Straße von Kertsch Russische und ukrainische Marine-Kräfte geraten vor Krim aneinander

In der Straße von Kertsch östlich der Krim sind russische und ukrainische Marine-Kräfte aneinander geraten. Kiew wirft Moskau den Angriff auf seine Schiffe vor. Russlands Geheimdienst FSB spricht von einer Provokation.

Ukrainische und russische Schiffe in der Meerenge von Kertsch
Das vom russischen Sicherheitsdienst verbreitete Bild soll zeigen, wie ukrainische Schiffe in russische Hoheitsgewässer einfahren und von russischen Booten begleitet werden. Bildrechte: dpa

Vor der Krim sind russische und ukrainische Marine-Schiffe aneinander geraten. Der Vorfall ereignete sich am Sonntag in der Straße von Kertsch, die das Schwarze mit dem Asowschen Meer verbindet.

Angeblich zwei Verletzte

Nach ukrainischer Darstellung sollen russische Marineeinheiten dabei drei Schiffe der ukrainischen Marine unter ihre Kontrolle gebracht haben. Russische "Spezialkräfte" hätten sich die Schiffe angeeignet, erklärte das Kommando der ukrainischen Marine. Es gebe "Informationen, wonach zwei ukrainische Marinesoldaten verletzt" worden seien.

Zuvor hatte Kiew mitgeteilt, ein Schiff des russischen Grenzschutzes habe einen Marineschlepper der Ukraine gerammt. Ein Motor und der Rumpf des Schiffes seien dabei beschädigt worden. Daraufhin seien zwei weitere Schiffe in die Straße von Kertsch geschickt worden.

FSB spricht von Provokation

Öltanker blockiert Brücken-Durchfahrt an der Straße von Kertsch
Nach dem Zwischenfall ließ Russland die Straße von Kertsch sperren. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Nach Darstellung der russischen Küstenwache durchfuhren die ukrainischen Marineschiffe ohne Erlaubnis russische Hoheitsgewässer. Der russische Geheimdienst FSB beschuldigte die ukrainische Marine, Russland provoziert zu haben. Deren Ziel sei, "eine Konfliktsituation in der Region zu schaffen", verlautete russischen Nachrichtenagenturen zufolge vom FSB. Auf vom FSB herausgegebenen Bildern ist zu sehen, wie ukrainische Schiffe angeblich durch russische Hoheitsgewässer fahren. Nach dem Zwischenfall sperrte Russland die Straße von Kertsch für den Schiffsverkehr.

Kreml schweigt - Krisensitzung in Kiew

Von der Regierung in Moskau war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko berief angesichts der zugespitzten Lage am Abend den Krisenstab ein.

Die Europäische Union forderte Moskau auf, die Straße von Kertsch wieder freizugeben und so zur Deeskalation beizutragen. "Die Spannungen im Asowschen Meer und in der Straße von Kertsch haben sich heute gefährlich verstärkt", erklärte EU-Kommissionssprecherin Maja Kocijanic am Sonntagabend in Brüssel.

Brennpunkt Asowsches Meer

Das Asowsche Meer nordöstlich der Halbinsel Krim entwickelt sich seit Monaten zu einem weiteren Schauplatz des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland. Das Verhältnis der beiden früheren Sowjetrepubliken ist wegen der 2014 von Russland annektierten Krim und dem Konflikt in der Ostukraine schwer gestört. Die Regierung in Kiew hatte angekündigt, die Präsenz ihrer Marine im Asowschen Meer zu erhöhen.

Die Straße von Kertsch

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 25. November 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2018, 22:39 Uhr

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12 Kommentare

27.11.2018 11:50 SZ Rentner 12

@Pitti 10
" Leidmedien"
Ob beabsichtigt oder nicht der war gut . :-)

26.11.2018 22:22 Bingo 11

Ich denke die Ukraine brovoziert, da sie sich mit dem Verlust der Krim nicht abfinden will. PS: Die Deutschen haben auch Gebiete verloren,und mußten den Verlust verschmerzen...die Welt ist im Wandel und das wahr sie schon immer....

26.11.2018 20:47 pitti 10

Sie sind also "aneinandergeraten". Kann der mdr dieses mal genauer erklären? Die leidmedien sollten sich nicht wundern, wenn die Menschen auf alternative Quellen zurückgreifen.

