen des Königshauses nebenan und den Menschrechtsverletzungen im eigenen Land verhält es sich ähnlich. Helle Empörung der westlichen Welt, die begleitet ist von dauerhaften Waffen- und Ölgeschäften.)

Exakt so sieht es aus. Da mag sich jeder über die Chuzpe des Genossen Maas ein eigenes Bild machen. Meines führt in Sekundenfrist zum Brechreiz.

14.10.2018 13:12 Max W. 6

(Maas fordert rasche Aufklärung

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas forderte eine rasche Aufklärung hinsichtlich des Schicksals des regierungskritischen Journalisten. Angesichts der seit Tagen grassierenden Mordvorwürfe müsse "jetzt unverzüglich aufgeklärt werden, was ihm widerfahren ist", sagte der SPD der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".)

Bitte, WER fordert hier "Aufklärung"? Ein Heiko Maas? Das kann garnicht sein - der Mann steht für alles Mögliche, aber ganz sicher nicht für "Aufklärung". Ich möchte sogar annehmen, er verhandelt, noch während er vorne den Empörten gibt, hinten bereits über das nächste Waffengeschäft mit SA. Schliesslich dürfen da jetzt Frauen Auto fahren. Na also.

14.10.2018 11:42 Blumenfreund 5

Wieso wird Saudi-Arabien eigentlich immer als unser Verbündeter beschrieben. Dieser Schurkenstaat lässt den Jemen gerade ins Mittlalter zurück bomben. Schöne Freunde der westlichen Demokratien.

14.10.2018 10:23 Michael Möller 4

anstatt zu drohen sollte dieses Land sanktioniert werden und dadurch keine Geschäfte mit diesen Mördern , denn wir sehen ja wie Saudi-Arabien im Jemen die Menschenrechte und Völkerrecht mit Füssen tritt und Zivilisten tötet und dann behauptet es wären angeblich Terroristen. in meinen Augen ist es eine Schande bzw. Skandal das er so genannte Westen dazu schweigt bzw. mit diesem Land noch Geschäfte macht und damit Blut an den Händen hat. mir soll keiner mehr mit Demokratie oder Rechtsstaatlichkeit kommen solange unsere Regierung mit diesen Mördern Geschäfte macht durch Waffenlieferungen.

14.10.2018 10:10 Fragender Rentner 3

Wie wohl?

Indem er noch mehr Waffen liefert?

Er braucht sie doch weil sie auch gegen den Iran sind.

Sind doch nur wieder hohle Versprechungen von ihm !!! :-(((

14.10.2018 05:51 optinator 2

Es wird gedroht und dann wieder Waffen geliefert.

13.10.2018 21:55 part 1

Die Türkei hat die Sauds- Vertretung etwas ausgespäht, eigentlich unlauteres Vorgehen, doch in diesem Fall fällt das etwas unter >>macht doch jeder<<. Der Journalist, der mit einen SUV vom Flughafen abgeholt wurde, soll das Konsulat in kleinen Koffern wieder verlassen haben, so vermuten internationale Medien. Für den Waffeneimporteur Nr. 1 und westlichen Bündnispartner im nahen Osten dürfte der Vorfall jedoch wenig Auswirkungen haben. Bei den Kriegsverbrechen des Königshauses nebenan und den Menschrechtsverletzungen im eigenen Land verhält es sich ähnlich. Helle Empörung der westlichen Welt, die begleitet ist von dauerhaften Waffen- und Ölgeschäften.