Kinder laufen in Nowshera, Pakistan, durch eine überschwemmte Straße
Die Ärmsten leiden am stärksten unter dem Klimawandel - wie hier Kinder in Pakistan. Bildrechte: imago images/Stefan Trappe

Kampf gegen Klimawandel Guterres warnt eindringlich vor Klima-Katastrophe

In Madrid konferieren seit Montag Vertreter aus mehr als 190 Ländern über einen wirksamen Klimaschutz. Zu Beginn des Treffens appellierte UN-Chef Guterres eindringlich an die Regierungschefs, endlich zu handeln.

Kinder laufen in Nowshera, Pakistan, durch eine überschwemmte Straße
Die Ärmsten leiden am stärksten unter dem Klimawandel - wie hier Kinder in Pakistan. Bildrechte: imago images/Stefan Trappe

Zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Madrid hat UN-Generalsekretär António Guterres die Menschheit zu einem entschlossenen Kampf gegen die Erderwärmung aufgerufen.

Die Welt dürfe nicht länger auf fossile Brennstoffe zur Energiegewinnung setzen, sondern müsse den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent vorantreiben, betonte Guterres am Montag. "Wenn wir nicht rasch unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben selbst", sagte der Generalsekretär vor Delegierten aus mehr als 190 Ländern.

Kohlendioxid verteuern

Antonio Guterres
UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Bildrechte: dpa

Guterres verlangte eine Verteuerung des Ausstoßes von Kohlenstoffdioxid, einen Baustopp für Kohlekraftwerke ab 2020 und die Einstellung aller Subventionszahlungen für fossile Brennstoffe wie Öl.

Eine "grüne Wirtschaft" biete viele Möglichkeiten, die ergriffen werden müssten, unterstrich er. Guterres appellierte an die Staaten bis 2020, neue, verbesserte Klimaschutzpläne vorzulegen.

Zweifel an echtem Durchbruch

Die Klimakonferenz in Madrid ist auf zwölf Tage angesetzt, rund 50 Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird erwartet.

Allerdings gibt es große Zweifel, ob der Gipfel einen echten Durchbruch bringen kann. Den Vorsitz hat weiter Chile, denn ursprünglich sollten das Treffen in dem südamerikanischen Land stattfinden.

Wegen der sozialen Proteste dort sprang kurzfristig Madrid als Gastgeber ein, wo der Gipfel in Rekordzeit auf dem Messegelände Ifema organisiert wurde. Delegationen aus 196 Staaten sowie der EU und von internationalen Organisationen nehmen teil, 5.000 Sicherheitskräfte sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Pariser Ziele nicht erreicht

Seit die Staaten sich 2015 im historischen Abkommen von Paris vorgenommen haben, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, dienen die UN-Gipfel der Umsetzung des Paktes.

Dieses Mal soll vor allem das Ziel vorangetrieben werden, 2020 ehrgeizigere nationale Klimaschutz-Pläne vorzulegen. Zudem wird diskutiert, nach welchen Regeln ein internationaler Markt im Klimaschutz funktionieren kann.

Auch die Frage, wer die Behebung der durch den Klimawandel verursachten Schäden speziell in armen Ländern bezahlen soll, steht auf der Agenda. Nach derzeitigem Stand reichen die Pläne der Staaten für das Einsparen von Treibhausgasen bei Weitem nicht aus - und viele Länder schaffen nicht einmal das, was sie angekündigt haben - auch Deutschland hinkt den selbstgesteckten Zielen weit hinterher.

Guterres: Maßnahmen "unzureichend"

UN-Chef Guterres hatte bereits am Sonntag in einer Rede moniert, dass die bisherigen Bemühungen um den Klimaschutz "absolut unzureichend" seien. Es mangele eindeutig an politischem Willen. "Unser Krieg gegen die Natur muss aufhören - und wir wissen, dass das möglich ist."

Mit Blick auf die "Fridays for Future"-Bewegung lobte der UN-Chef, dass gerade junge Menschen derzeit auf bemerkenswerte Weise die Führung in puncto Klimaschutz übernommen hätten.

Die Initiatorin der Proteste, Greta Thunberg, rechnet damit, es noch rechtzeitig zum großen Klima-Marsch am Freitag nach Madrid zu schaffen. Nach ihrer Atlantik-Überfahrt auf dem Katamaran "La Vagabonde" werde sie voraussichtlich am Dienstag in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon ankommen, twitterte die 16-Jährige.

