Stau auf einer Autobahn
Auf allen niederländischen Autobahnen soll künftig Tempo 100 gelten. Bildrechte: dpa

"Stickstoffkrise" Niederlande führen Tempo 100 auf Autobahnen ein

Auf den niederländischen Autobahnen soll zur Senkung von Schadstoffemissionen tagsüber ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde gelten. Das entschied das Kabinett in Den Haag am Dienstag als Teil eines Maßnahmeplans zum Klimaschutz, wie verschiedene niederländische Medien berichten.

Stau auf einer Autobahn
Auf allen niederländischen Autobahnen soll künftig Tempo 100 gelten. Bildrechte: dpa

Auf niederländischen Autobahnen soll künftig tagsüber ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde gelten. Das habe das Kabinett in Den Haag am Dienstag als Teil eines Maßnahmeplans zum Klimaschutz vereinbart, berichteten die niederländische Nachrichtenagentur ANP und weitere Medien unter Berufung auf Regierungskreise. Die Regierung wolle damit den Ausstoß von Stickstoffabgasen senken.

Ministerpräsident Mark Rutte sprach von einem "bedeutenden Schritt" und kündigte an, das Klimapaket an diesem Mittwoch der Öffentlichkeit vorzustellen, ohne jedoch bereits Einzelheiten zu nennen.

Neues Tempolimit bis 19 Uhr

Tempo 100 soll den Angaben zufolge auf allen Autobahnen gelten. Wo bislang Tempo 130 galt, soll diese Höchstgeschwindigkeit künftig nur noch zwischen 19 Uhr und 6 Uhr erlaubt sein. Auf vielen Autobahnabschnitten des Landes darf man allerdings bereits jetzt nicht schneller als 100 Stundenkilometer fahren.

Hauptziel des Maßnahmepakets der Koalitionsregierung aus Liberalen und Christdemokraten sowie der linksliberalen D66 und der religiös-konservativen Christenunion ist die Reduzierung des Ausstoßes von Stickstoff und Stickoxiden.

"Stickoxidkrise" durch Gerichtsurteil

Über Möglichkeiten zur Bekämpfung der sogenannten Stickstoffkrise in den Niederlanden hatten die Regierungsparteien monatelang beraten. Sie waren unter Druck geraten, als das höchste Gericht, der Raad van State in Den Haag, im Mai Genehmigungsverfahren für große Bauvorhaben mit der Begründung gestoppt hatte, der Stickstoffausstoß des Landes dürfe im Interesse der Luftreinheit nicht noch weiter ansteigen. Selbst weitere Wohnungen dürften nur gebaut werden, wenn es an anderer Stelle eine Reduzierung der Emissionen gebe.

Lob und Kritik

Der Verband der niederländischen Autohändler (Bovag) kritisierte das Tempolimit. Der Anteil des Verkehrs auf den Schnellstraßen am Schadstoffausstoß sei eigentlich gering, erklärte ein Sprecher. Besser wären Abwrackprämien für besonders umweltbelastende, alte Autos.

Die Umweltorganisation Milieudefensie sprach hingegen von einer guten Nachricht für Natur und Gesundheit. "Diese Maßnahmen sorgen dafür, dass weniger Stickstoffoxid eingeatmet wird", sagte ein Sprecher.

Debatte in Deutschland

Auch in Deutschland wird immer wieder über ein generelles Tempolimit auf den Autobahnen diskutiert. Erst im Oktober scheiterte eine Intiative der Grünen hierzu im Bundestag.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. November 2019 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 22:34 Uhr

11 Kommentare

Denkschnecke vor 3 Wochen

Lustig ist ja, dass das ausgerechnet die niederländischen Konservativen sind, die keinen anderen Weg sehen, die verbindlich zugesagten CO2-Ziele zu erfüllen (und die, nebenbei, entsprechend einem Wahlversprechen, das Tempolimit erst vor wenigen Jahren auf 130 ANGEHOBEN hatten).
Und bei uns laufen nach wie vor Leute herum, die behaupten, Deutschland würde versuchen, allein das Klima zu retten. Das Gegenteil ist richtig.

Denkschnecke vor 3 Wochen

Falsch. Unser noch kein Jahr alter Benziner (aus einem deutschen Konzern, der sich gern als Speerspitze der weltweiten Automobiltechnologie sieht) säuft bei Tempo 150 über ein Viertel mehr als bei 120 (und emittiert damit auch 25% mehr CO2). Und bei E-Autos sind die Unterschiede in der Reichweite für verschiedene Geschwindigkeiten so groß, dass die Benutzer nach meiner Beobachtung schon freiwillig nur 120 fahren. Und beim aktuellen Engagement der Bundesregierung für die WIndkraft wird der Strom für E-Autos auch weiterhin nicht CO2-neutral sein.

Monazit vor 3 Wochen

Man darf auch nicht vergessen, dass die Niederland ein vergleichbar kleines Land sind, wo man auch mit 100 km/h schnell am gewünschten Ort ist. ;-)

Abgesehen davon kann ich mir vorstellen, dass es insbesondere in Ballungsräumen sehr sinnvoll ist, das Tempo niedrig zu halten, weil dann mehr ein konstanter Verkehrsfluss herrscht, als dass sich alles immer zusammenschiebt und -bremst. Die Einsparung an CO2 liegt wohl eher an der veränderten Fahrweise und nicht an der reinen Sparsamkeit der Motoren.