Sitz der Organisation für das Verbot chemischer Waffen OPCW in Den Haag
Der Sitz der OPCW befindet sich am niederländischen Regierungssitz in Den Haag. Bildrechte: dpa

Ablauf einer OPCW-Mission Die gefährliche Arbeit der Chemiewaffen-Experten

Nach dem mutmaßlichen Chlorgas-Einsatz im syrischen Duma soll die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) vor Ort Proben nehmen und den Vorwürfen auf den Grund gehen. Doch wie läuft eine typische OPCW-Mission eigentlich ab? Wie wird die Sicherheit der Experten gewährleistet und wie verläuft die Analyse der Ergebnisse?

Sitz der Organisation für das Verbot chemischer Waffen OPCW in Den Haag
Der Sitz der OPCW befindet sich am niederländischen Regierungssitz in Den Haag. Bildrechte: dpa

Vorbereitungen eines Einsatzes

Die normale Vorbereitungszeit für den Einsatz eines OPCW-Teams beträgt zwischen zwei und vier Wochen. Seit es jedoch im Laufe des syrischen Bürgerkriegs immer wieder Hinweise auf den Einsatz chemischer Waffen gab, richtete OPCW-Chef Ahmed Üzümcü ein Spezialteam von bis zu 15 Experten ein, das binnen 24 Stunden einsatzbereit ist.

Logistik und Material

Sobald einer Mission stattgegeben ist, stellt ein Logistikteam im niederländischen Rijswijk die Ausrüstung zusammen und prüft sie auf ihren Zustand. Diese reicht von Luftzylindern und Röhrchen zur Aufnahme von Boden-, Blut- oder Pflanzenproben über Teststreifen bis hin zu speziellen Gasdetektoren sowie Schutzkleidung, Gasmasken und notfallmedizinischem Material.

Mitglieder eines OPCW-Teams

Ein typisches OPCW-Team besteht aus zwei Ärzten, zwei Chemiewaffenexperten, ein bis zwei Chemie-Inspektoren, Übersetzern und Sicherheitskräften. Sie können alle verschiedener Nationalität sein, sind Fachleute auf ihrem Gebiet und bestens ausgebildet für den Einsatz.

Aufgaben am Einsatzort

Am Ort des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes sprechen die Experten mit Zeugen, Medizinern und Ersthelfern und prüfen Krankenhausdokumente. Sie nehmen Umweltproben und Bioproben - vorzugsweise von Überlebenden, gelegentlich auch von Toten.

Sicherheit

Der Generaldirektor der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW), Ahmet Üzümcü.
2013 erhielt die OPCW für ihre Arbeit den Friedensnobelpreis. Bildrechte: IMAGO

Vor ihrem Einsatz im Jahr 2013 in Syrien, als sie Hinweisen auf einen Einsatz des Nervengases Sarin nachgingen, waren OPCW-Experten nie in einem Kriegsgebiet tätig. Die jüngste Mission in Duma in der einstigen Rebellenhochburg Ost-Ghuta ist der erste OPCW-Einsatz außerhalb von Damaskus seit 2014. Damals wurde ein OPCW-Team angegriffen und kurze Zeit festgehalten.

Syriens Verbündeter Russland und die syrische Regierung haben der OPCW Sicherheitsgarantien für die Duma-Mission gegeben. Dennoch ist die Lage vor Ort gefährlich. Die Experten müssen zügig arbeiten. 2013 hatten die OPCW-Fachleute bei ihrem Einsatz nur 45 Minuten Zeit für ihre Arbeit, bevor sie wegen Sicherheitsbedenken wieder abziehen mussten.

Analyse

Die gesicherten und versiegelten Proben werden in die Niederlande zur Analyse zurückgebracht. Die Proben werden während der gesamten Auswertung strengstens überwacht. Der frühere OPCW-Chef Hugh Gregg sprach in einem Interview mit einem Online-Portal 2016 von einer "hundertprozentigen Sicherheitskette".

Analysiert werden die Proben in Partnerlaboren. Die OPCW verfügt über rund ein Dutzend solcher Kooperationen weltweit. Die Vereinbarungen dazu sind geheim. Laut OPCW ist eine "kompetente, unparteiische und bei den Ergebnissen eindeutige" Analyse gewährleistet.

(Quelle: AFP)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 16. April 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 17:28 Uhr