Benjamin Netanjahu präsentiert bei einer Pressekonferenz Bilder, die ein geheimes Atomarchiv in Teheran zeigen sollen.
Israels Ministerpräsentiert Netanjahu präsentiert bei einer Presekonferenz Material aus einem "geheimen Atomarchiv" des Iran. Bildrechte: dpa

Streit um Atomabkommen Netanjahu unterstellt Iran "geheimes Atomarchiv"

US-Präsident Trump entscheidet bald, ob die USA am Atomabkommen mit dem Iran festhalten. Israels Regierungschef Netanjahu präsentierte nun Dokumente, die beweisen sollen, dass Teheran seine Ambitionen auf eine Atombombe nie aufgegeben hat. Von einem "geheimen Atomarchiv" ist die Rede. US-Präsident Donald Trump sieht sich durch die israelischen Vorwürfe in seiner kritischen Haltung gegen den "schrecklichen Deal" bestätigt.

Benjamin Netanjahu präsentiert bei einer Pressekonferenz Bilder, die ein geheimes Atomarchiv in Teheran zeigen sollen.
Israels Ministerpräsentiert Netanjahu präsentiert bei einer Presekonferenz Material aus einem "geheimen Atomarchiv" des Iran. Bildrechte: dpa

Israel hat dem Iran vorgeworfen, umfangreiche Forschungen zum Bau einer Atombombe für einen möglichen künftigen Gebrauch heimlich aufbewahrt zu haben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Dienstag, sein Land habe "neue und schlüssige Beweise", dass Teheran seine Ambitionen auf den Bau einer Atombombe nie ganz aufgegeben hat.

Dokumente angeblich zugespielt

In einer im israelischen Fernsehen übertragenen Ansprache illustrierte Netanjahu seine Äußerungen mit Schaubildern, die Infografiken und Luftaufnahmen aus dem Iran zeigen sollen. Die Informationen sollen nach Netanjahus Angaben aus einem "geheimen Atomarchiv" des Iran stammen. Israels Geheimdienste seien vor wenigen Wochen zehntausende Dokumente aus diesem Archiv in Papier- und CD-Form zugespielt worden, so der Regierungschef.

Material für "fünf Hiroshima-Bomben"

Laut Netanjahu belegen die Dokumente, dass der Iran entgegen den Beteuerungen seiner Führung konkret am Bau einer Atombombe und der Reichweite seiner atomwaffenfähigen Raketen gearbeitet hat. Das geheime Material, das Teheran nach der Unterzeichnung des Atomabkommens 2015 versteckt habe, könne zum Bau von "fünf Hiroshima-Bomben" dienen, behauptete er.

"Der Iran hat gelogen", bilanzierte Netanjahu. Das Atomabkommen nannte er einen "schrecklichen Deal", der nie hätte unterzeichnet werden sollen. Israels Ministerpräsident hatte das 2015 geschlossene Atomabkommen zwischen dem Iran, Deutschland und den fünf UN-Vetomächten USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich von Anfang an scharf kritisiert.

Im Vorfeld Gespräche mit Trump und Pompeo

Mike Pompeo und Benjamin Netanjahu
Erst am Sonntag hatte US-Außenminister Pompeo Israels Regierungschef einen Besuch abgestattet. Bildrechte: dpa

Netanjahus Fernsehauftritt am Montag war ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump und ein Gespräch mit US-Außenminister Mike Pompeo über die Iran-Politik vorangegangen.

Trump, der bis zum 12. Mai darüber entscheiden muss, ob die USA an dem Atomabkommen festhalten, hat wiederholt damit gedroht, sich aus dem Deal zurückzuziehen. Netanjahu würde einen solchen Schritt begrüßen.

Trump fühlt sich bestätigt

Trump erklärte nach Netanjahus Fernsehauftritt, die Präsentation des israelischen Ministerpräsidenten zeige, dass er mit seiner Meinung über den Iran zu "hundert Prozent" Recht gehabt habe. Das internationale Atomabkommen mit Teheran nannte Trump erneut einen "schrecklichen" Deal. Er sagte aber nicht, ob Amerika aus der Vereinbarung aussteigen wird. Man werde sehen, was passiere, erklärte er. Er werde vor oder am 12. Mai eine Entscheidung treffen. Er erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, ein neues Abkommen auszuhandeln.

