Ein Schlauchboot der Guardia Costeria, der italienischen Küstenwache, fährt um das Rettungsschiff «Open Arms» der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms herum.
Das Rettungsschiff "Open Arms" darf einen spanischen Hafen ansteuern. Bildrechte: dpa

Rettungsschiff "Open Arms" darf in spanischen Hafen einlaufen

Das von Italien abgewiesene Flüchtlingsrettungsschiff "Open Arms" darf einen spanischen Hafen ansteuern. Das teilte die Regierung in Madrid mit. Italien hatte zuvor lediglich 27 minderjährige Migranten auf Lampedusa an Land gelassen.

Ein Schlauchboot der Guardia Costeria, der italienischen Küstenwache, fährt um das Rettungsschiff «Open Arms» der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms herum.
Das Rettungsschiff "Open Arms" darf einen spanischen Hafen ansteuern. Bildrechte: dpa

Das von Italien abgewiesene Flüchtlings-Rettungsschiff "Open Arms" darf in einen spanischen Hafen einlaufen. Ministerpräsident Pedro Sánchez habe angesichts der Notlage an Bord und der "unbegreiflichen" Haltung Italiens angeboten, dass das Schiff mit mehr als 100 Migranten an Bord im Hafen der andalusischen Stadt Algeciras anlegen dürfe, teilte die Regierung in Madrid am Sonntag mit. Sánchez sprach auf Twitter von einem "humanitären Notfall". Er forderte eine europäische Lösung zur Seenotrettung.

27 Minderjährige dürfen in Lampedusa an Land

Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte am Samstag nach langem Streit 27 unbegleitete Minderjährige von der "Open Arms" an Land gehen lassen. 105 Erwachsene und zwei begleitete Minderjährige mussten aber an Bord bleiben. Die Flüchtlinge trafen mit einem Boot der Küstenwache im Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa ein. Weil die "Open Arms" weiterhin nicht in Italien anlegen durfte, ermittelt die sizilianische Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung und des Amtsmissbrauchs.

Zuvor hatte Salvini in einem Brief an Regierungschef Giuseppe Conte erklärt, er könne den "mutmaßlichen" Minderjährigen erlauben, das Schiff zu verlassen, auch wenn es gegen seine "Überzeugung" verstoße. Die 105 Erwachsenen und zwei begleitete Minderjährige müssten aber an Bord bleiben.

"Explosive" Lage an Bord des Rettungsschiffes

Ein Teil der Flüchtlinge harrt bereits seit zwei Wochen auf dem kleinen Rettungsschiff aus. "Open Arms"-Kapitän Marc Reig hatte die Lage an Bord am Freitag als "explosiv" beschrieben. Es bestehe die Gefahr, dass sich Flüchtlinge ins Meer stürzten, um schwimmend das Land zu erreichen. "Alle sind psychologisch am Ende, die Situation ist untragbar geworden", sagte er dem spanischen Fernsehsender TVE.

Salvini weigerte sich, das Schiff anlegen zu lassen, obwohl sich mehrere europäische Länder zur Aufnahme von Flüchtlingen von der "Open Arms" bereit erklärt haben, darunter Deutschland. Er pochte darauf, das spanische Rettungsschiff solle einen spanischen Hafen ansteuern.

Das Rettungsschiff "Ocean Viking" von "Ärzte ohne Grenzen" und SOS Mediterranee mit 356 Flüchtlingen an Bord sucht ebenfalls einen sicheren EU-Hafen zum Einlaufen.

Algeciras und Lampedusa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. August 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2019, 13:55 Uhr

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19 Kommentare

19.08.2019 11:48 jochen 19

Sie dürfen in einen spanischen Hafen einlaufen - aber sie wollen nicht. Nach meiner Meinung sind das gemeine Erpresser - nichts anderes. Sollen sie bleiben wo sie sind.
Auch verstehe ich die Staaten nicht, die Erpresser noch unterstützen.

19.08.2019 09:30 Bingo 18

Migranten seit 2 Wochen auf den Schiff... Warum ist man nicht gleich nach Spanien oder Frankreich gefahren, wenn man weiß das es mit Italien Probleme bei der Aufnahme gibt ??

