US-Panzer und Soldaten forcieren bei Manöver den Namhan-Fluss in Yeoncheon Südkorea
Manöver von US-amerikanischen und südkoreanischen Soldaten (Archivbild). Bildrechte: imago/Xinhua

Staaten rüsten auf Militärausgaben steigen auf Niveau des Kalten Krieges

Die Staaten der Welt haben 2018 so viel Geld für Rüstung ausgegeben wie seit 1988 nicht mehr. Vor allem die USA und China erhöhten die Ausgaben. Auch Deutschland investierte mehr, blieb aber unterhalb der Nato-Vorgabe.

US-Panzer und Soldaten forcieren bei Manöver den Namhan-Fluss in Yeoncheon Südkorea
Manöver von US-amerikanischen und südkoreanischen Soldaten (Archivbild). Bildrechte: imago/Xinhua

2018 haben die Länder der Erde erneut mehr Geld ins Militär gesteckt als im Jahr zuvor. Die weltweiten Militärausgaben stiegen um 2,6 Prozent auf schätzungsweise rund 1,82 Billionen Dollar (1,64 Billionen Euro) und damit zum zweiten Mal in Folge, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in einem am Montag veröffentlichten Bericht mitteilte.

Die Militärausgaben sind damit so hoch wie seit 1988 nicht mehr, als noch der Kalte Krieg die Weltpolitik beherrschte. Damals hatte Sipri erstmals einheitliche globale Vergleichsdaten zur Verfügung.

Deutschland überholt Japan

Besonders die USA und China investierten demnach deutlich mehr ins Militär. Russland ist hingegen nicht mehr unter den fünf Staaten mit den höchsten Ausgaben. Deutschland gab 1,8 Prozent mehr aus beziehungsweise 44,4 Milliarden Euro (49,5 Mrd. US-Dollar), überholte damit Japan und liegt weltweit nun an achter Stelle in puncto Rüstungsausgaben.

Unangefochtener Spitzenreiter bleiben die aber USA. Unter der Führung von Präsident Donald Trump gaben die Vereinigten Staaten 2018 knapp 583 Milliarden Euro (649 Mrd. US-Dollar) für das Militär aus. Das entspricht mehr als einem Drittel der weltweiten Rüstungsausgaben und ist fast so viel wie alle Investitionen der acht darauffolgenden Länder zusammengerechnet. Die chinesischen Militärausgaben stiegen derweil um 5,0 Prozent und damit zum 24. Mal in Folge.

Die 15 Staaten mit den höchsten Rüstungsausgaben

Anstieg in Asien, Rückgang in Afrika

Seit 1998 kontinuierlich gestiegen sind die Militärausgaben Asiens und Ozeaniens, wie Sipri bekanntgab. Mittlerweile machen sie 28 Prozent der weltweiten Investitionen ins Militär aus - nach nur 9 Prozent vor 30 Jahren. Als Grund für den Anstieg sieht Sipri nicht nur die Spannungen zwischen asiatischen Staaten, sondern auch den Konflikt zwischen China und den USA. In Afrika sanken die Ausgaben fürs Militär 2018 dagegen deutlich, im Nahen Osten zumindest leicht.

Osteuropa

Die Angst der Polen vor Russland 2 min
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Viele Polen fühlen sich angesichts ihres mächtigen Nachbarn Russland ohnmächtig. Von einer dauerhaften NATO-Truppen-Präsenz erhoffen sie sich mehr Sicherheit.

Fr 08.07.2016 14:18Uhr 02:20 min

https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/politik/polen-russland-angst-100.html

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Auch wenn die russischen Militärausgaben unter anderem aufgrund der Wirtschaftsprobleme zurückgingen, werde Russland in der Region weiter stark als Bedrohung wahrgenommen, sagte ein Sigri-Experte. Das Resultat: deutlich höhere Verteidigungsausgaben in Polen, der Ukraine, Bulgarien, Lettland, Litauen und Rumänien.

