Sicherheitskräfte betreten saudi-arabisches Konsulat in Istanbul
Sicherheitskräfte betreten das saudi-arabische Konsulat in Istanbul. Bildrechte: dpa

Istanbul Fall Khashoggi: Türkische Ermittler durchsuchen saudisches Konsulat

Erstmals nach dem Verschwinden des saudischen Journalisten Khashoggi haben türkische Ermittler das Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul durchsucht. Der Regimekritiker war dort am 2. Oktober spurlos verschwunden.

Sicherheitskräfte betreten saudi-arabisches Konsulat in Istanbul
Sicherheitskräfte betreten das saudi-arabische Konsulat in Istanbul. Bildrechte: dpa

Knapp zwei Wochen nach dem Verschwinden des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi haben türkische Beamte das Konsulat des Königreichs in Istanbul neun Stunden lang durchsucht.

Erstmals türkische Beamte in Konsulat

Video-Bild aus Überwachungskamera zeigt Ankunft von Jamal Khashoggi im Konsulat von Saudi-Arabien
Am 2. Oktober betrat Khashoggi das Konsulat. Bilder, wie er es wieder verlässt, gibt es nicht. Bildrechte: imago/Depo Photos

Polizisten und Staatsanwälte begaben sich am Montagabend in das Gebäude, das Khashoggi am 2. Oktober besucht und danach offenbar nicht wieder verlassen hatte. Es war das erste Mal, dass türkische Beamte seit dem Verschwinden des regimekritischen Journalisten das saudi-arabische Konsulat in der türkischen Bosporus-Metropole betraten.

Saudi-Arabien hatte die Türkei zwar kurz nach dem Verschwinden Khashoggis eingeladen, sich in dem Gebäude ein Bild von der Lage machen. Aber um die Durchsuchung des Konsulats und die damit zusammenhängenden Ermittlungen hatte es ein tagelanges Tauziehen zwischen beiden Ländern gegeben.

Erdogan und Trump telefonieren mit König

Ein Mann telefoniert vor dem Eingang des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul
Zwei Wochen lang bekamen türkische Ermittler keinen ZUgang zum saudischen Konsulat. Bildrechte: dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan telefonierte am Sonntag erstmals seit dem Verschwinden Khashoggis mit Saudi-Arabiens König Salman. In dem Gespräch sei es darum gegangen, "Licht in den Fall" zu bringen, hieß es aus dem türkischen Präsidialamt.

US-Präsident Donald Trump ließ sich von Salman in einem Telefonat versichern, dass das Königreich nichts mit dem Verschwinden des Regierungskritikers zu tun habe: "Er sagte mir sehr entschieden, dass sie von nichts wussten." Am Wochenende hatte Trump nicht ausgeschlossen, dass Saudi-Arabien für den Tod von Khashoggi verantwortlich sein könnte, wobei er Riad mit einer "schweren Strafe" drohte.

Bericht soll Tod von Khashoggi einräumen

Jamal Khashoggi Journalist aus Saudi-Arabien
Starb der Regimekritiker Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat? Bildrechte: dpa

Einem US-Medienbericht zufolge soll Saudi-Arabien inzwischen kurz vor dem Eingeständnis stehen, dass Khashoggi bei einem "schiefgelaufenen" Verhör ums Leben gekommen sei. Ein entsprechender saudi-arabischer Bericht sei in Arbeit, berichtete der US-Sender CNN am Montag unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Personen. Darin dürfte einem der Insider zufolge erklärt werden, dass der Einsatz ohne Genehmigung erfolgt sei und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

Zuvor hatten verschiedene Zeitungen berichtet, dass es Ton- und Videoaufnahmen aus dem Konsulat gebe, die bewiesen, dass Khashoggi im Konsulat verhört, gefoltert und ermordet wurde. Anschließend sei seine Leiche zerteilt worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Oktober 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2018, 22:36 Uhr

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4 Kommentare

16.10.2018 13:49 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 4

"Qui bono?" mal etwas weiter aufgesponnen:

Wem nutzt eine Videoüberwachung am Haupteingang eines Konsulats, falls es unbeobachtete Nebenein- oder -ausgänge geben sollte?

Wenn es nun keinen "Videobeweis" für Khashoggis Verlassen des Konsulats gäbe, müßte er ja bei der "Durchsuchung" des Konsulats "aufgetaucht" sein... oder aber er ist auf eine 'unbeobachtete Art und Weise' aus dem Konsulat 'verschwunden'... oder aber er ist auf eine 'beobachtete, jedoch unbeachtete Art und Weise' aus dem Konsulat verschwunden.

16.10.2018 08:40 Jakob 3

Die trumpschen "Drohungen" sind lediglich Theaternebel. In Wahrheit ist der Präsident in dieser Sache befangen. Also nicht veräppeln lassen vom Träger des größten Gehirns aller Zeiten.

16.10.2018 05:23 optinator 2

Als Kinder, 50 Jahre her, haben wir so ein blödes Lied gesungen :
komm wir fressen eine Leiche, du das Harte ich das Weiche ....

Ob Jamal je gefunden wird ?

16.10.2018 03:43 H.E. 1

Wird der Todesfall jetzt relativiert, indem man 2 Schuldige ausmacht, die ohne offizielle Genehmigung diesen Tod verursacht haben.
Dann wäre ja alles in Ordnung und man kann weiter mit Waffen handeln sowohl von deutscher als auch von US-amerikanischer Seite aus.