Nach den Explosionen Maas: Zehn Millionen Euro für den Libanon

Die Explosionen am Hafen von Beirut sind eine Zäsur für den gesamten Libanon. Die libanesische Informationsministerin erklärte inzwischen ihren Rücktritt. Auch Neuwahlen stehen bereits im Raum. Eine internationale Geberkonferenz berät am Sonntag über Hilfen für das wirtschaftlich angeschlagene Land. Bundesaußenminister Heiko Maas kündigte bereits an, das deutsche Hilfspaket aufzustocken.

Menschen in der teilzerstörten Stadt Beirut
Im ohnehin wirtschaftlich angeschlagenen Beirut wächst nach den Explosionen der Druck auf die Regierung. Diese kündigte inzwischen Neuwahlen an. Bildrechte: dpa

Die Bundesregierung stockt ihre Soforthilfe für den Libanon nach den verheerenden Explosionen in der Hauptstadt Beirut deutlich auf. Das kündigte Außenminister Heiko Maas vor einer internationalen Geberkonferenz für das Land an. Deutschland werde weitere zehn Millionen Euro bereitstellen, sagte er. Bereits unmittelbar nach den Explosionen hatte die Bundesregierung eine Million Euro für Hilfsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

Ein Hubschrauber fliegt einen Löscheinsatz nach einer massiven Expolsion im Hafen von Beirut
Die Explosionen am Dienstag lösten schwere Verwüstungen im Hafen von Beirut und weiten Teilen der Stadt aus. Bildrechte: dpa

Am Sonntagnachmittag berät zudem die internationale Gemeinschaft in einer Videokonferenz über Soforthilfen für den Libanon. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betonte vorab, es gehe darum, der schwer getroffenen Bevölkerung direkt zu helfen. Es dürfe zu keinen Unterschlagungen kommen. Nötig seien medizinische Hilfe, Nahrungsmittel und der rasche Wiederaufbau von Schulen und Krankenhäusern.

Transparente Aufklärung gefordert

Maas sagte der "Bild am Sonntag", die Menschen in Beirut bräuchten Hilfe und Anlass zur Hoffnung. Zugleich mahnte er Reformen im Libanon an. Außerdem müsse sich die Regierung ihrer Verantwortung stellen, transparent agieren und die Ursachen für die Explosionen aufklären.

Einzelinteressen und alte Konfliktlinien müssen überwunden und das Wohl der gesamten Bevölkerung vorangestellt werden.

Heiko Maas Bundesaußenminister

Ähnliche Forderungen waren seit der Katastrophe am Dienstag immer wieder geäußert worden. Im ohnehin wirtschaftlich angeschlagenen Libanon hatten sich Proteste gegen die Regierung verschärft.

Libanons Informationsministerin zurückgetreten

Als erstes Kabinettsmitglied seit dem Unglück reichte die libanesische Informationsministerin Manal Abdel Samad am Sonntag ihren Rücktritt ein. In einer im Fernsehen übertragenen Erklärung entschuldigte sie sich "bei allen Libanesen, die ihre Ziele nicht erreichen konnten". Ihren Rücktritt begründete sie auch mit den verheerenden Explosionen. Ein möglicher Wandel für den Libanon sei "außer Reichweite".

Bereits am Samstag hatte Ministerpräsident Hassan Diab nach massiven Protesten in der Hauptstadt Neuwahlen in Aussicht gestellt. Ein entsprechendes Gesetz wolle er dem Kabinett am Montag vorlegen. Einen möglichen Termin nannte er nicht. Viele Menschen im Libanon machen die Führung des Landes für die Katastrophe verantwortlich. Für Wut sorgt insbesondere der Umstand, dass offenbar über Jahre große Mengen von hochexplosivem Ammoniumnitrat ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen lagerten.

Das Deutsche Rote Kreuz flog unterdessen 43 Tonnen Hilfsgüter nach Beirut. Nach Angaben des DRK umfasst die Lieferung unter anderem Verbandsmaterialien, Decken und Werkzeuge für den Bau von Notunterkünften.

Frankreich richtet Luft- und Seebrücke in den Libanon ein

Durch die Explosionen im Hafen von Beirut starben nach aktuellen Zählungen 158 Menschen, rund 6.000 weitere Menschen wurden verletzt. Laut Maas haben zudem 300.000 Menschen durch die Zerstörungen ihr Zuhause verloren. Auch wurden zuletzt Sorgen laut, dass es im Libanon zu Engpässen mit Lebensmitteln kommen könne. Bei den Explosionen waren unter anderem Getreidesilos vernichtet worden.

Frankreich hat indes eine Luft- und Seebrücke in den Libanon eingerichtet. Nach Angaben des französischen Außenministeriums sollen insgesamt mehr als 18 Tonnen Medikamente und fast 700 Tonnen Lebensmittel nach Beirut gebracht werden. Erste französische Hilfsflüge waren bereits am Mittwoch, einen Tag nach der Katastrophe, in den Libanon gestartet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. August 2020 | 08:00 Uhr