Besatzungsmitglieder des Rettungsschiffes ''Lifeline'' halten vor dem Gericht, in dem ihr Kapitän verhört wird, ein Banner, auf dem geschrieben steht: ''Rettungsschiffe blockiert. Mehr als 400 Tote.''
Unterstützer des "Lifeline"-Kapitäns vor dem Gerichtsgebäude in Malta. Bildrechte: dpa

Asylpolitik "Lifeline"-Kapitän erhebt schwere Vorwürfe gegen EU

Der Kapitän des Seenot-Rettungsschiffes "Lifeline", Claus-Peter Reisch, steht aktuell in Malta vor Gericht. Aus den falschen Gründen, erklärt er in einer Mitteilung. Die EU verhindere die Seenotrettung, statt das Sterben im Mittelmeer zu beenden. Auch an Bundesinnenminister Seehofer lässt der Kapitän kein gutes Haar.

Besatzungsmitglieder des Rettungsschiffes ''Lifeline'' halten vor dem Gericht, in dem ihr Kapitän verhört wird, ein Banner, auf dem geschrieben steht: ''Rettungsschiffe blockiert. Mehr als 400 Tote.''
Unterstützer des "Lifeline"-Kapitäns vor dem Gerichtsgebäude in Malta. Bildrechte: dpa

"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch hat schwere Vorwürfe gegen die Europäische Union und die Regierungen ihrer Mitgliedsländer erhoben. "Es ist beschämend, dass die EU mehr dafür tut, Seenotrettung zu verhindern, als gegen das Sterben im Mittelmeer", erklärte der 57-Jährige am Montag in einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme vor seiner geplanten Landung in München.

"Lifeline" wurde eine Woche blockiert

Reisch steht als Kapitän des auf Malta liegenden Rettungsschiffs "Lifeline" vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, das Schiff ohne ordnungsgemäße Registrierung in maltesische Gewässer gesteuert zu haben. Die "Lifeline" der in Dresden ansässigen Hilfsorganisation "Mission Lifeline" war zuvor fast eine Woche auf dem Meer blockiert, nachdem sie rund 230 Migranten vor Libyen gerettet hatte.

Reisch: Seehofer ist ein Täter

Reisch erklärte, mindestens 277 Menschen seien ertrunken, seit die Rettungsschiffe auf Malta festgesetzt sind.

Wir diskutieren jetzt also ernsthaft, ob es legitim ist, Menschenleben zu retten? Hätten wir die Leute einfach ertrinken lassen, würde ich jetzt wohl nicht vor Gericht stehen. Das ist schäbig und eine Gefahr für die Demokratie.

Claus-Peter Reisch Kapitän der "Lifeline"

Bundesinnenminister Horst Seehofer warf er vor, er wolle Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken lassen. "Er ist ein Täter, er gehört vor Gericht, er muss zurücktreten."

Reisch kann einige Tage ausreisen und wird am Montag am Flughafen in München erwartet. Zum nächsten Prozesstermin am 30. Juli wird er nach Malta zurückkehren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juli 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2018, 13:42 Uhr

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57 Kommentare

18.07.2018 08:58 H.E. 57

Die Lifeline ist doch kein Handels- oder ein Militärschiff etc., natürlich müssen diese jeden retten, auch zurecht, aber es heißt, nur den nächsten Hafen anlaufen.
Sie schippern aber bewußt vor der lybischen Küste, sind aber kein Handelsschiff etc., sondern nur da um Leute zu retten, die von Schleppern für eine Unmenge an Geld in Seelenverkäufern aufs Meer geschickt werden, retten diese u. bringen sie nicht in den nächsten Hafen nach Lybien sondern versuchen , diese in Italien oder Malta unterzubringen u. diese Staaten dürfen sich dann um die Geretteten kümmern u. für alle Kosten aufkommen. Wenn Sie schon Herr Reisch so etwas machen, sollten sie sich auch um die Weiterversorgung kümmern u. die Kosten begleichen.
In meinen Augen sind sie der verlängerte Arm der Schleuser. Die Schleuser erzählen wahrscheinlich allen vorher, wenn sie die Leute in ein Boot verfrachten, daß sie sicher von einem europäischen Schiff gerettet u. in Europa an Land gehen können und dort versorgt werden.

