Angela Merkel und Wladimir Putin
Angela Merkel und Wladimir Putin beim G20-Treffen in Hamburg, 2017. Bildrechte: imago/Sven Simon

Antrittsbesuch Merkel trifft Putin in Sotschi

Nach der Regierungsbildung in Berlin ist die Phase der Antrittsbesuche noch nicht vorbei: Am Freitag reist Kanzlerin Merkel ins russische Sotschi, wo sie Präsident Putin trifft. Beide sind zwar neu gewählt, kennen sich als Regierungschefs aber schon seit mehr als zehn Jahren. Die Beziehungen sind derzeit kompliziert, es könnte aber eine Entspannung geben.

Angela Merkel und Wladimir Putin
Angela Merkel und Wladimir Putin beim G20-Treffen in Hamburg, 2017. Bildrechte: imago/Sven Simon

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin treffen sich am Freitag in Putins Sommerresidenz in Sotschi. Das anderthalbstündige Gespräch zwischen den Regierungschefs dürfte nicht ganz konfliktfrei sein, denn das deutsch-russische Verhältnis gilt seit mehreren Jahren als kompliziert.

Doch nicht nur die Bundesrepublik, auch die restlichen EU-Staaten sowie die Nato und die USA haben ihre Probleme mit Moskau. Schuld ist eine komplizierte Gemengelage, in der von der Krim-Annexion und den seitdem anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine bis zum Syrienkrieg jede Menge gegensätzliche Interessen aufeinanderstoßen.

Einen Tag vor dem Treffen mit Merkel empfing Putin in Sotschi Syriens Staatschef Baschar al-Assad. Dabei nannte Putin die jüngsten Rückeroberungen von Rebellengebieten durch Assads Armee Erfolge im Kampf gegen den Terrorismus. Es seien wichtige Schritte gemacht worden, um die gesetzmäßige Staatsmacht wiederherzustellen.

EU streitet offen mit USA

Trotzdem könnte sich die Lage zwischen Russland und Deutschland nach der langwierigen Regierungsfindung in Berlin und der Wiederwahl Putins jetzt entspannen, wobei ausgerechnet ein Konflikt an anderer Stelle Russland in die Karten spielt: Die Beziehungen zwischen der EU und den USA haben sich zuletzt merklich abgekühlt.

US-Präsident Donald Trumps "America First"-Kurs mit den drohenden Sonderzöllen auf Stahl und Aluminium, aber auch der Alleingang bei der Kündigung des Atomdeals mit dem Iran zeigen den Spitzen der EU, dass die USA nicht mehr als der verlässliche Partner an der Seite der Union steht, wie man es seit vielen Jahren gewohnt war.

Eiszeit mit USA öffnet Tür für Putin

Nicht nur EU-Ratspräsident Donald Tusk kritisierte den Kurs der USA scharf, auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Kanzlerin Merkel distanzierten sich zuletzt von Washington. Die Eiszeit im Westen öffnet die Tür für den Osten: Putin könnte sich nun als neuer, alter Partner der EU in Stellung bringen.

Der neue Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Dirk Wiese, hat sich vor diesem Hintergrund bereits für einen intensiven Dialog mit Moskau ausgesprochen. "Wir müssen Inseln der Kooperation finden", sagte der SPD-Politiker einen Tag vor der Russlandreise von Merkel. Als Beispiel nannte er das von beiden Seiten gewünschte Festhalten am Atomabkommen mit dem Iran.

Sanktionen, Ukraine und Nord Stream sind Thema

Zugleich warnte der SPD-Politiker vor einem unkritischen Umgang mit Putin. "Man muss die Probleme im Verhältnis zu Moskau offen benennen. Die im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen haben nach wie vor ihre Wichtigkeit und Gültigkeit", sagte er. Bei der Umsetzung des Minsker Friedensabkommens sei man etwa nicht mal beim ersten Punkt, einem Waffenstillstand, ernsthaft vorangekommen.

Auch die umstrittene Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 wird Thema der Gespräche in Sotschi sein, auch wenn das Projekt laut Wiese in erster Linie ein "unternehmerisches" ist. "Aber es ist klar, dass die Debatte nicht in einem politikfreien Raum stattfindet."

