Nordirland
In Nordirland hat sich erstmals ein Gericht mit den tödlichen Schüssen auf Demonstranten beim "Bloody Sunday" vor 48 Jahren beschäftigt. Bildrechte: IMAGO

Tödliche Schüsse auf Demonstranten Nordirisches Gericht verhandelt "Bloody Sunday"-Tötungen

In Nordirland hat sich erstmals ein Gericht mit den tödlichen Schüssen auf Demonstranten beim "Bloody Sunday" vor 48 Jahren beschäftigt. Ein ehemaliger britischer Soldat wird des zweifachen Mordes an Zivilisten am 30. Januar 1972 beschuldigt.

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In Nordirland hat sich erstmals ein Gericht mit den tödlichen Schüssen auf Demonstranten beim "Bloody Sunday" vor 48 Jahren beschäftigt. Bildrechte: IMAGO

Fast 50 Jahre nach dem "Bloody Sunday" hat sich erstmals ein Gericht in Nordirland mit den tödlichen Schüssen auf Demonstranten beschäftigt. Vor einem Gericht in der Stadt Londonderry begann am Mittwoch eine Anhörung gegen einen ehemaligen britischen Soldaten, der des zweifachen Mordes an Zivilisten am 30. Januar 1972 beschuldigt wird.

Obwohl der Angeklagte nicht zur der Anhörung erschien, sprachen Angehörige der Opfer von einem "historischen Tag". "Wir sind froh und erleichtert, dass dieser Tag gekommen ist", sagte Liam Wray, dessen Bruder 1972 getötet worden war. Der "Bloody Sunday", bei dem britische Soldaten in Londonderry 14 Menschen töteten, gilt als eines der schlimmsten Kapitel des Nordirland-Konflikts.

Anklage wegen zweifachen Mordes und vierfachen Mordversuchs

Jahrzehntelang war gegen insgesamt 17 britische Veteranen und zwei mutmaßliche Mitglieder der Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) ermittelt worden.

Im März hatte die Staatsanwaltschaft in Derry dann nur gegen einen ehemaligen Soldaten Anklage wegen zweifachen Mordes und vierfachen Mordversuchs erhoben. Es ist damit der einzige "Bloody Sunday"-Mordfall, der bisher vor Gericht kam. Das Gericht vertagte sich am Mittwoch jedoch nach der kurzen Anhörung auf den 4. Dezember. Der Anwalt des beschuldigten Soldaten will erreichen, dass die Klage abgewiesen wird.

13 Menschen starben am "Blutsonntag"

Am 30. Januar 1972 hatten Soldaten eines britischen Fallschirmjägerbataillons auf Teilnehmer eines katholischen Bürgerrechtsmarschs in der Stadt Londonderry geschossen. 13 Menschen starben an jenem "Blutsonntag", ein weiteres Opfer erlag später seinen Verletzungen.

Soldaten hatten Feuer auf die Menge eröffnet

Ein 2010 veröffentlichter Untersuchungsbericht war nach zwölf Jahren Ermittlungen zu dem Ergebnis gekommen, dass die Soldaten das Feuer auf die Menge eröffnet hatten - und nicht umgekehrt, wie ursprünglich behauptet worden war. Demnach waren die getöteten und verletzten Demonstranten nicht bewaffnet gewesen. Der damalige britische Premierminister David Cameron hatte sich bei der Vorstellung des Berichts für den Vorfall entschuldigt.

Im Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten in der britischen Provinz Nordirland wurden bis zum Karfreitagsabkommen von 1998 mehr als 3500 Menschen getötet. Die IRA hatte 1997 eine unbefristete Waffenruhe in dem Konflikt ausgerufen. 2005 beendete sie offiziell ihren bewaffneten Kampf.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. September 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2019, 21:17 Uhr

1 Kommentar

Jan vor 4 Wochen

Endlich - kann man nur sagen.
Die Menschen, die damals auf die Straße gegangen sind, haben ein Recht auf Aufklärung der Vorfälle. In meinen Augen sollte es eher ein vereinigte Irland als ein Nordirland geben.