Das Flüchtlings-Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation "Lifeline" liegt im Hafen von Valletta festgemacht an der Pier.
Das Flüchtlings-Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation "Lifeline" liegt im Hafen von Valletta festgemacht an der Pier. Bildrechte: dpa

Malta Kapitän der "Lifeline" verhört

Die maltesische Regierung hat den Flüchtlingsrettern von Mission Lifeline erlaubt, im Hafen von Valletta festzumachen. Damit ist die Odyssee für mehr als 230 Migranten beendet. Anders als angekündigt wurde das Schiff nicht beschlagnahmt. Doch der Kapitän wurde von der Polizei verhört.

Das Flüchtlings-Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation "Lifeline" liegt im Hafen von Valletta festgemacht an der Pier.
Das Flüchtlings-Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation "Lifeline" liegt im Hafen von Valletta festgemacht an der Pier. Bildrechte: dpa

Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs "Lifeline" ist in Malta von der Polizei befragt worden. Nach Regierungsangaben wurde er danach wieder an Bord gebracht. Die anderen Crewmitglieder hingegen durften das Schiff verlassen und sich frei bewegen. Maltas Premierminister Joseph Muscat zufolge wird die "Lifeline" beschlagnahmt.  

Das Flüchtlingsrettungsschiff der Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline" war am Mittwoch mit 234 Migranten im Hafen von Valletta eingelaufen und hatte dort festgemacht. Sechs Menschen, darunter drei Babys, kamen in ein Krankenhaus auf der Mittelmeerinsel. Die zumeist afrikanischen Flüchtlinge sollen nun auf mehrere EU-Länder aufgeteilt werden.

Kapitän wird für Odyssee verantwortlich gemacht

Dem Kapitän der "Lifeline" wird vorgeworfen, die Anweisungen der italienischen Behörden bei der Rettung der Migranten vor Libyen ignoriert zu haben.

Rettungsschiffe Lifeline im Hafen von Valetta
Rettungsschiffe Lifeline im Hafen von Valetta Bildrechte: dpa

Dadurch habe er das Schiff und die Menschen an Bord in Schwierigkeiten gebracht. Die Regierung in Rom hatte nach eigenen Angaben die Hilfsorganisation angewiesen, dass die libysche Küstenwache die Bergung der Flüchtlinge übernehme.

Die Hilfsorganisation wies die Vorwürfe zurück. Die "Lifeline" habe sich lediglich der Anweisung widersetzt, die geretteten Flüchtlinge in Tripolis der "sogenannten libyschen Küstenwache" zu übergeben. "Mission Lifeline" verwies auf den Grundsatz der Nichtzurückweisung in der Genfer Flüchtlingskonvention.

Odyssee der "Lifeline" beendet

Malta erlaubte der "Lifeline" am Mittwoch, nach tagelanger Irrfahrt mit rund 230 Flüchtlingen an Bord, am Hafen von Valletta anzulegen. Zuvor hatte Italien dem Schiff ein Anlegen verweigert. Die "Lifeline" hatte die Flüchtlinge am Donnerstag vergangener Woche vor der libyschen Küste gerettet. Seitdem harrte das Schiff in internationalen Gewässern aus.

Nach ihrer Ankunft auf Malta sollten die Flüchtlinge zunächst medizinisch versorgt, identifiziert und dann auf mehrere EU-Länder verteilt werden. Italien, Luxemburg, die Niederlande, Portugal, Irland, Belgien und Frankreich sind bereit, "Lifeline"-Flüchtlinge aufzunehmen.

Auch in Deutschland hatte das Schicksal der "Lifeline" Diskussionen ausgelöst. Mehrere Bundesländer boten an, ebenfalls "Lifeline"-Flüchtlinge aufzunehmen. Bundesinnenminister Horst Seehofer verteidigte dagegen seinen harten Kurs in der Asylfrage. Er sehe "nach momentanem Stand keine Handlungsnotwendigkeit für Deutschland". Der Fall der "Lifeline" zeige die Notwendigkeit eines europäischen Regelwerks.

