Umstrittenes Geheimhaltungsgebot Vatikan hebt "Päpstliches Geheimnis" bei Missbrauch auf

Bisher durften Informationen aus Kirchenprozessen zu Missbrauchsfällen nicht an staatliche Behörden weitergegeben werden. Sie unterlagen dem "Päpstlichen Geheimnis". Papst Franziskus hat die umstrittene Geheimhaltungsordnung nun abgeschafft.

Papst Franziskus hat die Möglichkeit abgeschafft, sich bei Fällen von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche auf Geheimhaltung zu berufen. Der Vatikan teilte am Dienstag mit, das "Päpstliche Geheimnis" habe in Missbrauchsfällen keine Gültigkeit mehr. Damit dürfen aus Kirchenprozessen stammende Informationen zu sexueller Gewalt gegen Kinder sowie zur Vertuschung dieser Taten ab sofort an staatliche Behörden außerhalb des Vatikans weitergegeben werden.

Vertraulichkeit sensibler Informationen

Das "Päpstliche Geheimnis" soll im Vatikan grundsätzlich die Vertraulichkeit sensibler Informationen garantieren. Der neuen Verfügung zufolge ist das Geheimhaltungsgebot ab sofort nicht mehr auf "Vorwürfe, Prozesse und Urteile" im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch anwendbar. Zudem dürfen mutmaßliche Opfer von sexuellem Missbrauch nicht mehr zum Schweigen verpflichtet werden. Bisher hatten Missbrauchsopfer wegen des "päpstlichen Geheimnisses" auch keine Gelegenheit, zu erfahren, was aus ihrer Anzeige wurde.

"Überfällig" und bahnbrechend

Charles Scicluna
Maltas Erzbischof Scicluna: "Epochale Entscheidung." Bildrechte: imago images / Aton Chile

Opfer und Kirchenrechtler sprachen von einer "überfälligen" Entscheidung und dem bedeutendsten Schritt seit dem Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan. Der Vatikan selbst nannte die neuen Regelungen bahnbrechend. Der Erzbischof von Malta, Charles Scicluna - einer der engsten Berater des Papstes beim Thema Missbrauch – sprach von einer "epochalen Entscheidung", die Hindernisse bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen beseitige. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sagte, die Instruktion zur Aufhebung des "Päpstlichen Geheimnisses" sei der "richtige Schritt in einem langen Prozess der Kirche".

Altersänderung bei Kinderpornografie

Neben der Abschaffung des "päpstlichen Geheimnisses" veröffentlichte der Vatikan am Dienstag auch eine Änderung beim Alter von Kindern, die Opfer von pornografischen Darstellungen werden: Bisher wurden Besitz und Verbreitung solcher Bilder als schwerste Straftaten gezählt, wenn die Kinder bis zu 14 Jahre alt waren. Nun wurde diese Altersgrenze auf 18 Jahre hochgesetzt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Dezember 2019 | 16:30 Uhr