Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation.
Niederländer werden künftig mit 18 Jahren automatisch als Organspender registriert. Es sei denn, sie widersprechen ausdrückllich, dass ihnen nach ihrem Tod Organe entnommen werden dürfen. Bildrechte: IMAGO

Neues Gesetz Volljährige werden in den Niederlanden automatisch Organspender

Wenn ein Niederländer 18 Jahre alt wird, wird er künftig automatisch Organspender. Das Parlament stimmte mit knapper Mehrheit einem neuen Gesetz zu Organspenden zu. Das dürfte auch die Diskussion in Deutschland anfachen.

Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation.
Niederländer werden künftig mit 18 Jahren automatisch als Organspender registriert. Es sei denn, sie widersprechen ausdrückllich, dass ihnen nach ihrem Tod Organe entnommen werden dürfen. Bildrechte: IMAGO

Jeder volljährige Niederländer ist künftig automatisch als Organspender registriert. Das sieht ein neues Gesetz zur Organspende vor, das vom Parlament mit knapper Mehrheit beschlossen wurde. Bei der Abstimmung in der Ersten Kammer des Parlaments stimmten 38 Abgeordnete dafür, 36 dagegen. Die Zweite Kammer hatte bereits mit nur einer Stimme Mehrheit zugestimmt.

Widerspruch möglich

Das Gesetz sieht auch eine sogenannte Widerspruchslösung vor. Danach müssen Niederländer ausdrücklich der Registrierung widersprechen, wenn sie nach ihrem Tod keine Organe spenden wollen. Vorgesehen ist zudem, dass Angehörige in Zweifelsfällen über eine Entnahme von Organen mitbestimmen dürfen.

Die Niederlande sind mit dieser Gesetzesveränderung das 18. europäische Land, das zur sogenannten Widerspruchslösung bei der Organspende wechselt. Die Initiatoren der neuen Regelung hoffen auf mehr Spenderorgane. Bislang mussten sich Niederländer aktiv als Organspender registrieren lassen.

Diskussion auch in Deutschland

Diese sogenannte Zustimmungsregelung gilt auch in Deutschland. Danach ist nur der ein potenzieller Organspender, der zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Liegt keine Aussage vor, können die Angehörigen im Sinne des potenziellen Spenders entscheiden.

Außerdem sind in Deutschland die Krankenkassen verpflichtet, die Bürger regelmäßig über die Organspende zu informieren und sie zu animieren, einen Spenderausweis auszufüllen. Wegen der ständig zurückgehenden Zahl an Organspender, wird aber auch hierzulande immer wieder über die Widerspruchslösung nachgedacht.

Unter anderem sprach sich Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne dafür aus. Sie sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", sie halte, wie die Bundesärztekammer, eine Widerspruchslösung für durchaus zweckdienlich. Damit könnten denjenigen, die zu Lebzeiten einer Organspende nicht ausdrücklich widersprochen haben, Organe entnommen werden.

Kritiker halten die Widerspruchslösung dagegen für verfassungswidrig und kontraproduktiv. Sie könnte nach ihrer Meinung das Misstrauen in die Transplantationsmedizin noch erhöhen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 21:49 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

15.02.2018 17:41 HERBERT WALLASCH, Pirna 10

Im Ausland ist viel Sinnvolles möglich, sei es Dateien für Organspende, sei es die Steuer auf jede geleistete Arbeitsstunde und, und, ... .Aber eben nicht in Deutschland, wollen ja auch keine Deutschen sein, sondern nur als Bsp.: Hessen und Europäer!. Keine einheitlichen Standartgesetze, keine einheitliche Computervernetzung und, und, ... . Keine Zukunftsvisionen, aber jetzt den Begriff " Heimat " populistisch aus der Schmuddelecke holen. Ich glaube, eh in Deutschland die Information, womöglich noch in der Faschingszeit oder am Wochenende, die zuständige Stelle erreichte, hätte der Bestatter schon seinen Job verrichtet. Ferner wird auch keine öffentliche Transperenz in Deutschland möglich sein, über den Verbleib oder Einsatz sämtlicher Organe, denn es ist auch ein Geschäftszweig und das sind nicht nur vage Verschwörungstheorien.

15.02.2018 11:00 H.E. 9

Jeder kann sich gegen die Organentnahme aussprechen, wenn er es nicht will, genauso wie jeder auch ein Testament verfassen kann.
Aber was die Niederländer jetzt machen durch ihre Gesetzesänderung ist durchaus sinnvoll. Wir hätten in Deutschland nicht diese Probleme, wenn bei uns in diese Richtung auch eine Gesetzesänderung vorgenommen würde.

14.02.2018 20:16 Wo geht es hin? 8

@ps55 - Zitat von Ihnen: "Ja nun mal langsam und schön flach atmen: erstens kann sich jeder dagegen aussprechen und zweitens geht es um die zeit nach seinem Tod." Zitat Ende. Über meinen Körper hat der Staat nicht zu entscheiden - Wiederspruch hin oder her und auch nicht nach meinem Tod! Wenn ich spenden will, ist das einzig und allein meine ureigenste Sache - der Staat kann mich höchstens höflich anfragen. Ansonsten verweise ich auf die Beiträge 1-5, die die Risiken ausführlich beleuchten.

