Sergej Lawrow
Lawrow: "Diese Substanz findet sich im Arsenal der US-Armee, Großbritanniens und anderer Nato-Länder." Bildrechte: dpa

Fall Skripal Schweizer Labor soll westlichen Kampfstoff nachgewiesen haben

Im Fall des mutmaßlichen Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Skripal führt nach russischen Angaben eine Spur in den Westen. Laut Außenminister Lawrow wies ein Schweizer Labor den Kampfstoff BZ in den Blutproben nach, der von Nato-Staaten wie den USA oder Großbritannien verwendet wurde. Lawrow warf der OPCW in ihrem jüngsten Bericht Manipulation vor, da das Schweizer Ergebnis darin nicht erwähnt werde.

Sergej Lawrow
Lawrow: "Diese Substanz findet sich im Arsenal der US-Armee, Großbritanniens und anderer Nato-Länder." Bildrechte: dpa

Im Fall des vergifteten russisch-britischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal soll ein Schweizer Labor einen im Westen verwendeten chemischen Kampfstoff nachgewiesen haben. Russlands Außenminister Sergej Lawrow teilte am Samstag in Moskau mit, ein Labor im schweizerischen Spiez habe in den Blutproben Spuren des chemischen Kampfstoffes BZ gefunden. Lawrow sagte der Agentur Interfax zufolge, weder in Russland noch in der Sowjetunion seien Giftstoffe entwickelt worden, die der Formel entsprechen: "Diese Substanz findet sich im Arsenal der US-Armee, Großbritanniens und anderer Nato-Länder." Die Wirkung von BZ setzt nach Angaben von Lawrow in bis zu 60 Minuten ein und hält bis zu vier Tage an.

Vorwurf der Manipulation - Spiezer Labor kontert

Sergej Skripal während seines Spionage-Prozesses 2006 in Moskau.
Skripal während seines Spionage-Prozesses 2006 in Moskau. In den Blutproben des Ex-Doppelagenten soll auch der westliche Kampfstoff BZ nachgewiesen worden sein. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Lawrow warf der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) vor, die Erkenntnisse des Spiezer Labors in dem am Donnerstag vorgelegten Untersuchungsbericht zum Fall Skripal verschwiegen zu haben. Der russische Außenminister ging noch einen Schritt weiter, indem er mit Blick auf das vom Spiezer Labor ebenfalls nachgewiesene Gift der Nowitschok-Gruppe erklärte, die gefundene Menge sei extrem verdächtig, weil sie erstens absolut tödlich gewesen wäre und das Gift zweitens aufgrund seiner schnellen Zerfallszeit nicht in einer so hohen Konzentration hätte nachgewiesen werden können. Das Schweizer Labor erwiderte, man habe keinerlei Zweifel, dass bereits im Labor Porton Down Nowitschok nachgewiesen wurde.

Die britische Regierung geht davon aus, dass bei dem mutmaßlichen Anschlag auf Skripal und seine Tochter Julia ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. London wertete dies als Beweis dafür, dass nur Russland hinter der Attacke stecken könnte.

OPCW bestätigt "toxische Chemikalie"

Die OPCW bestätigte am Donnerstag in einem Kurzbericht, bei einer Untersuchung von Blutproben von Skripal und seiner Tochter seien die Erkenntnisse Großbritanniens "in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie" bestätigt worden. Das verwendete Gift wird in dem Bericht allerdings nicht benannt. Auch äußerte sich die OPCW nicht dazu, woher das Gift kam und wer für den Anschlag auf Skripal und seine Tochter verantwortlich sein könnte.

Russland fordert Zugang zu Proben

Die russische Regierung hat eine Verwicklung in den Anschlag von Anfang an zurückgewiesen. Bereits am Donnerstag hatte Moskau zudem erklärt, man werde die Schlussfolgerungen der OPCW solange nicht anerkennen, solange russische Experten keinen Zugang zu den in dem Bericht erwähnten Proben erhielten.

