Londonderry: Mitarbeiter der Spurensicherung arbeiten am Tatort, wo eine 29-jährige Journalistin bei gewaltsamen Ausschreitungen mit einem Kopfschuss getötet wurde.
Londonderry erlangte mit dem "Bloody Sunday" traurige Berühmtheit: am 30. Januar 1972 erschossen damals britische Fallschirmjäger 13 katholische Demonstranten. Bildrechte: dpa

Londonderry Festnahmen nach Tötung von nordirischer Journalistin

Tödliche Schüsse auf eine Journalistin im nordirischen Londonderry haben weit über die Landesgrenzen hinaus schockiert. Die Ermittler gehen von einem terroristischen Hintergrund aus. Nun wurden zwei Männer festgenommen.

Londonderry: Mitarbeiter der Spurensicherung arbeiten am Tatort, wo eine 29-jährige Journalistin bei gewaltsamen Ausschreitungen mit einem Kopfschuss getötet wurde.
Londonderry erlangte mit dem "Bloody Sunday" traurige Berühmtheit: am 30. Januar 1972 erschossen damals britische Fallschirmjäger 13 katholische Demonstranten. Bildrechte: dpa

Die nordirische Polizei hat im Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen auf die Journalistin Lyra McKee zwei junge Männer festgenommen. Nach Angaben der Polizei wurden die beiden Tatverdächtigen im Alter von 18 und 19 Jahren auf der Grundlage von Anti-Terror-Gesetzen festgenommen. Zum Verhör seien sie auf eine Polizeiwache in Belfast, der Hauptstadt des britischen Landesteils, gebracht worden.

"Erstaunliches Potenzial ausgelöscht"

Die 29-jährige Journalistin war am Donnerstagabend bei gewaltsamen Ausschreitungen in Londonderry erschossen worden. Sie stand in einer Menschengruppe in der Nähe von Polizeifahrzeugen, als eine Kugel ihren Kopf traf.

McKee hatte viel über den Nordirland-Konflikt und seine Folgen geschrieben. Sie arbeitete unter anderem für das Magazin "The Atlantic" und Buzzfeed News. "Ein erstaunliches Potenzial wurde durch eine einzige barbarische Tat ausgelöscht", sagte McKees Lebenspartnerin am Freitagabend in einer öffentlichen Rede.

Die Ermittler gehen von einem Terrorakt aus. Sie vermuten, dass hinter der Tat eine militante Republikaner-Gruppe namens "Neue IRA" stecken könnte. Die Gruppe hatte sich im März zu Paketbomben bekannt, die in London und Glasgow aufgetaucht waren.

Brexit weckt Sorgen vor neuem Konflikt

Vor dem tödlichen Vorfall sollen in Tatortnähe mehr als 50 Brandsätze auf Polizisten geschleudert worden sein. Die Unruhen fielen in die Zeit, zu der irisch-katholische Nationalisten an den Aufstand gegen die Briten im Jahr 1916 erinnern. Die Nationalisten wollen ein vereinigtes Irland, die Protestanten in Nordirland wollen weiterhin zu Großbritannien gehören.

Das Karfreitagsabkommen hatte vor 21 Jahren die Macht zwischen Katholiken und Protestanten aufgeteilt und den Nordirland-Konflikt beendet. Vor dem Hintergrund des geplanten Brexit nahmen die Spannungen zuletzt aber wieder zu.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2019, 16:42 Uhr