Die Hilfsorganisation "Mission Lifeline" hatte Seehofer scharf attackiert und ihm zuvor vorgeworfen, vor dem Hintergrund des Asylstreits in der Union eine "Lösung zu blockieren". Lifeline-Mitgründer Axel Steier sagte, wenn die Lage an Bord wegen des schlechten Wetters und der Erschöpfung vieler Flüchtlinge eskaliere, trage Seehofer allein die Verantwortung.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juni 2018 | 02:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2018, 12:15 Uhr

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19 Kommentare

28.06.2018 17:04 Klaus 19

@ { 28.06.2018 15:50 H.E. }
Das ist aber auch komisch, dass FRONTEX bereits mit einem kleinen Flüchtlingsboot tagelang überfordert ist.

28.06.2018 17:00 Klaus 18

@ { 28.06.2018 14:54 Harry }
Ich habe jetzt wirklich keine schlaue Antwort erwartet, aber meine Erwartungen wurden noch deutlich unterboten.
Frontex verfügte um 2009 zur Erfüllung ihrer Aufgaben über 20 Flugzeuge, 25 Hubschrauber und 100 Boote. Um über Transportmittel zu verfügen, muss man diese nicht kaufen. Und wenn man gerade kein Boot im Mittelmeer hat oder alle gerade kaputt waren, irgendeine EU-Küstenwache hätte auf Anfrage doch sicher gerne ausgeholfen. Oder waren die gerade auch außer Betrieb?
Hat noch jemand eine lustige Besorgten-Ausrede?

28.06.2018 15:50 H.E. 17

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Schlepper Hand-in-Hand mit der Lifeline kooperieren.
Es kann und darf kein Schuttle-Betrieb, wie es Seehofer zurecht gesagt hat zwischen der afrikanischen Küste und den Ländern Europas entstehen.

28.06.2018 14:54 Harry 16

Ach Klausi, wer hat Ihnen denn den Floh ins Ohr gesetzt, Frontex könnte, dürfte oder würde irgendwen wohin bringen? Frontex sind so um die tausend Leutchen, die den lieben langen Tag Informationen sammeln und auswerten. Frontex hat keinen einzigen Grenzschützer und schon gar kein Boot, was auf dem Mittelmeer herumfährt. Da haben Sie echt falsche Vorstellungen, was Frontex ist und tut.

28.06.2018 14:51 Klaus 15

Will man den Kapitän für etwas verantwortlich machen, was man selbst nicht auf die Reihe bekommen hat?
Leidet FRONTEX unter Arbeitsverweigerung?

28.06.2018 14:49 Klaus 14

@ { 28.06.2018 13:36 winfried }
Nach wie vor fehlt die Antwort auf die Frage, warum FRONTEX seine Aufgabe nicht erfüllt hat?

28.06.2018 13:36 winfried an Max W.(7) 13

Genau die gleiche Meinung habe ich.
Mein Verdacht bis jetzt ... NGOs = Glied der Schleuserkette.

28.06.2018 12:29 Klaus 12

@ { 28.06.2018 11:58 Tim }
Nein, ich meine, dass es keine Alleinherrschaft mehr geben wird.
Ich bin Unionswähler, allerdings nicht in Bayern, aber Seehofer verschreckt mit seiner Flüchtlingsolitik viele christlich denkende Menschen.
Und warum will man die Flüchtlinge in der EU verteilen und nicht nach Tripolis zurück bringen?

28.06.2018 12:24 Klaus 11

@ { 28.06.2018 11:11 Max W. }
Das spielt doch überhaupt keine Rolle.
Die Frage ist doch, was hat FRONTEX daran gehindert ihrer Aufgabe gerecht zu werden, die doch dafür zuständig sind?
Und warum will man die Flüchtlinge in der EU verteilen und nicht nach Tripolis zurück bringen?
Unschlaue Sprüche klopfen ist einfach, seinen Worten Taten folgen zu lassen, dazu braucht man Mumm, den man wohl nicht hat.

28.06.2018 12:20 Klaus 10

@ { 28.06.2018 10:53 Harry }
Wenn das so einfach wäre, warum hat das FRONTEX nicht übernommen, die dafür auch zuständig sind???
Außerdem, warum macht man das jetzt nicht?
Die kranken versorgen und dann an Lybien übergeben und die gesunden sofort. Wo ist das Problem? Warum will man die jetzt in Europa verteilen?
Ooh, sind den Besorgten jetzt die Antworten ausgegangen?

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