Das sind die wichtigsten Themen in Madrid

Weltweiter Temperaturanstieg

Die globale Durchschnittstemperatur ist zuletzt deutlicher gestiegen als in Berechnungen vorhergesagt. Schon jetzt hat sich Erde nach Befunden des Weltklimarats im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um ein Grad aufgeheizt, und die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Zu den Folgen zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch Stürme, Überschwemmungen und Starkregen. Das trifft nicht nur entfernte Regionen wie Australien oder den brasilianischen Regenwald, sondern auch Deutschland.

Ginge es weiter wie bisher, läge der Temperaturanstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad, wie das UN-Umweltprogramm Unep errechnet hat. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad - dieser Temperaturanstieg ist in Deutschland Berechnungen der Bundesregierung zufolge sogar schon erreicht.

Maßnahmen gegen den Klimawandel

Eigentlich wurden im Pariser Klimaabkommen 2015 bereits eindeutige Ziele verabschiedet: Mehr als 190 Staaten setzen sich darin zum Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad bis maximal 2 Grad zu begrenzen. Doch Untersuchungen zufolge sind zwei Drittel der inzwischen rund 180 vorgelegten staatlichen Aktionspläne ungeeignet, die Erderhitzung auch nur zu bremsen. Auch in diesem Jahr dürfte der weltweite CO2-Ausstoß erneut steigen.

Laut Pariser Abkommen müsste der CO2-Ausstoß bis 2040 halbiert werden, Berechnungen der Internationalen Energie-Agentur (IAE) zufolge wird der CO2-Ausstoß bis 2040 dagegen noch weiter steigen. Vielen Zielen und Ankündigungen fehlen bisher die konkreten Umsetzungen.

Klima-Schäden

Der Klimawandel ist extrem teuer. Der Bau neuer Deiche, der Umstieg auf erneuerbare Energien, Aufforstung, aber auch der Kampf gegen Waldbrände oder der Wiederaufbau nach Überschwemmungen und anderen Unwettern kosten weltweit Milliarden.

Doch wer trägt die Kosten? Die meisten Treibhausgase stoßen Staaten wie die USA, Brasilien oder China aus, umgerechnet auf den Pro-Kopf-Ausstoß ist auch Deutschland einer der größten CO2-Produzenten. Doch unter Dürren, extremen Unwettern, Waldbränden und Überschwemmungen leiden vor allem ärmere Länder. Diese fordern finanzielle Unterstützung von Staaten mit hohem Treibhausgas-Ausstoß.

Globaler Handel

Die Globalisierung bringt vielerorts Wachstum und Wohlstand, bestärkt aber den Klimawandel. Wie können Wachstum und Wohlstand und Klimaschutz vereint werden? Auf diese schwierige Frage gibt es bisher keine echten Antworten. In Madrid sollen Ideen und Konzepte diskutiert werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 02. Dezember 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2019, 10:44 Uhr

89 Kommentare

Bernd L. vor 2 Tagen

Warten wir mal ab, on Guterres den Mut hat, die Überbevölkerung als Gefahr für die Stabilität unseres Planeten anzusprechen und echte Veränderungen anzumahnen. Danach möchte ich für mich mein Urteil über ihn fällen.

Bernd L. vor 2 Tagen

Dass Sie Denkschencke Naturwissenschaftler sind, überracht mich und ich habe große Zweifel, wenn ich an ihre Beiträge hier im Forum denke. Zumindest scheinen Sie nicht verstanden zu haben, wie Wissenschaft funktioniert: Es geht um Beweise und Richtigkeit oder Falsifizierung von Aussagen- wieviele Leute etwas für richtige halten ist irrelevant.

frank d vor 3 Tagen

Denkschnecke: Sie wissen aber schon das Ihre Wissenschaftliche Community regelmäßig riesengroße Böcke geschossen hat?
Newton, Einstein, Galilei, Bruno, Kopernikus, Einstein, usw. usf. alle diese Heroen der Wissenschaft galten als Irre bis sich herausstellte das all die 99% Wissenschaftler unrecht hatten und die Irren Recht bekamen.
Schon speziell das Argument alle seien sich einig?
Allerdings Naturwissenschaftler, da bin ich verblüfft. In welchem Genre ?
Sapere aude