G20-Gipfel Merkel wirbt bei G20 für Impfstoff-Initiative und WHO

Ursprünglich wollten sich die Vertreter der 20 größten Industriestaaten in Saudi-Arabien treffen. Coronabedingt findet das Treffen via Videokonferenz statt. Die Pandemie ist auch das Hauptthema. Ein Teilnehmer ging vorzeitig.

Angela Merkel nimmt im Rahmen des virtuellen G20-Gipfel an einer Videokonferenz teil.
Bildrechte: Guido Bergmann/Bundesregierung/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat beim G20-Gipfel für ein gemeinsames Handeln und eine Stärkung der Weltgesundheitsorganisation im Kampf gegen die Corona-Pandemie geworben. Eine globale Herausforderung wie die Corona-Pandemie könne nur mit einer globalen Kraftanstrengung überwunden werden, sagte Merkel, die im Kanzleramt in Berlin gemeinsam mit Finanzminister Olaf Scholz zu den Beratungen geschaltet war.

Merkel: Bisher zugesagte Mittel reichen nicht

Angela Merkel und Olaf Scholz nehmen beim virtuellen G20-Gipfel an einer Videokonferenz teil, während auf den Bildschirmen Königs Salman zu sehen ist.
Merkel und Scholz nehmen per Videokonferenz am G20-Gipfel teil Bildrechte: Guido Bergmann/Bundesregierung/dpa

Ausdrücklich forderte Merkel eine Unterstützung der internationalen Impfstoff-Initiative Covax. Merkel erklärte, um die Corona-Pandemie einzudämmen, müsse der Zugang zur Impfung für jedes Land möglich und bezahlbar sein: "Dazu reichen die bisher zugesagten Mittel noch nicht aus." Merkel zufolge sind bislang umgerechnet 4,2 Milliarden Euro für Covax zusammengekommen. Deutschland beteilige sich mit über einer halben Milliarde Euro. Ziel der Initiative sei es, bis Ende kommenden Jahres zwei Milliarden Impfdosen zu verteilen. Dafür würden elf Milliarden US-Dollar (9,2 Milliarden Euro) benötigt.

Macron: Nicht nur Reiche sollen Impfstoff bekommen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte, es müsse vermieden werden, "dass nur Reiche Zugang haben". Über die Verteilung dürfe nicht die Kaufkraft der Länder entscheiden. Es gibt Warnungen, dass ärmere Länder nicht genug Impfstoffe bekommen könnten.

Russland und China bieten Zusammenarbeit bei Impfstoffen an

Präsident Putin sitz an einem Tisch während einer Videokonferenz.
Russlands Präsident Putin (Archivbild) Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Russlands Präsident Wladimir Putin bot der internationalen Gemeinschaft einen breiten Zugang zu dem in Russland entwickelten Impfstoff "Sputnik-V" an. Sein Land unterstütze die Entscheidung des G20-Gipfels, die Impfstoffe für die gesamte Bevölkerung des Planeten zugänglich zu machen.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sagte, sein Land wolle die Kooperation mit anderen Ländern bei der Forschung, Entwicklung, Produktion und Verteilung von Impfstoffen verstärken. China wolle Entwicklungsländer unterstützen, indem Impfstoffe als "öffentliches Gut" zugänglich und erschwinglich werden.

Salman: Wir haben die Pflicht zur Zusammenarbeit

Der saudi-arabische König Salman hatte als Gastgeber gemahnt: "Wir haben eine Pflicht, uns der Herausforderung bei diesem Gipfel gemeinsam zu stellen und eine starke Botschaft der Hoffnung zu geben." Eigentlich sollte der Gipfel ein Großereignis mit Tausenden Gästen in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad werden. Es wäre das erste Spitzentreffen der G20 in der arabischen Welt gewesen. Wegen Corona konferieren die Staats- und Regierungschefs per Video. Thema am Sonntag soll der Klimawandel sein.

Trump geht Golf spielen

US-Präsident Trump verließ den Gipfel vorzeitig. Nach weniger als zwei Stunden in der Videoschalte der Staats- und Regierungschefs fuhr er vom Weißen Haus zu seinem Golfclub im benachbarten Bundesstaat Virginia, wie Journalisten berichteten. In der ersten Stunde des Gipfels hatte sich Trump vor allem damit beschäftigt, Twitter-Einträge zum angeblichen Wahlbetrug in den USA und zum Gesundheitszustand seines Sohnes Donald Trump Junior zu posten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 21. November 2020 | 19:30 Uhr