Innenminister Horst Seehofer und Österreichischer Bundeskanzler Sebastian Kurz reichen sich die Hände im Bundesinnenministerium in Berlin am 13. Juni 2018.
Beim Thema Migration und Grenzschutz ziehen Seehofer und Kurz an einem Strang. Bildrechte: imago/Emmanuele Contini

Treffen in Berlin Kurz und Seehofer wollen "Achse der Willigen" gegen illegale Migration

Mit einer "Achse der Willigen" will Österreichs Kanzler Kurz gegen illegale Migration und für einen besseren EU-Grenzschutz kämpfen. Bei Innenminister Seehofer stößt er dabei offene Türen ein, nicht aber bei Bundeskanzlerin Merkel.

Innenminister Horst Seehofer und Österreichischer Bundeskanzler Sebastian Kurz reichen sich die Hände im Bundesinnenministerium in Berlin am 13. Juni 2018.
Beim Thema Migration und Grenzschutz ziehen Seehofer und Kurz an einem Strang. Bildrechte: imago/Emmanuele Contini

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz will während der anstehenden EU-Ratspräsidentschaft seines Landes eine "Achse der Willigen" für den Kampf gegen illegale Migration schmieden.

Achse Rom, Wien, Berlin

Kurz sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer am Mittwoch in Berlin, er setze auf eine regionale Zusammenarbeit zwischen Rom, Wien und Berlin, weil viele Flüchtlinge von Italien nach Deutschland wollten. Die Kooperation zwischen den drei Ländern sei bereits gut. An die Adresse Seehofers gewannt, erklärte der österreichische Regierungschef: "Wir sind froh, dass wir mit Ihnen als deutschem Innenminister einen starken Partner haben."

Intensivere Zusammenarbeit verabredet

Seehofer wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass sich die Innenminister von Italien, Österreich und Deutschland bereits darauf verständigt hätten, intensiver im Kampf gegen illegale Migration und Terrorismus zusammenarbeiten zu wollen. Den Wunsch habe auch Italiens neuer Innenminister Matteo Salvini bei einem gemeinsamen Telefonat am Vortag geäußert, sagte der CSU-Chef.

Schutz der Außengrenzen "Idealfall"

Grenzzaun
Grenzzaun in Bulgarien: Ein deutscher Beamter unterstützt seinen bulgarischen Kollegen beim Schutz der EU-Außengrenze. Bildrechte: IMAGO

Seehofer und Kurz betonten einhellig die Notwendigkeit, die europäischen Außengrenzen wesentlich besser zu schützen als bisher. Der österreichische Kanzler sprach sich dabei ausdrücklich für eine Stärkung der europäischen Grenzschutzagentur Frontex aus. Seehofer bezeichnete es als einen "Idealfall", wenn es gelänge, die Außengrenzen zu schützen. Das würde die Binnengrenzkontrollen überflüssig machen.

Alternativroute durch Albanien

Sowohl Kurz als auch Seehofer wiesen in dem Zusammenhang darauf hin, dass sich durch Albanien immer mehr eine Alternativroute für Migranten nach Mittel- und Nordeuropa entwickle. Kurz sagte, es gelte hier - anders als 2015 - frühzeitig zu reagieren. Er wolle die albanische Regierung dabei unterstützen. Am Dienstagabend hatte Kurz im österreichischen Fernsehsender ORF erklärt, Österreich arbeite mit einer kleinen Gruppe von EU-Ländern an Plänen für Aufnahmelager für Flüchtlinge außerhalb der EU.

Merkel hält nichts von "Achse"-Plänen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M) spricht zum Auftakt des Integrationsgipfels im Bundeskanzleramt zu den Teilnehmern der Runde.
Merkel beim Integrationsgipfel im Kanzleramt. Bildrechte: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die bereits am Vortag mit Kurz zusammengetroffen war, reagierte zurückhaltend auf die Forderung ihres österreichischen Amtskollegen, eine "Achse der Willigen" gegen illegale Migration zu schmieden. Die CDU-Chefin bekräftigte nach dem Integrationsgipfel am Mittwoch in Berlin, dass sie eine gemeinsame europäische Lösung in der Flüchtlingspolitik anstrebe. Es gebe Länder wie Italien, Griechenland oder Spanien, die besonders von der Ankunft von Flüchtlingen betroffen seien. Daher müsse es mehrere Kooperationsmöglichkeiten geben.

Krisentreffen zu Seehofer-Merkel-Asylstreit

Im unionsinterne Streit um die von Seehofer angestrebte Abweisung von bestimmten Migranten an der deutschen Grenze zeigte sich Merkel zunächst skeptisch, dass dieser noch in dieser Woche bereinigt werden könnte. Allerdings wurde später aus Unionskreisen bekannt, dass noch im Laufe des Mittwochabends bei einem Krisentreffen zwischen Merkel, Seehofer sowie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU) nach einer Lösung gesucht werden solle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 13. Juni 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 20:13 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

29 Kommentare

15.06.2018 10:06 Fragender Rentner 29

Ja und die Fr. Merkel will mit jedem Staat verhandel!

Wie lange soll dies wohl dauern?

Nennt sich jetzt Bi-Verhandlung? :-(

14.06.2018 18:13 Menthox 28

Was heißt hier die bereits registrierten Migranten an der Grenze abweisen? Nach der unglücklichen Masseneinwanderung der letzten zweieinhalb Jahre, mit mehr oder weniger geflüchteten Personen, sollte es wohl das Ziel sein, alle ankommenden Ankommenden abzuweisen?!
Frau Merkel wird wohl bald den "Hauch der Meuchler" ihrer eigenen Partei im Nacken spüren.

14.06.2018 16:24 Fragender Rentner 27

Eine Achse der Willigen mit Fr. Merkel?

14.06.2018 13:38 Hubert 26

@ 2 2 wunderbarer guter Witz , klasse !!

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

14.06.2018 10:52 jochen 25

18# Sind wir daran schuld, wenn sich Afrikaner auf das Mittelmeer begeben ?

Ich denke nicht.

14.06.2018 10:08 jochen 24

Kanzler Kurz - solch einen Kanzler bräuchten wir in Deutschland.
Leider haben wir Nur die Merkel.
Eine gewisse Anzahl von Wählern wollte das so.
Es ist traurig aber wahr.

14.06.2018 10:01 Günter Kromme 23

Das Merkel alle möglichen Lösungen des Flüchtlingsproblems sabotiert ist durchaus verständlich, denn eine nationale Lösung würde ihre ganzen Fehler überheblich ans Licht bringen. Ihre vorgetäuschte Sorge um sogenannte Flüchtlinge dient lediglich dazu ihr Gesicht wahren zu wollen. Und Bùrgern denkt daran, sie läßt euch für Ihre Fehler in Aber-Milliarden-Höhe löhnen.

14.06.2018 08:01 Hans 22

Es kann für die BK nur noch bergauf gehen .

14.06.2018 07:44 Ludwig 21

@9 pkeszler
Es ist die Pflicht des Deutschen Staates die Landesgrenzen Deutschlands zu kontrollieren und das Land vor illegalen Grenzüberschreitungen zu schützen. Dafür ist nicht Österreich zuständig. Sie haben ein merkwürdiges Verständnis vom Schutz der territorialen Integrität eines Landes und den entsprechenden Aufgaben des Staates.

14.06.2018 06:22 Skywalker 20

Frau Merkel wird die Regierungszeit ganz sicher nicht überstehen - spätestens nach der Landtagswahl in Sachsen ist ihre Zeit endgültig vorbei...und einen idealen Nachfolger gibt es mit Herrn Söder auch schon