14.02.2018 19:05 Max. W. 7

@14.02.2018 13:35 ps55 (Ja nun mal langsam und schön flach atmen: erstens kann sich jeder dagegen aussprechen und zweitens geht es um die zeit nach seinem Tod. Keinem wird bei lebendigem Leibe ein Organ herausgeschnitten. Das Gesetz ist sinnvoll und sollte überall gelten. Natürlich müssen strenge kontrollmechanichsmen geschalten sein.)

Erstens behauptet niemand, bei lebendigem Leibe ausgeschlachtet zu weren (wobei das durchaus denkbar wäre), zweitens geht es nicht darum, sondern um die Etablierung des Handelsgutes "Organe" und die daran hängenden Denstleistungen, sprich: einen "Markt" und drittens weiß jeder, der je mit expliziten Willenserklärungen zu tun hatte, dass die weitaus meisten Menschen davor zurückscheuen. Und genau darauf setzt das Explizite-Absage-Modell. Sonst wäre das ganz und gar unnötig und überflüssig.

Das nicht zu sehen, ist entweder die Folge totaler Erfahrungs- und Kenntnislosigkeit und/oder der völligen Obrigkeitshörigkeit. Ich verzichte dankend auf beides.

14.02.2018 13:35 ps55 6

Ja nun mal langsam und schön flach atmen: erstens kann sich jeder dagegen aussprechen und zweitens geht es um die zeit nach seinem Tod. Keinem wird bei lebendigem Leibe ein Organ herausgeschnitten. Das Gesetz ist sinnvoll und sollte überall gelten. Natürlich müssen strenge kontrollmechanichsmen geschalten sein.

14.02.2018 12:23 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 5

@14.02.2018 09:12 Fassungslos... (In den 1970er Jahren gab es mal einen Film "Fleisch". Das war schon gruselig, wie Jagd auf Menschen gemacht wurde, deren Organe man dringend benötigte. Heute - mehr als 40 Jahre später - muss man sie nicht mehr offiziell umbringen... Gruselig...)

"Fleisch" von Rainer Erler. Sie werden es nicht glauben wollen: Der Verdacht auf organisiertes Ausschlachten von Organen besteht aktuell auf dem Balkan und im Vorderen Orinet ganz konkret. Der letzte spektakuläre Fall war der vor ein paar Wochen auf Malta tot aufgefundene junge Hamburger, dem Organe fehlten - was die Maltester Gerichtsmedizin zunächst "übersehen" hat... Wir hören von diesem Fall übrigens rein garnichts mehr. Wir hören überhaupt nur Rührgeschichten und abwiegelnde "Erklärungen" in Sachen Organspende: Göttingen, Regensburg, Leipzig zeigen exemplarisch, was tatsächlich möglich ist.

14.02.2018 12:16 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 4

@14.02.2018 10:02 Pfingstrose (Jeder Bürger hat ein Selbstbestimmungsrecht in Deutschland ob er Oragnspender werden will oder nicht. Mit diesem Gesetz in den Niederlanden wird dem illegalen Organhandel Tür und Tor geöffnet.)

Korrekt. Und die, die das zu verantworten haben, sind entweder unfassbar einfältig oder bis in die Knochen korrupt. Wobei da auch Mischformen nicht selten sind. Das mangelnde Mißtrauen ist andererseits in einer Gesellschaft, die so etwas wie die "Lindenstrasse" konsumiert auch nicht weiter verwunderlich. Die Infantilisierung in der Politik als eine Folge dieser zunehmenden Bildungsferne ist deshalb auch keine wirkliche Überraschung mehr. Eine Merkel und ihre Medien haben ihre "Berichtsformate" im Sommer2015ff präzise darauf abgestellt. Und das wird hier genauso passieren.

Ganz gleich, wie das in Schland gehandhabt werden wird: Solange auf Organhandel nicht SCHWERSTE Strafen liegen und in der Judikative angewendet werden, solange keine Organ"spende". Punkt.

14.02.2018 10:02 Pfingstrose 3

Jeder Bürger hat ein Selbstbestimmungsrecht in Deutschland ob er Oragnspender werden will oder nicht. Mit diesem Gesetz in den Niederlanden wird dem illegalen Organhandel Tür und Tor geöffnet.

14.02.2018 09:12 Fassungslos... 2

Das Ergebnis wird sein, dass Menschen nicht mehr medizinisch geholfen wird, weil man ja sehr schnell an seine Organe kommt, um sich daran zu bereichern.
Das darf nicht Schule machen!!!
Was ist nur aus unserer Welt geworden?
Man muss sich vorstellen, wir sind ja schon "gläserner Patient" (Gesundheitskarte) und jeder weiß, ob unsere Nieren oder das Herz oder ein anderes Organ "geeignet" sind. Schnell ist auch ein "Unfall" herbeigeführt.
In den 1970er Jahren gab es mal einen Film "Fleisch". Das war schon gruselig, wie Jagd auf Menschen gemacht wurde, deren Organe man dringend benötigte. Heute - mehr als 40 Jahre später - muss man sie nicht mehr offiziell umbringen... Gruselig...

13.02.2018 21:06 Max. W. 1

Nur weiter so mit dem Erschliessen des Organmarktes. Ich gehe davon aus, dass ich das Widerspruchsformular herunterladen und ausgefüllt versenden kann? Dann versucht es mal. Schauen wir mal, was bei dieser Sorte "Politik" herauskommt...