Exportstopp nach Saudi-Arabien zeigt Wirkung

In absoluten Zahlen am stärksten sanken die Militärausgaben in Saudi-Arabien, das 2018 rund 4,6 Milliarden US-Dollar weniger in sein Militär steckte als 2017. Die Bundesregierung hatte im November 2018 als Reaktion auf die Tötung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi alle Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien gestoppt. Berlin geht es dabei unter anderem darum, dass keine deutschen Waffen im Jemen-Krieg verwendet werden. Dort kämpft eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition gegen die schiitischen Huthi-Rebellen.

Verteidigungsministerin von der Leyen vor Kampfpanzern Leopard 2 und Schützenpanzerwagen Puma in Munster
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor Kampfpanzern Leopard 2 und Schützenpanzerwagen Puma in Munster. Bildrechte: dpa

2,1 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung

Die US-Militärausgaben betrugen Sipri zufolge 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), die Deutschlands nur 1,2 Prozent. Das Nato-Ziel zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent verfehlt Deutschland damit weiter deutlich - ebenso wie mehrere andere Nato-Staaten. US-Präsident Trump hatte Deutschland und andere Länder mehrmals aufgefordert, ihre Militärausgaben zu erhöhen. Im Durchschnitt werden 2,1 Prozent des globalen BIP in Rüstungsgüter investiert. Das entspricht - so die Forscher - 215 Euro pro Person.

Anteil der Rüstungsausgaben gemessen am BIP 2018

Sipri wertete Daten von 155 Ländern aus. Das Institut stützt sich in dem jährlichen Bericht nicht nur auf offizielle Regierungsangaben zum Verteidigungsbudget, sondern berücksichtigt auch weitere Quellen wie Statistiken von Zentralbanken und der Nato sowie Regierungsantworten auf Umfragen etwa der Vereinten Nationen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. April 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 09:26 Uhr

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24 Kommentare

30.04.2019 10:07 colditzer 24

9.04.2019 22:16 Max W. - Ich fasse es nicht!
....
Max W., Sie können fabulieren was Sie wollen.
Die Zahlen sprechen für sich.
Und Ihre Argumente von der friedliebenden NATO
erläutern Sie mal den Hinterbliebenen der Toten im Irak, Libyen, Afghanistan und wo sonst noch Bomben und Raketen von NATO-Mitgliedern niedergingen.

29.04.2019 22:16 Max W. - Ich fasse es nicht! 23

@29.04.2019 20:56 colditzer (Russland gegenüber steht eine Organisation mit Namen NATO.
Diese ist Russland in der Anzahl der Soldaten, Waffentechnik als auch Atomwaffen weit überlegen.)

In wenigen Minuten werden sie uns noch im Stile eines Politoffiziers erzählen wollen, die NATO habe die Aggression gegen die Ukraine, den Syrienkonflikt und die massiven und latenten Angriffe auf das globale Netz zu verantworten. Die NATO hat, ganz im Gegenteil zu ihren Unterstellungen, seit den Balkankriegen der Serben Anfang der 90er entschieden zu wenig unternommen und in Form ihrer EU-Mitglieder das Aussenbild eines schachernden Kleinkrämers abgegeben, der nur an seien Profiten interessiert ist und an sonst nichts. Das Ergebnis kann man zählen - in der Einheit "Tote".

Es ist ein Unterschied, ob man pathetisch von Frieden dauerschwätzt oder ob man ihn ggf. auch durchzusetzen bereit ist. Der entscheidende Unterschied sogar.

29.04.2019 22:08 Max W. - Ich fasse es nicht! 22

@29.04.2019 16:51 colditzer (Klingt, als bedauere der Artikelschreiber dies.)

Das klänge dann zu recht so - nur ihresgleichen glaubt (wohlgemerkt: glaubt), dass eine schwache und de facto dysfunktionale Bundeswehr den "Frieden sichern" könnte. Alle anderen wissen: Si vis pacem para bellum. Russland etwa testet seit Jahren unaufhörlich die politische Stärke und Entschlossenheit der EU aus, versucht, die NATO-Mitglieder gegeneinander auszuspielen und unterstützt "Bürgerkriege". Daran ändert auch kindisches SED-Geschwätz nichts.

Die "Politiker", die zwar MilliARDEN für die sog. "Flüchtlingspolitik" aus dem Fenster werfen, die BW aber zu Sand herunterwirtschaften, gehörten eigentlich vor Gericht: Wegen erwiesener Studipidität, massiven Bildungsmangels, kindischen Köhlerglaubens an den "Markt" und totaler Verantwortungslosigkeit.

