Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Reisch muss vorerst auf Malta bleiben. Bildrechte: dpa

Nach Anhörung vor Gericht "Lifeline"-Kapitän Reisch darf Malta nicht verlassen

Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", Reisch, ist nach einer Anhörung vor einem maltesischen Gericht gegen Kaution freigekommen. Er darf Malta allerdings vorerst nicht verlassen. Auch das Schiff muss auf Malta bleiben.

Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Reisch muss vorerst auf Malta bleiben. Bildrechte: dpa

Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist nach einer Anhörung vor einem maltesischen Gericht gegen eine Kaution von 10.000 Euro vorerst frei. Der 57 Jahre alte Reisch darf Malta aber nicht verlassen. Sein Pass wurde eingezogen. Das Schiff bleibt im Hafen von Valletta vorerst beschlagnahmt. Als nächsten Termin setzte das Gericht in Valletta den 5. Juli fest. 

Reisch bestreitet Vorwürfe der Behörden

Der in Dresden ansässigen Organisation Mission Lifeline und Reisch wird vorgeworfen, das Schiff nicht ordentlich registriert zu haben. Zudem habe Reisch eine Anweisung italienischer Behörden ignoriert, die Rettung von Migranten in Seenot der libyschen Küstenwache zu überlassen, womit er gegen geltendes Recht verstoßen habe.

Mission Lifeline hatte dazu erklärt, die libysche Küstenwache habe nicht reagiert. Auch Reisch wies die Anschuldigungen zurück. Der EU warf er vor, das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer aus politischen Gründen in Kauf zu nehmen. Zudem fragte er: "Ich stehe hier vor Gericht, aber warum steht hier nicht die libysche Küstenwache?"

Private Rettungsschiffe festgesetzt

Auch die drei anderen privaten Seenot-Rettungsschiffe im Mittelmeer bleiben zunächst blockiert. Die "Aquarius", die zuletzt nach einem Anlegeverbot in Italien und Malta eine Odyssee nach Spanien hinter sich hatte, liegt noch in Marseille. Das von SOS Méditerranée und "Ärzte ohne Grenzen" betriebene Schiff hatte zum Mannschaftswechsel bis an die französische Küste fahren müssen. In Malta liegen neben der "Lifeline" auch die Schiffe "Seefuchs" und "Sea-Watch 3" im Hafen fest. Die maltesische Regierung hatte vergangene Woche angekündigt, bis zum Abschluss der "Lifeline"-Ermittlungen alle Aktivitäten von Seenotrettern zu unterbinden.

2018 schon mehr als 1.000 Tote im Mittelmeer

Die "Lifeline" hatte mehr als 230 Migranten vor Libyen aufgenommen und war danach fast eine Woche auf hoher See blockiert, bevor sie Valletta anlaufen durfte. Zuvor hatten Italien und Malta ein Anlegen verweigert.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr mehr als 1.000 Migranten bei dem Versuch ertrunken, von Libyen aus über das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Allein in den vergangenen Tagen seien rund 200 Menschen umgekommen, weil Schlepper sie in seeuntauglichen Booten transportiert hätten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Juli 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2018, 17:01 Uhr

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55 Kommentare

25.10.2018 14:10 Klaus 55

@ { 25.10.2018 10:25 Anfrage }
Besser wäre es doch, wenn man die Fluchtursache Nummer 1 einstellt, nämlich den Waffenhandel.
IOM liefert keine Waffen. Das machen im Wesentlichen USA, Russland und einige EU-Staaten.
Ja, Leichen kann man zählen und dann hat man eine Zahl. Es ist auch davon auszugehen, dass die wenigsten bei einem Badeunfall ertrunken sind.
Weiterhin ist davon auszugehen, dass die meisten Leute kaum noch Geld haben, dürfte alles für die Flucht draufgegangen sein.
Die Länder, aus denen geflüchtet wird, sind nicht gerade bekannt dafür, dass die einfache Bevölkerung Reichtümer anhäufen kann.
Aber das scheint ja alles unwichtig zu sein, lieber beschäftigt man sich monatelang damit, ob Claus-Peter Reisch die richtigen Schiffspapiere hat.

