Unruheregion im Südkaukasus Zahlreiche Tote im Berg-Karabach-Konflikt

834 Soldaten sollen bislang bei den Kämpfen in der Unruheregion Berg-Karabach ums Leben gekommen sein. Die armenische Seite warnt vor drohenden Seuchen. Hoffnung auf eine baldige Lösung des Konflikts gibt es kaum.

Ein Mann geht mit seinem Fahrrad an einem beschädigten Gebäude in einem Wohngebiet nahe der Grenze zu Armenien vorbei.
Erneut Tote und Zerstörung im Berg-Karabach-Konflikt Bildrechte: dpa

Im blutigen Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach hat es am Mittwoch offiziellen Angaben zufolge viele Todesopfer gegeben. Die Zahl der getöteten Soldaten nahm um 62 auf 834 zu, teilten Behörden in Berg-Karabach mit. Aserbaidschan veröffentlicht bisher keine Todeszahlen für das Militär.

Wie viele Zivilisten in der Südkaukasus-Region umgekommen sind, ist bislang unklar. In Berg-Karabach berichten Behörden über 30 Todesopfer, Aserbeidschan spricht von 63 getöteten Zivilisten.

Warnung vor Seuchengefahr

Armenien warnte vor einer "Seuchengefahr" angesichts Hunderter verwesender Leichen an der Frontlinie. Die vor zwei Wochen vereinbarte Waffenruhe sollte eigentlich der Bergung der Toten dienen, wurde aber bereits kurz nach Inkrafttreten gebrochen.

Armenien wirft Türkei Beteiligung an Angriffskrieg vor

Derzeit gibt es kaum Aussicht auf eine Befriedung der Unruheregion. Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan rief sein Volk auf, mit aller Kraft zu kämpfen. Für die Karabach-Frage werde es "noch für lange Zeit keine diplomatische Lösung" geben, sagte Paschinjan in einem im Internet veröffentlichten Video. Der armenische Präsident Armen Sarkissjan warf Aserbaidschan vor, dass das Land mit Hilfe der Türkei einen Angriffskrieg führe. Eine offizielle Bestätigung für türkische Kampfhandlungen gibt es aber nicht.

Auch Aserbaidschan beklagt einen massiven Beschuss seiner Gebiete - vor allem der zweitgrößten Stadt Ganja. Gleichzeitig reklamierte das Land größere Gebietsgewinne im Zentrum der Unruheregion für sich.

100 Jahre alter Konflikt flammt immer wieder auf

Der Konflikt der beiden Ex-Sowjetrepubliken geht bis zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts zurück und war immer wieder von gewalttätigen Auseinandersetzungen sowie Vertreibungen geprägt. Völkerrechtlich zählt Berg-Karabach zu Aserbaidschan, wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Armenien hat seit dem Krieg von 1992 bis 1994 auch weitestgehend die Kontrolle über das Land.

Die Republik Berg-Karabach hatte 1991 ihr Unabhängigkeit erklärt, wurde seitdem aber von keinem anderen Land anerkannt. Die aktuellen Kämpfe waren Ende September ausgebrochen - beide Seiten geben sich gegenseitig daran die Schuld.

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