29.04.2019 21:43 Paule 21

Wer lesen und rechnen und dann logisch denken kann ist klar im Vorteil. Seltsamerweise scheinen Oberlehrer nicht zu dieser Kategorie gehören.

29.04.2019 20:56 colditzer 20

29.04.2019 19:04 pkeszler 17

@Colditzer: "Ach, ja. Russland ist der Feind."
....
Doch.Leider ist es so.

Und diese Zahlenspiele kann man weglassen.
Russland gegenüber steht eine Organisation mit Namen NATO.
Diese ist Russland in der Anzahl der Soldaten, Waffentechnik als auch Atomwaffen weit überlegen.
Putin als Oberst kann im Gegensatz zu Herrn Stoltenberg 1+1 zusammenzählen.
Glaubt irgendwer wirklich, Russland legt sich mit der NATO an?

29.04.2019 19:47 Appel 1.FCM 19

Wir ha'm doch nicht die Mauer eingerissen
Damit die jetzt schon wieder neue bauen
Komm lass uns jetzt die Friedensflaggen hissen
Wir werden dem Krieg nicht länger tatenlos zuschauen
Komm wir ziehen in den Frieden
Wir sind mehr als du glaubst
Wir sind schlafende Riesen
Aber jetzt stehen wir auf
Lass sie ruhig sagen, dass wir Träumer sind
Am Ende werden wir gewinnen
Wir lassen diese Welt nicht untergehen
Komm wir ziehen in den Frieden
Wir sind doch alle Blutschwestern und Brüder
Wir sind 'ne große Menschenfamily
Wir brauchen keine machtgeilen Idioten
Mit ihrem Schmiergeld von der Waffenindustrie

Text: Udo Lindenberg

29.04.2019 19:27 Walter 18

@8 Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass uns die Bewohner der bewaffneten Jugendherberge verteidigen können. Am Wochenende kommt der private Wachdienst.

Gestern habe ich auf dem Mdr ein schockierenden Bericht über hunderte Ziele für den atomaren erstschlag in der ehemaligen DDR gesehen. Da wäre bereits in den 50iger Jahren nichts mehr übrig geblieben. Drei mal raten durch wen.

Das die anderen nachziehen ist vollkommen klar.

Da konnte man sehen, dass konventionellen Armeen nur für Bürgerkriege angewendet werden.

Wenn USA und Russland gegeneinander Krieg führen, ist für Europa sowieso alles vorbei.

29.04.2019 19:04 pkeszler 17

@Colditzer: "Ach, ja. Russland ist der Feind."
In Deutschland hat das noch niemand gesagt! Aber Russland ist ein Außenstehender, der liebend gern in der EU sein würde. Aber Putin hat das immer indirekt abgelehnt. Er will doch lieber das Gegenteil, ein ostasiatisches Imperium, das wieder der EX-SU nahe ist.

29.04.2019 18:45 pkeszler 16

@Gerd Müller: "Wer CDU, CSU, SPD und Grüne wählt, der wählt Aufrüstung, sowie einen Feind, den die USA und die NATO gezüchtet hat....Wer Kinder und Enkel hat sollte solche Parteien nicht wählen."
Und Sie haben vergessen, dass er keinesfalls die AfD wählen soll, in der der sich viele rechts-konservative Leute, also Rechte, versammelt haben. Das ist bei den Europawahlen ganz besonders wichtig.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
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Ihre MDR.de-Redaktion]

29.04.2019 18:19 pkeszler 15

Hier scheiden sich die Geister. Die Russlandverteidiger glauben immer noch, dass die Sicherung der EU durch die NATO eine Gefahr für Russland ist. Dabei hat doch Russland die größten Ausgaben für das Militär zu verzeichnen und liegt im BIP noch vor den USA. Das liegt sicher an der großen wirtschaftlichen Schwäche von Russland und an der Stärke Deutschlands und den USA.
Militärausgaben gemessen am BIP 2018:
Russland 3,9
USA 3,2
Frankreich 2,3
Deutschland 1,2