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen  Salisbury gefunden worden. Der Fall löste einen diplomatischen Konflikt zwischen Russland und zahlreichen westlichen Staaten aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. April 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2018, 09:26 Uhr

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36 Kommentare

17.04.2018 02:07 Klaus 36

@ { 16.04.2018 19:24 Kritischer Bürger }
Denken was wir wollen, das machen wir schon immer.
Und das nur Putins Regierung/Geheimdienst ein Interesse hat Russlandkritiker/Doppelagenten massenhaft zu liquidieren, das ist auch klar.

16.04.2018 22:14 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 35

Zitat Bericht: **Die OPCW bestätigte am Donnerstag in einem Kurzbericht, bei einer Untersuchung von Blutproben von Skripal und seiner Tochter seien die Erkenntnisse Großbritanniens "in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie" bestätigt worden.**

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang sehe ich den Punkt, daß von der OPCW **die Erkenntnisse Großbritanniens** bestätigt wurden, die eben von einem "Nervengift der Nowitschok-Gruppe" spricht.

... was im Klartext bedeutet, daß die OPCW - wenn auch nicht namentlich - ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe als das verwendete Gift gegen Skripal und seine Tochter bestätigt.

16.04.2018 19:24 Kritischer Bürger 34

@Peter 29: +...Das von Lawrow genannte Labor hat sich festegelegt und mitgeteilt, "dass das Labor in Porton Down die Substanz als Nowitschok identifiziert hat."...+ Also doch Quelle Dritter: 1.Lawrow führt ein Labor an; 2.dieses Labor +...soll ein Schweizer Labor einen im Westen verwendeten chemischen Kampfstoff nachgewiesen haben....+ Hier geht es NOCH um das Spiezer Labor; 3. Dieses Labor führt an das dieses Labor +...Porton Down Nowitschok nachgewiesen wurde....+ So da heben wir also Verweise vom einem zum Anderen und nicht zuletzt hieß es +...Die OPCW nennt auch keinen mutmaßlichen Urheber der Attacke auf den ehemaligen Doppelspion Skripal....+ WARUM ALSO? +...Die OPCW teilte aber mit, dass das beim Anschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Skripal und seine Tochter verwendete Gift von "hoher Reinheit" war....+ So und nun wieder der Hr.Lawrow: +... die gefundene Menge sei extrem verdächtig, weil sie erstens absolut tödlich gewesen wäre...+ Jeder kann nun denken was er will!

16.04.2018 18:59 Klaus 33

@ { Der russische Journalist Maxim Borodin }
Die Sache ist doch zu durchsichtig. Man hat noch andere Spuren untergemischt, um von sich abzulenken. Selbst wenn diese neuen Informationen stimmen sollten, sehe ich Russland dadurch nicht entlastet, eher im Gegenteil. Deswegen war man doch so scharf auf die Proben, weil man die Zusammensetzung genau kannte.

Der russische Journalist Maxim Borodin ist vor ein paar Tagen aus dem Fenster gefallen und gestorben. Was für ein "Zufall", dass er regierungskritisch unterwegs war.
Nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten wurden seit 1992 in Russland 58 Reporter getötet. Die Hintermänner der Verbrechen werden jedoch nur selten überführt.

16.04.2018 16:41 janoschausle 32

16.04.2018, 09:16 | Max W. - ja, nee, iss klar... 24
"Seit Malaysia-Airlines-Flug 17 (MH17) spätestens(!) ist das Vertrauen in die Aussagen russischer Politiker gleich Null und zwar zu recht."
Ja, klar nicht? Mal logisch denken: Nach der Krim-Abstimmung wurden Sanktionen angedroht, zwei Tage nach dem MH17-Abschuss, 6 Monate nach der Krim-Abstimmung, wurden deswegen die Sanktionen verhängt. Es gibt Satelitenaufnahmen von der betreffenden BUG-Station, UA-Kennung unter Kontrolle der UA-Armee,mit Wodka-und Bierflaschen ringsum.Die Untersuchung der Niederländer,als die Kommission das Ergebnis,ohne Verursacher,vor dem Parlament erläuterte,veranlasste das Gehörte einen Abgeordneten der holländischen CDU-Schwesterpartei zu dem Tweet "...also doch die Ukrainer".Seitdem wird offiziell vom Beginn der Sanktionen nur noch wegen der Krim-Abstimmung gesprochen.Fällt Ihnen was auf?Kein Verantwortungsträger bezichtigt offiziell heute noch RU oder die Seperatisten des MH17-Abschusses.Warum wohl??

