Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch muss nicht ins Gefängnis. Bildrechte: dpa

Seenotrettung "Lifeline"-Kapitän auf Malta zu Geldstrafe verurteilt

Der Kapitän des deutschen Rettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist in Malta zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ins Gefängnis muss er aber nicht. Dennoch will er das Urteil nicht annehmen.

Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch muss nicht ins Gefängnis. Bildrechte: dpa

Der Kapitän des Rettungsschiffes der Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist wegen unzureichender Papiere auf Malta zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Wie die Hilfsorganisation am Dienstag nach der Urteilsverkündung mitteilte, muss Reisch 10.000 Euro an lokale Hilfsorganisationen bezahlen. "Lifeline"-Vereinschef Axel Steier kündigte an, in Berufung gehen zu wollen.

Keine Gefängnisstrafe

Zu einer Gefängnisstrafe wurde Reisch nicht verurteilt. Der Vorwurf einer fehlenden Genehmigung für kommerzielle Aktivitäten auf See wurde vom Richter mit der Begründung verworfen, das Retten von Menschen sei keine kommerzielle Tätigkeit: "Das Gericht anerkennt das humanitäre Handeln des Kapitäns."

"Lifeline" bleibt im Hafen

Rettungsschiffe Lifeline im Hafen von Valetta
Die "Lifeline" bleibt vorerst im Hafen von Valetta. Bildrechte: dpa

Mit der Ankündigung, in Berufung gehen zu wollen, bleibt die "Lifeline" weiter als Beweismittel beschlagnahmt. Das teilte ein MDR-Reporter vor Ort mit. Auch bei Annahme des Urteils hätte das Schiff zunächst im Hafen bleiben müssen. Es wäre dann zwar offiziell freigegeben worden, dürfte aber ohne Flagge den Hafen auf Malta nicht verlassen. Entweder hätte man dann eine Einmalflagge für die Rückführung nach Deutschland beantragen müssen oder einen neuen Flaggenstaat für eine permanente Flagge suchen. Die Niederlande hatten dem Schiff nach seiner Beschlagnahme auf Malta die Flagge entzogen.

Blockade nach Migranten-Rettung

Der Kapitän aus dem bayerischen Landsberg am Lech hatte vergangenen Juni mit dem Schiff "Lifeline" mehr als 230 Migranten vor der libyschen Küste aus dem Mittelmeer gerettet. Ihm wurde vorgeworfen, ein nicht ordnungsgemäß registriertes Boot gesteuert zu haben. Das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff wurde später tagelang vor Malta blockiert. Erst nachdem mehrere EU-Staaten zugesagt hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen, durfte es einlaufen.

Private Seenotretter sahen hinter den juristischen Ermittlungen eine politische Kampagne, um die Rettung von Migranten zu erschweren und die damit befasste Nichtregierungsorganisationen (NGO) zu kriminalisieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Mai 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 11:32 Uhr

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134 Kommentare

16.05.2019 19:58 Auf zum letzten Gefecht! 134

@133
"Es kann, auch wenn die Gesamtzahl niedriger als die des Vorjahres ist, innerhalb des Jahres die Zahl der Ertrunkenen gestiegen sein."

klar kann das, es kann aber auch ganz anders sein ;-)

Welchen Wert soll ihre Aussage jetzt haben?
Erschließt sich mir nicht!

16.05.2019 19:05 Fakt 133

>>Auf zum letzten Gefecht!, #128:
"und nun auch noch von #125 zu den Ertrunkenen."<<
--------

Was wurde denn dort widerlegt?
#125 nennt sinkende Zahlen von 2014 bis 2018. Und die absolute Zahl des Jahres 2018 sagt erst einmal gar nichts aus. Es kann, auch wenn die Gesamtzahl niedriger als die des Vorjahres ist, innerhalb des Jahres die Zahl der Ertrunkenen gestiegen sein.

16.05.2019 17:52 Ekkehard Kohfeld 132

@ Auf zum letzten Gefecht! 129

@126

"Damit ist klar, Kapitän Claus-Peter Reisch ist ein Vorbild für viele europäische Menschen und unsere Werte."

das erschließt sich mir jetzt nicht warum das klare sein sollte,
weil sie es geschrieben haben?
##

Mir auch nicht ein Vorbestrafter ein Vorbild?