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA überwacht das Abkommen sehr streng. Sie bescheinigt dem Iran, die Auflagen zu erfüllen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. April 2018 | 20:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018, 21:12 Uhr

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13 Kommentare

01.05.2018 19:51 nasowasaberauch 13

Wo sind die Beweise für das Atomprogramm im Iran für die nichtfriedliche Nutzung. Der Auftritt von Netanjahu mit seinen Aktenordnern und den CD Silberscheiben ist für eine Kinder-Theatervorstellung geeignet, aber nicht als Beweis für einen so schwerwiegende Verfehlung. Mir ist die Bewertung der IAEA wesentlich solider und glaubwürdiger als dieses Schmierentheater. Trump fühlt sich sofort bestätigt und unser Heiko zieht dienstbeflissen ohne Augenmaß schnell alles in Zweifel. Da war mir der Gabriel wesentlich lieber, der hatte wenigstens eine eigene Meinung. Übrigens, auf die Beweise für den Giftgasangriff in Syrien warten wir auch noch.

01.05.2018 15:36 Michael Möller 12

ob diese angeblichen Beweise echt sind kann ich so nicht beurteilen , jedoch sollte jeder der Israel und den USA zustimmt genau überlegen was Er/Sie machen. denn es fällt doch sehr auf und das hat keiner der Journalisten hinterfragt wieso es gerade jetzt die angeblichen Beweise vorgelegt wurden ( jedoch bei genauer Überprüfung sind es keine ),wenn in einigen Tagen die USA entscheiden ob Sie den Vertrag weiter einhalten wollen oder nicht.

01.05.2018 14:55 Bernd L. 11

Netanjahu macht den Powell.

01.05.2018 14:09 H.E. 10

@ 5 Blumenfreund
Israel ist nie und nimmer der ständige Unruheherd, da liegen Sie falsch.
Das sind die anderen, die es Israel auch nicht gönnen, daß sie in kürzester Zeit große wirtschaftliche und wissenschaftliche Erfolge erzielten. Israel ist in diesem Punkt den anderen umliegenden Staaten meilenweit voraus, weil sie ein sehr hohes Bildungsniveau haben.

01.05.2018 08:59 Ingo D. 9

Zumindest schreiben sie hier, das der Machthaber Israels den iranern in einer bunten Inszenierung nichts weiter als Unterstellungen vor die Füße wirft.

01.05.2018 08:58 Unbeteiligter 8

Trump will das Abkommen mit dem Iran kündigen, der neue Außenminister der USA reist nach Israel, Dr Israeli legt neue Beweise gegen den Iran vor. So kann man es auch machen, um etwas zu begründen. Für mich stinkt das zum Himmel und die Vorgehensweise hat nicht mal Hilfsschulenniveau. Es gibt Politiker, die denken, die Bürger sind alle eingeschränkt und ihnen fehlt nichts.

01.05.2018 08:43 Klarheit 7

... und nun schnell Bomben und Raketen auf Teheran und den Iran auch wie Afghanistan , Irak, Libyen , Syrien , Jemen zerbomben ...........

01.05.2018 08:31 Leonard 6

Seit dem Irakkrieg wissen wir, dass Beweise gefälscht werden. Das trifft offenbar auch auf Israel zu. Punkt.

01.05.2018 06:42 Blumenfreund 5

Es sind immer die gleichen Kräfte, die die Welt in Aufruhr versetzen. Der Irak hatte ja damals auch angeblich Atomwaffen. Israel ist der ewige Unruheherd im Nahen Osten.

01.05.2018 00:31 Edgar 4

Diese präsentierten Unterlagen werden wohl kaum aktuell sein. Ich glaube eher, dass Israel Einfluss auf das Atomabkommen nehmen will. Denn ständig stänkert Israel dagegen. Was man von irgendwelchen präsentierten Schaubildern, Infografiken und Luftaufnahmen zu halten hat, kennt man zur Genüge.

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