17.07.2018 21:14 Annerose will 56

Niemand fordert von ihm, die Menschen hätten im Wasser bleiben sollen. Menschenleben retten heißt die unmittelbar vor der lybischen Küste aus dem Wasser gemischten in den nächstgelegenen Hafen in Lybien zu bringen und eben nicht notwendigerweise regelmäßig nach Italien zu bringen. Das ist dann ganz klar Schlepperei und illegal. Zurecht wird das Gericht dies klären wollen.

17.07.2018 20:34 Fragender Rentner 55

Wie brachten sie heute Mittag im Fernsehen, in Malta liegen bereits 3 Schiffe am Kai.

17.07.2018 18:35 Dieter 54

Mirado 32:
Stolz auf einen kriminellen Schlepper, der vom Schleppen gut lebt? Der Normalbürger muss die Migranten finanzieren, die Herr Resch heranschleppt. Leider machen unsere Medien aus Kriminellen oft Helden.
Wieviel verdient Herr Resch und wer bezahlt das? Das könnte doch der MDR mal herausfinden.

17.07.2018 17:17 Fragender Rentner 53

@Johny zu 52

Ob da einer reichen würde oder braucht man da schon ein Sprungtuch um dich auf zu fangen? :-)

Nennt sich so etwas nicht suizit, was du da schreibst?

Aus dem 1. Stock könnte es vielleicht noch gehen mit der Hilfe.

17.07.2018 16:29 Johny 52

Wenn ich aus dem Fenster springe, kann ich nicht darauf vertrauen, dass unten Einer steht der mich auffängt.

17.07.2018 16:11 Johny 51

Der Historiker Heinrich August Winkler fordert in einem Interview mit dem DLF die EU auf, zwischen Migration und dem Anspruch auf Asyl zu unterscheiden. Laut Winkler sollten die EU-Staaten nicht mehr versprechen, als sie halten können. Die Rettung von Menschenleben verpflichte nicht dazu, Menschen in die EU einwandern zu lassen. „Es wäre Selbstüberhebung zu meinen, man könne auf deutschem, französischem oder britischen Boden die Menschenrechte für alle Welt verwirklichen“, so der Historiker. Im DLF warnte er zudem davor, nicht den Eindruck zu erwecken, als gebe es ein „allgemeines Menschenrecht, das da lautet: Wir wandern jetzt in einen Staat unserer Wahl ein“. Ein allgemeines Einwanderungsrecht halte keine Gesellschaft aus, so Winkler. Wer solche eine Botschaft nach Afrika sende, handle seiner Ansicht nach nicht nur unmoralisch, sondern auch verantwortungslos. (ET)

17.07.2018 15:18 Fragender Rentner 50

Ab wann ist man eigendlich ein Schiffsbrüchiger?

Wenn das Boot bei einer Fahrt von A nach B havariert, weil es z.B. in einen Sturm kommt?

Oder weil man absichtlich sich auf so eine unsichere Geschichte einläßt um nur gerettet zu werden und dabei vielleicht noch die Retter in Gefahr bringt?

Was sagt das Seerecht dazu?

17.07.2018 10:36 D.o.M. 49

Herr Reisch, was sagen Sie eigentlich zu den aktuell 100 im Kühllaster in Libyen geschmuggelten, 8 davon tot? Ist an deren Tod nun auch der Herr Seehofer schuld ? Weil er Ihnen nicht beigestanden hat, Sie deswegen nicht seenotretten konnten, der Schlepper deswegen das Schlauchboote nicht in die Seenot geschickt hat und die Geschleppten deswegen in der Kiste ausharren mußten? Fühlen Sie sich angesichts dieses jüngsten Vorfalls nicht doch irgendwie als Kettenglied in der Schlepperkette ? Oder waren die in der Kiste zurückgelassenen doch eher als Passagiere auf der Aquarius vorgesehen, die ja nun auch nicht mehr am Start ist?

16.07.2018 22:00 REXt 48

An @47 Fragender Rentner, ja, das hat auch was mit der Preisdrückerei deutscher Supermarktketten zu tun, da wird uns bestimmt wieder eingeredet, wir sind dran Schuld, weil wir so billige Lebensmittel kaufen wollen! Wetten? Da sage ich aber, wer Löhne, Renten drückt, ist Schuld.

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