Die Interessen der Ukraine als Gas-Transitland müsse man ebenso in den Blick nehmen wie die Drei-Meere-Initiative. Dabei wollen mehrere osteuropäische Staaten mehr Terminals für Flüssiggas (LNG) bauen und Pipelines für eine Verbindung zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer schaffen. Dies soll die Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 18. Mai 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2018, 08:24 Uhr

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14 Kommentare

18.05.2018 19:31 Wieland der Schmied 14

Putin ist ein Charmeur der Extraklasse. Zur Begrüßung überreicht er der Kanzlerin ein wunderschönes Buket weißer Rosen.
Es heißt, weiße Rosen gelten als Symbol für Unschuld, Reinheit, Treue oder Entsagung. Sie eignen sich daher als Geschenk zur Geburt als Gruß an das neue Leben, aber auch zum Ausdruck von Bewunderung und unstillbarer Sehnsucht.
Putin zeigt damit, daß er Klasse hat und im Vergleich dazu Trump ein Raubein ist.

18.05.2018 16:25 Atze 13

Putin ist hier der " Gewinner" und der schlaue Fuchs. Er braucht sich nicht verbieten und wie Merkel um die Amis besorgt zu sein.
MfG

18.05.2018 15:26 Fragender Rentner 12

Und Hr. Trump hat auch schon wieder auf Deutschland geschimpft.

18.05.2018 13:52 Wieland der Schmied 11

Der Besuch in Sotschi entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, nachdem offenbar Assad den Palast über den rechten Flügel verlassen hat, währenddessen Merkel am linken einläuft. Putin soll solche Arrangements lieben.
Inzwischen hat Trump gleich mal eine Sonderbeautragte in Sachen Gasleitung losgeschickt. Vorher hat er aber alles über den grünen Klee gelobt, was ihm selber nützt. Merkel muss nun endlich erkennen, daß die Frotzeleien bei Besuchen bei ihm nichts sind, aber eine standhafte Haltung eigener Überzeugungen dagegen alles. Vor allem die Mehrung der Vorteile für Deutschland anstelle weiterer Opfer für alles und jeden, weshalb man sie gar nicht mehr gerne reisen sieht.

18.05.2018 13:31 Werner 10

Gut, das war nicht nett - nur rein praktisch betrachtet - hatte der weißrussische Präsident vor laufender Kamera Putin den Stuhl weggezogen, dass er nach Hinten und so.... Das war auch nicht nett.... Dabei war der Kommentar sogar noch mit Weichspüler gewaschen. Ne ganze Palette reingeschüttet. Für "nicht nett" sind hier im Forum eigentlich "ganz andere Experten" zuständig. Schöne Pfingsten.

18.05.2018 13:12 emil 9

@ 1 harzer
die merkel kannste vergessen. die redet heute dies und morgen das, eben wie es in kram passt.. ..

18.05.2018 12:41 Wachtmeister Dimpfelmoser 8

@ 10:30 | Markus: Tja, was für uns von Interesse ist und was nicht schert die Hochfinanz einen feuchten Kehricht. Solange ein paar Oligarchen hinter dem großen Teich große Summen in ukrainische Staatsanleihen investiert haben (und das haben etliche, ganz offiziell mit Namen und Adressen), die nur dann eine straffe Wertsteigerung bekommen, wenn die Ukraine (und hier konkret als neues EU-Mitglied) ein milliardenschweres Förderprogramm bewilligt bekommt (und hier wieder konkret zuvorderst finanziert von Raten-Sie-mal-von-wem) - ja solange werden die Russland-Sanktionen bestehen bleiben und solange haben Sie und ich alles zu akzeptieren, was mit Öl, Gas und der Ukraine zu tun hat. Ob wir das verstehen interessiert keinen. Im Gegenteil. Noch wichtiger ist nur, dass wir diesbezüglich die Füße stillhalten.

18.05.2018 12:03 Mustermann 7

So schlimm können die Beziehungen garnicht sein bzw Russlands "Verbrechen" nicht sein. Schließlich fährt D und zig andere EU Staaten zur Fußball WM.

18.05.2018 12:01 Leon 6

Dann kann sie gleich eine Kaffefahrt machen und sich eune Rheumadecke kaufen. Putin nimmt Merkel doch überhaupt nicht mehr wahr. Und wenn er ihre Hand geschüttelt hat, weil es die Höflichkeitetikette so vorschreibt, dann fragt er erst einmal seine Leute, wer das denn gwesen ist. Merkel hat die deutsch- russische Freundschaft unwiederbringlich vor die Wand gefahren. Und das ist schade!

18.05.2018 10:30 Markus 5

Als ein Deutscher verstehe ich schlecht, warum ich wegen Ukraine teurere und unsicherere Gaslieferungen akzeptieren sollte? Was ist für mich Ukraine? Gibt es Ukraine oder nicht, ist mir egal, ich möchte, dass mein Haus warm bleibt und ich möchte dafür möglichst wenig zahlen. Eine Ostsee-Gasleitung ist in meinen Interessen. USA machen was sie wollen, und wir müssen machen, wie es für uns besser wird.

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