Gedenken an die Opfer Eine halbe Million Corona-Tote in den USA

In den USA hat die Zahl der Corona-Toten die Schwelle von einer halben Million überschritten. Damit verzeichnet das Land mit Abstand die meisten bestätigten Corona-Todesfälle weltweit. Präsident Joe Biden hat den Kampf gegen das Coronavirus zu seiner dringlichsten Aufgabe erklärt. Am Montagabend hielt er eine Schweigeminute für die Toten ab.

Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens bringen einen neu gelieferten Sarg in ein Geschäft in Queens.
Die Corona-Pandemie hat den USA unvorstellbares Leid gebracht. Mehr als eine halbe Million Amerikaner sind an den Folgen der Viruserkrankung gestorben. Bildrechte: dpa

"Heute markieren wir einen wahrlich düsteren und herzzerreißenden Meilenstein", sagte US-Präsident Joe Biden am Montagabend (Ortszeit) in Washington unmittelbar vor einer Gedenkveranstaltung für die Corona-Toten. Nach Daten der Johns Hopkins Universität in Baltimore hat das Land die Schwelle von mehr als einer halben Million Toten überschritten. "Das sind mehr Amerikaner, die in einem Jahr der Pandemie gestorben sind, als im Ersten Weltkrieg, dem Zweiten Weltkrieg und dem Vietnamkrieg zusammengenommen", sagte Biden.

Biden mahnt Amerikaner, nicht abzustumpfen

Der Präsident ermahnte die Amerikaner, angesichts der "unvorstellbaren" Opferzahl nicht abzustumpfen: "Wir müssen uns dagegen wehren, taub gegen das Leid zu werden. Wir müssen uns dagegen wehren, jedes Leben als eine Statistik zu sehen."

Die Künstlerin Suzanne Brennan Firstenberg geht durch ihre Kunstinstallation aus weißen Fänchen, die im Gedenken an die an COVID-19 verstorbenen US-Amerikaner in den Boden gesteckt wurden.
In Erinnerung an die Corona-Toten wurde in Washington eine Kunstinstallation aus weißen Fähnchen kreiert. Bildrechte: dpa

Weiter sagte Biden: "Wir müssen das tun, um die Toten zu ehren. Genauso wichtig ist es, sich um die Lebenden zu sorgen, jene, die zurückgelassen wurden". Jeder Corona-Tote habe Familie, Freunde und ein Leben gehabt, das zu früh beendet worden sei.

Um der Toten zu gedenken, ordnete Biden an, im ganzen Land die Flaggen auf halbmast zu setzen. Das gilt für fünf Tage an öffentlichen Gebäuden, Militärstützpunkten und den diplomatischen Vertretungen der US-Regierung im Ausland. Im Repräsentantenhaus erhoben sich die Abgeordneten zu einer Schweigeminute.

Extremer Anstieg in den Wintermonaten

Die Wintermonate der Pandemie waren in den USA verheerend. Allein seit Anfang Januar starben mehr als 150.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus.

Der amerikanische Militärarzt Isaiah Horton bekommt als einer der Ersten das Pfizer COVID-19 Vaccinations geimpft.
Der amerikanische Militärarzt Isaiah Horton bekam als einer der Ersten in den USA eine Impfung von Pfizer/Biontech. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern gibt es inzwischen 28,2 Millionen bestätigte Infektionen.

Zuletzt gab es jedoch Hoffnung auf eine baldige Besserung der Lage. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen fiel von mehr als 200.000 Anfang Januar auf inzwischen weniger als 70.000.

Und auch die Impfkampagne schreitet voran: Bislang erhielten 44 Millionen Menschen in den USA die erste Impfung, etwa 19,4 Millionen Menschen schon beide Impfdosen.

Große Hoffnungen liegen auf Impfkampagne

Biden macht bei der Impfkampagne seit seinem Amtsantritt vor gut einem Monat Druck. Die USA bekommen von den Herstellern Moderna und Biontech/Pfizer bis Ende Juli rund 600 Millionen Dosen Impfstoff, was für alle Erwachsenen im Land ausreichend wäre. Damit könnte manchen Experten zufolge – wenn alles gut geht und sich zudem nur ein geringer Anteil der Amerikaner der Impfung verweigert – im Herbst das Gröbste der Pandemie vorbei sein. Viele Fachleute warnen allerdings auch davor, dass es wegen der Ausbreitung neuer Varianten bald wieder zu einem Anstieg der Neuinfektionen kommen könnte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Februar 2021 | 01:00 Uhr