16.04.2018 16:23 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 31

Meine 'Zweitmeinung' ist die Kommentarspalte des MDR: wenn bestimmte Protagonisten 'quietschen', ist alles fein und vice versa! ;-)

Es gibt wohl über einige 'Journale' genügend 'unabhängige' Meinungen, Feststellungen und nachlesbare Fakten, die man entsprechend einordnen muß: die von mir zitierten Feststellungen über die 'Epoch Times' gefielen mir so gut, daß ich sie eben sogar zitierte.

Ich bin gut erzogener Bundesbürger: soweit es möglich ist, klingt bei mir abends um 8 der berühmte 6-Klang, daneben gibt es reichlich andere, als 'vernünftig informierende Medien' eingeschätzte Medien, die diesen Ruf auch immer wieder bestätigen, und eine 'soziale Ader' runden das 'guter Mensch'-Sein ab.

Ein 'aufgeklärter' Bürger sollte Verschwörungstheorien ent- und nicht bekräftigen, sofern es ihm nicht als Zeitverschwendung erscheint.

Das entsprechende Labor hat Lawrows Aussage bisher nicht bestätigt.
... nur mal so als 'Verschwörungs-"ansatz"' für den nächsten Stammtisch! ;-)

16.04.2018 14:50 Pjoter 30

@28 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff)
Danke aber Ihr Mitleid brauche ich sicher nicht. Aber Ihr augenscheinlicher Hass auf Russland und auf kritische Stimmen ist schon sehr durchschaubar. Aber ist schon OK so lebt halt jeder in seiner Filterblase. Aber nicht jeder fällt auf die Nebelkerzen der Geheimdienste aus welcher Richtung auch immer rein. Sie denken sicher auch der Angriff in Syrien war ein voller Erfolg. Was getroffen und raus aus der Schusslinie. Alles schick.
Und jetzt träum ich weiter von einer friedlichen Welt.

16.04.2018 13:16 Peter 29

@26 Bürger: Keine Quellen Dritter: Das von Lawrow genannte Labor hat sich festegelegt und mitgeteilt, "dass das Labor in Porton Down die Substanz als Nowitschok identifiziert hat."
Mir scheint, dass Russland, hier Lawrow, mal wieder Nebelkerzen wirft, um von eigenen Verstrickungen abzulenken.

16.04.2018 12:47 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 28

@16.04.2018 11:47 Pjoter 27

(Ist schon sonderbar, dass die Skripals einfach nicht sterben wollen und von dem Polizisten der sofort zusammenbrach nachdem er den Türknauf berührte, hört und liest man auch nichts mehr.
sehr mysteriös das Ganze)

Das trifft vollumfänglich auch auf alle Verkehrstoten und die für deren Tod Verantwortlichen zu: Auch von denen hören wir nichts mehr. Sehr mysteriös das Ganze. Könnte daran liegen, dass die "Pjoter" dieser Welt mit den Informationen ohnehin nichts Sinnvolles anfangen könnten, da ihr Weltbild unverrückbar konsolidiert ist.

Und BTW: Ich habe noch niemals, auch nicht als Admin, eine derart schlecht und plump vorgetragene "Kampagne" erleben dürfen, wie sie hier zu besichtigen ist. Die dafür Verantwortlichen (sie dürfen in russischen und AfD-Kreisen verortet werden) haben mein volles Mitleid für ihren schon sagenhaft armseligen Dilettantismus. Auf so etwas fallen nicht einmal bildungsfernste Hardcore-Facebook-Nerds herein.

16.04.2018 11:47 Pjoter 27

Ist schon sonderbar, dass die Skripals einfach nicht sterben wollen und von dem Polizisten der sofort zusammenbrach nachdem er den Türknauf berührte, hört und liest man auch nichts mehr.
sehr mysteriös das Ganze