25.10.2018 10:25 Anfrage 54

Werden eigentlich Listen angefertigt wieviele leute auf ein Boot steigen ? Woher will man wissen wieviele ertrunken sind ,wurden die leichen gezählt ? Warum findet man die Schleuser nicht und das Geld der Bootsinsassen ? Warum hört man nie etwas davon ? Die Mitarbeiter von IOM sollten Vorort die leute aufklären ,was eine Flucht bedeutet und nicht Tote vom Schreibti sch aus zählen.

25.10.2018 03:03 Klaus 53

Fakt ist nun einmal, dass man bei Claus-Peter Reisch in den Krümeln sucht, während auf der anderen Seite über 1.000 Menschen jämmerlich ertrinken. Aber daran kann man erkennen wie unsere Besorgten denken.
Es hat doch niemand etwas dagegen, wenn die Regierungen mit "Ärzte ohne Grenzen" zusammenarbeiten. Man kann sich doch verständigen wer wen rettet. Aber die Menschen einfach ertrinken lassen und Schiffe, die helfen wollen, wenn es schon die Regierungsschiffe nicht machen, monatelang festsetzen, da stellt sich doch die Frage, sind afrikanische Regierungen, die Flüchtlinge nur foltern, da soviel schlechter. Und in Malta war doch auch die Journalistin Daphne Caruana Galizia ermordet worden. Dann ist es klar, dass Claus-Peter Reisch nicht so schnell freikommen wird.

24.10.2018 22:38 Wessi 52

Immerhin hat die wahrhaft christliche Spende von Kardinal Marx (hinter dem die meisten Katholiken in Bayern stehen, vor die freien Wähler) bewirkt, daß Kapitän Reisch, der großarigst arbeitete, nicht im Gefängnis sitzen muß.Eine Niederlage für all diejenigen die unsere großartigen Menschen aufgrund ihres blindwütigen Rassismus bekämpfen.

24.10.2018 18:15 Klaus 51

@ { 24.10.2018 16:15 Frank }
Die Argumente fehlen aber auf Ihrer Seite.
Und wenn Sie nicht diskutieren wollen, warum tun Sie das dann trotzdem. Und wenn Sie das dann tun, warum fehlen Ihnen die Argumente?

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

24.10.2018 16:15 Frank 50

@ Klaus: Wie ich bereits ausführte, von Recht und Gesetz haben Sie keinen blassen Schimmer. Ihre Erwiderung und Es ist sinnlos mit Ihnen eine Diskussion zu beginnen. Die ist mangels Wissen Ihrerseits nicht zielführend!

24.10.2018 14:51 Klaus 49

@ 46
Das wird aber nicht funktionieren, weil die ertrunkenen Menschen dadurch nicht gerettet werden.

24.10.2018 14:42 Klaus 48

@ { 24.10.2018 09:08 noch 48 Tage (GCM) }
Nein, es gibt noch andere Beweise.
Wenn die libysche Küstenwache tätig gewesen wäre, hätte Claus-Peter Reisch keine Flüchtlinge aufnehmen können.
Und dass bei so vielen Flüchtlingen mit solchen Booten niemand ertrinkt, ist doch mehr als unwahrscheinlich, insbesondere bei einer solch inaktiven Küstenwache. Besorgte wollen das natürlich anders sehen.

24.10.2018 11:02 noch 48 Tage 47

@Jimmy 45
"Was ist eigentlich der Unterschied dieser "Global Compact for Migration" und einer europäischen "Umvolkung"?"

zu einer Umvolkung kann ich nichts sagen, vielleicht sind das Theorien, vielleicht auch nicht, wer von uns kann das schon wirklich wissen.

Aber der "Global Compact for Migration" ist ein offizieller Pakt mit der UN auf die sich die Bundesregierung in Zukunft beziehen kann.

Allerdings ist das nicht verpflichtend und spätere Regierungen können das aussetzen.

Was ich nicht verstehe, das wussten sie doch, warum Fragen sie dann?

24.10.2018 09:20 noch 48 Tage (UNO-Migrationspakt) 46

@Klaus 36
"4. Was für einen Sinn macht es Menschen aus der Seenot zu retten, wenn man die in Länder bringt, wo führ Flüchtlinge Lebensgefahr besteht, insbesondere für Kinder und Frauen?"

damit das sterben im Mittelmeer endlich ein Ende hat!!!

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