Weltgesundheitsorganisation Mysteriöse Lungenkrankheit: Dutzende Menschen in China erkrankt

Die Informationen, die es über den rätselhaften Krankheitsausbruch gibt, sind spärlich. Die chinesischen Behörden gaben bisher nur wenige Einzelheiten bekannt. Klar ist: Ausgangspunkt der unbekannten Lungenkrankheit ist die Elfmillionen-Einwohnerstadt Wuhan, die Hauptstadt des zentralchinesischen Landesteils Hubei.

Hong Kong: Ein Foto, das vom Informationsdienst der Hongkonger Regierung veröffentlicht wurde, zeigt Mitarbeiter des Honkonger Gesundheitswesens, die am Bahnhof West Kowloon Station, Reisende auf ihren Gesundheitszustand hin untersuchen und befragen sollen.
Was hat es mit der mysteriösen Lungenkrankheit in Zentralchina auf sich? Bildrechte: Informationsdienst der Hongkonger Regierung/AP/dpa

Auch in den vollständig von der Staats- und Parteiführung kontrollierten Medien ist nicht viel zu erfahren. Sie verbreiten alle paar Tage offensichtlich vorformulierte Meldungen zum Thema, so wie hier am Sonntagabend im Nachrichtensender CCTV:

Die Stadt Wuhan meldet 59 Patienten, die an einer bisher nicht geklärten Form einer viralen Lungenentzündung leiden. Sieben Patienten befinden sich in kritischem Zustand. Bei den anderen ist der Zustand grundsätzlich stabil. Es gibt keine Todesfälle.

Vorgelesene Nachricht des Nachrichtensenders CCTV (China)

Mögliche Virusquelle: Markthalle in Wuhan

Als wahrscheinlicher Ausgangspunkt der Infektion gilt eine Markthalle in Wuhan, wo unter anderem Fische und andere lebende Tiere verkauft wurden. Diese könnten eine mögliche Virusquelle sein. Die Markthalle wurde inzwischen geschlossen und gereinigt. Mediziner aus anderen Landesteilen Chinas sind nach Wuhan gereist, um bei der Untersuchung der Krankheit und der möglichen Ansteckungswege zu helfen.

Eine Verkäuferin steht n einer Markthalle in Peking, China, vor einem Fleischstand.
In China ist eine mysteriöse Lungenkrankheit ausgebochen. Ausgangspunkt könnte eine Markthalle sein, in der Fische und andere lebende Tier angeboten werden. Bildrechte: dpa

In den chinesischen Medien kommen bisher weder Mediziner noch Behördenmitarbeiter zu Wort – die Berichterstattung beschränkt sich auf das schlichte Vorlesen von Verlautbarungen:

"Bisherige Untersuchungen haben keine Hinweise darauf ergeben, dass eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch möglich ist. Auch medizinisches Personal hat sich nicht angesteckt."

Gerüchte, es handele sich um einen neuen Ausbruch der gefürchteten Lungenkrankheit SARS, haben die Behörden zurückgewiesen. Auch handele es sich nach jetzigem Stand weder um das so genannte MERS-Coronavirus noch um Vogelgrippe.

Chinesische Behörden wollen Deutungshoheit behalten - Mediziner kommen nicht zu Wort

Mit ihrer restriktiven Informationspolitik versuchen die chinesischen Behörden, die Deutungshoheit über das Thema zu behalten und mögliche Sorgen bei der Bevölkerung klein zu halten.

Gegen vermeintliche Falschmeldungen zum Thema geht die chinesische Führung hart vor: Bereits vergangene Woche nahm die Polizei acht Menschen fest, weil sie online Gerüchte über die rätselhafte Lungenkrankheit verbreitet haben sollen. Über diese Festnahmen wiederum berichteten Chinas Medien relativ prominent. Es liegt auf der Hand, dass die Behörden ein Exempel statuieren wollten. Jegliche Vergleiche mit der verheerenden SARS-Epidemie in den Jahren 2002 und 2003 sollen vermieden werden. Damals kamen weltweit mindestens 800 Menschen ums Leben, die meisten in China. Die Staats- und Parteiführung vertuschte das Ausmaß der Krankheit damals zunächst.

WHO beschäftigt sich mit Lungenkrankheit

Röntgenbild einer Lunge
Bildrechte: colourbox

Inzwischen befasst sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit der rätselhaften Lungenkrankheit von Wuhan. Man stehe in Kontakt mit den chinesischen Behörden, teilte die UN-Organisation schriftlich mit. Besondere Vorkehrungen für Reisende nach China empfehle man nicht, betonte die WHO.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Januar 2020 | 10:48 Uhr