16.05.2019 17:34 das kleine Einmaleins 131

der Seefahrt, insbesondere was die verschiedenen Schiffstypen und deren folgerichtiger Beflaggung anbelangt, sollte man auf hoher See, aber auch in kleineren Gewässern schon kennen.
Das Gericht hat erkannt, dass ein "ausgewachsener"Trawler eben kein Sportboot mit Kajüten ist.
Rechtsfolge: Falschbeflaggung, worauf die Konsequenz des Urteils beruht

16.05.2019 17:16 Erkenne den Unterschied zwischen TRAWLER und Sportboot 130

Durch die Größe werden zunächst Schiffe von Booten unterschieden.Der Verwendungszweck sorgt für eine Unterteilung in Fracht-, Passagier-, Kriegs-, Sport (!!!)- und Arbeitsschiffe.Das Schiff lifeline wurde unter 1968 unter der Baunummer 940 auf der Werft Hall, Russell & Company in Aberdeen als Clupea für die britische Behörde Department of Agriculture & Fisheries for Scotland als TRAWLER(!!!!)gebaut. Die Lizenz der Beflaggung, die Herr Reisch als gültig darstellt und anpreist, weist jedoch nur ein "SPORTBOOT mit Kajüten "aus. Personen, die sich in der Schifffahrt auskennen, würden den wesentlichen Unterschied der Schiffstypen ad hoc bemerken. Man kann auch nicht mit einem Mopedschild an einem Truck herumfahren, wenn es einem nur passt. Es ist wäre ein Verstoß gg. die StVZO-so einfach ist das. Weshalb Reisch das Dokument von sich aus als völlig rechtmäßig herumzeigt, entzieht sich mir.

16.05.2019 16:44 Auf zum letzten Gefecht! 129

@126

"Damit ist klar, Kapitän Claus-Peter Reisch ist ein Vorbild für viele europäische Menschen und unsere Werte."

das erschließt sich mir jetzt nicht warum das klare sein sollte,
weil sie es geschrieben haben?

16.05.2019 16:43 Auf zum letzten Gefecht! 128

naja Klaus, ihnen wurde jetzt alles widerlegt, selbst von mir über ihre "überdurchschnittliche Steuer"
und nun auch noch von #125 zu den Ertrunkenen.

Sollte es jetzt nicht an der Zeit sein und einlenken?

Etwas mehr selbstkritische Betrachtung ihrer Beiträge würde ihnen gut tun!

16.05.2019 16:18 Wahltag war schon immer Zahltag 127

@Klaus:"wir werden weiterhin beobachten, wie sich die Besorgtenpolitiker selbst verraten."Ich gehe davon aus, dass Ihre Spannung nicht mehr lange auf die Folter gesperrt wird. Spätestens kurz nach der Europawahl wird es die Auflösung geben. Umfragen zufolge nimmt europaweit die Zustimmung zu den von Ihnen bezeich-neten" Besorgtenpolitikern" massiv zu. Le Pen vor Macron, Lega Italien 30-40% , Orban ebenfalls 30% ++ Der Flüchtlingsbegriff" ist längst zu einer Drohgebärde, evtl. auch zur Krücke der Erpressung geworden. Erdo-gan, Iran etc... .Eine Politik des Run-Over ist nicht neu + führt als eine Art v. Kriegsstrategie immer zur Destabili-sierung von Regionen, in denen pol. Kräfte auch einen Regime-Change anstreben. Gegen die Aufnahme tat-sächlich asylberechtigter Personen gibt es doch keine Ressentiments. Gegen Einwanderung in Sozialsysteme schon, denn das Geld kommt von Steuerzahlern

16.05.2019 13:54 Klaus 126

Damit ist klar, Kapitän Claus-Peter Reisch ist ein Vorbild für viele europäische Menschen und unsere Werte.
Die Staatengemeinschaft hat hingegen kläglich versagt und deutlich gemacht, dass man an den Zuständen aus Macht- und Geldgier nichts ändern will. Eher im Gegenteil, der Waffenhandel hat sogar noch zugenommen. Gleichzeitig bekämpft man Lebensretter und setzt deren Schiffe fest.
Das müssen wir zunächst hinnehmen, aber wir werden das auf gar keinen Fall akzeptieren.
Kapitän Claus-Peter Reisch wünschen wir für die Berufung alles Gute und wir werden weiterhin beobachten, wie sich die Besorgtenpolitiker selbst verraten.

16.05.2019 13:11 winfried zu (119)Klaus 125

>>Aber durch das Vertreiben vieler Rettungsschiffe ... ist die Todesrate in die Höhe geschnellt.<<
Wie hoch ist die derzeitige Todesrate und deren Verlauf in 2019 ?

Ich habe dazu im Internet UNHCR-basierte "statista"-Zahlen gefunden:
... 2014 = 3.538 Tote und Vermisste auf der Mittelmeer-Route
... 2015 = 3.771
... 2016 = 5.096
... 2017 = 3.139
... 2018 = 2.275.

In Kenntnis "meiner" Zahlen teile ich Ihre Ansicht nicht, dass weniger NGO-Schiffe zu höheren
Todesraten im Mittelmeer führen.