26.11.2018 14:23 Jürgen Förster 9

Tja, die Wahlen in der Ukraine sind nicht mehr weit.
Da behaupten böse Zungen doch glatt, Poroschenko spiele mit dem Feuer um die Wahlen aussetzten zu können, da seine Wiederwahl doch eher unwahrscheinlich ist.
Was mir dabei unklar ist, bislang befand sich die Ukraine offiziell nicht im Kriegszustand weil sonst die Finanzierung durch den IWF gefährdet wäre.
Bin gespannt, wie dieses Problemchen gelöst wird.
Aber Wetten auf neue antirussische Sanktionen stehen schon mal gut im Kurs.

26.11.2018 11:29 Artep 8

Und Deutschland warnt und fordert die Konfliktparteien zur Ruhe auf? Dabei ist doch Deutschland einer der massgeblichen Brandstifter oder wie war das mit Steinmeier und dem maidan???
Wie gut,dass die ganze NATO Flotte schon im Osten stationiert ist, natürlich zur Abschreckung. Da kann man nur sagen, wissen sie was die tun.

26.11.2018 11:29 SZ Rentner 7

Da provozieren doch die pöhhsen Russen die friedlichen Ukrainer wahrscheinlich haben sie Angst das die Sanktionen gegen sie aufgehoben werde . Vielleicht war auch die Ukraine nicht mehr genug in den Schlagzeilen .

26.11.2018 09:54 konstanze 6

Die Ukraine ist ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt auf dem Weltschachbrett. Zbigniew Brzezinski hat das alles wunderbar in seinem Buch "Die einzige Weltmacht" beschrieben. Die Ukrainer, die mit Unterstützung des Westens, die Orangene Revolution ausgerufen haben, wissen das immer wieder auszunutzen und bringen sich gern einmal mit Provokationen und der Forderung "Der Westen muss.." in "Erinnerung". (über 92 % der Wähler auf der Krim haben bei der letzten Präsidentschaftswahl übrigens Putin gewählt)

26.11.2018 09:42 Wachtmeister Dimpfelmoser 5

Die Ukraine ist ein von kleinbäuerlicher Agrarwirtschaft geprägter Staat mit einer eher unklar umrissenen autochthonen Bevölkerung, die zudem an ihren Grenzen unscharf in mehr oder weniger russophile Ethnien übergeht, denen ein starker russischer Bär lieber ist als diese zutiefst zerrissene und hochkorrupte ehemalige "Kornkammer der Sowjetunion", die zudem faktisch pleite ist und als Sahnehäubchen den Sarkophag von Tschernobyl in sich ticken hat. Und nur weil George Sorros und Teile des Bush-Clans dort in Staatsanleihen und Ölgesellschaften investiert haben, deren Gewinn durch die dortige instabile Situation nun doch nicht so sprudelt wie weiland angedacht, müssen wir uns noch lange nicht zum Erfüllungsgehilfen dieser aggressiven Einmischung des Finanzkapitals machen lassen. Auch nicht medial-propagandistisch.

26.11.2018 08:10 Frank 4

"Russen entern ukrainische Marineschiffe - Kiew spricht von Kriegserklärung" [Quelle: focus online 26.11.18]. "Eskalation im schwarzen Meer - Russland beschießt Schiffe der Ukraine" [Quelle: bild 26.11.18] usw. Es ist schon erstaunlich, wieviele deutsche Journalisten so nah am Ort des Geschehens waren, um so zu titeln. Klar ist aber, dass die Situation im und um das Assowsche Meer schon seit einigen Monaten sehr angespannt ist. Hierüber wurde allerdings kaum berichtet. Schon am 18.10.18 hatte Russlands Außenminister Lawrow die Pläne der Ukraine, ein gemeinsames Manöver mit der Nato im Asowschem Meer durchzuführen, als unrealistisch und provokatorisch bezeichnet. Er verwies darauf, dass dafür eine Genehmigung Russlands erforderlich sei. "Unser Vertrag mit der Ukraine erfordert bereits für das Überqueren des Asowschen Meeres mit Militärschiffen eine Zusage beider Seiten" [Interview mit RT France, „Paris Match“ „Le Figaro“ ]

26.11.2018 06:58 Der Lange 3

bevor sich hier wieder alle Richtung Rußland hochkeifend aufschaukeln, mich erinnert das Ganze (nein, ich sage jetzt nicht Gleiwitz) an den Südossetien-Konflikt, als ein durchgeknallter georgischer Präsident, in vollstem Vertrauen darauf, dass ihn die NATO raushaut, einen Konflikt provoziert hat. Aber das Gedächtnis unserer Politiker ist ja löchrig wie ein Sieb. Und das der Medien wohl auch. Naja, vielleicht helfen neue Sanktionen gegen Russland. Das scheint ja so eine Art Allheilmittel zu sein, egal was passiert. (Ironie aus!".