19.08.2019 07:26 Wo geht es hin? 17

Da die Redaktion hier ja fast jeden Beitrag belehrend kommtentiert, gehe ich mal auf einen Kommentar davon ein - Zitat: "...allerdings bitten wir Sie, nicht alle Flüchtlinge zu pauschalisieren und ihnen vorzuwerfen die Kriminalität in Deutschland zu steigern.
Wie in der Kriminalitätstatistik nachzulesen ist, sind die Täterprofile sehr divers." Zitat Ende. Ab welcher Prozentzahl sollte man denn "pauschalisieren" dürfen? Laut BKA unter dem Titel »Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung« stellen sich die Zahlen so dar: in den Jahren 2015-2018 weisen die BKA-Statistiken insgesamt 1 085 647 Straftaten durch Zuwanderer aus, begangen von 621 713 Zuwanderern. Und das ist nur die Allgemeinkriminalität, da sämtliche ausländerrechtlichen Verstöße in der Statistik nicht erfasst worden. Das bedeutet, dass über 50 % der in den letzten 3 Jahren "Zugewanderten" 1 oder mehrfach als Straftäter in Erscheinung getreten sind.

18.08.2019 18:07 Karin 16

Hallo MDR zu Ihren Kommentar unter 8: "[Liebe Karin, die Thematik...….Ihre MDR.de-Redaktion]
Die neuste Entwicklung: "Open Arms" lehnt Hafen-Angebot aus Spanien ab" Bitte erklären Sie mir unter welcher gesetzlichen Grundlage diese Meldung einzuordnen ist? Was beabsichtigen diese Leute?

[Liebe Karin,
dem MDR stehen keine Antworten auf juristische Belange zu.
Ihre MDR.de-Redaktion]

18.08.2019 17:45 gerd 15

Die Situation an Bord spitzt sich zu . In diese Situation haben sich die sogenannten Retter selbst gebracht mein Mitleid hält sich in Grenzen .Wer trotz Einreiseverbot weiter dieses Seenotrettungsgeschäft betreibt sollte im vornherein Wissen wo er diese Leute hinbringt.

[Lieber Gerd,
an dieser stelle wollen wir darauf hinweisen, dass der Begriff Seenotrettungsgeschäft irreführend ist. Diese Schiffe werden meist von einer NGO geführt, welche damit kein Gewinn/Verdient etc. haben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

18.08.2019 17:34 winfried 14

Soeben wie (11) den MDR-Artikel "Open Arms"-Besatzung lehnt spanischen Hafen ab".
Wetten dass ... "der Schwanz wieder mit dem Hund wedelt" ... und DE als EU-Türöffner fungiert ?!

18.08.2019 17:23 Kurzkommentator 13

Einmal ist von "Migranten" die Rede, dann wieder von "Flüchtlingen" und später wieder von (aus Seenot) "Geretteten". Ein wahrlich buntes Sammelsurium. Jetzt wollen sie gar nicht nach Spanien. Verständlich. Wer aus Seenot gerettet wird (in die er sich nicht bewusst begeben hat) will einfach nur an Land, schnellstens, und dann wieder nach hause. Wer, wovor auch immer, geflohen ist, ist froh sicher zu sein, egal wo; sollte man meinen. Wer einwandern möchte (Migrant) stellt einen entsprechenden Antrag. Punkt. Alles Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Diesen Leuten das Handwerk legen!

[Lieber Kurzkommentator, die Einschätzung darüber, ob es sich dabei um eine illegale Einreise handelt oder ein Anspruch auf Asyl besteht, obliegt den jeweiligen Gerichten.
Ihre MDR.de-Redaktion]

18.08.2019 17:18 Mustermann 12

Die Zeit der Ausreden ist dann wohl vorbei, um Menschen wochenlang auf Schiffen qualvoll verharren zu lassen und diese zu instrumentalisieren. In Zukunft kann es dann wohl gleich - ohne Zeitverschwendung - nach Spanien gehen. Natürlich incl. "Asylantrag" im Ankunftsland Spanien.

@mdr und wenn Tunesien, Marroko etc. tatsächlich kein sicherer Herkunftsstaat wären, dann gebe es wohl eine entsprechende Reisewarnung zum Schutz der reisenden Bevölkerung.

[Lieber Mustermann,
dem MDR obliegt keine Deutungshoheit, ob es sich bei Tunesien um ein sicheres Herkunftsland handelt. Es war ein Hinweis darauf, dass die Einstufung auch im Bundestag umstritten ist, da Teile des Landes noch risikobehaftet sind. Auch ist dies in den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes nachzulesen:
https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/tunesiensicherheit/219024
Ihre MDR.de-Redaktion]

18.08.2019 17:02 Montana 11

"Open Arms" lehnt Hafen-Angebot aus Spanien ab
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Italien bleib stark.

18.08.2019 16:26 Querdenker 10

Zitat: „Das von Italien abgewiesene Flüchtlingsrettungsschiff "Open Arms" darf einen spanischen Hafen ansteuern.“

"Open Arms" fährt unter spanischer Flagge. Diese finde indirekten Schlepper sollten die Häfen anfahren, unter welcher Flagge sie fahren oder die Menschen sollten in die Nähe ihres Herkunftslandes gebracht werden.