Eine Verkäuferin greift in die Fleischtheke eines Supermarktes
Etwa 9,5 Tonnen Fleisch kranker Tiere soll in Umlauf gebracht worden sein - das volle Ausmaß ist aber noch nicht klar. Bildrechte: dpa

Verdacht auf illegale Schlachtung EU-Kommission ermittelt in polnischem Fleischskandal

Von einem Schlachthof in Polen soll tonnenweise Fleisch kranker Tiere in Umlauf gekommen sein. Mindestens 14 Länder sind nach bisherigen Erkenntnissen betroffen, darunter auch Deutschland. Neben den polnischen Behörden ermittelt nun auch die EU-Kommission. Ein Reporter hatte die Schlachtpraktiken aufgedeckt.

Eine Verkäuferin greift in die Fleischtheke eines Supermarktes
Etwa 9,5 Tonnen Fleisch kranker Tiere soll in Umlauf gebracht worden sein - das volle Ausmaß ist aber noch nicht klar. Bildrechte: dpa

Wegen skandalöser Praktiken in einem polnischen Schlachthof hat die EU-Kommission Ermittlungen eingeleitet. Kontrolleure sollten am Montag nach Polen reisen, um die Situation zu analysieren, erklärte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. Gegen die inzwischen geschlossene Fabrik in der Woiwodschaft Masowien ermitteln bereits polnische Behörden.

9,5 Tonnen verdächtiges Fleisch

In dem Schlachthof sollen nach bisherigen Erkenntnissen nachts heimlich kranke Tiere geschlachtet worden sein. Etwa 9,5 Tonnen Fleisch seien so in Umlauf gebracht worden, davon ein Drittel ins EU-Ausland. Mindestens 14 Länder sind betroffen, darunter auch Deutschland. In der Slowakei sind mindestens 300 Kilogramm des Rindfleischs offenbar bereits in den Handel und sogar in Schulküchen gelangt. In Frankreich kamen rund 150 Kilogramm vor allem über Metzgereien an die Verbraucher.

Polen besorgt um Ruf seiner Lebensmittel

Aufgedeckt wurde der Fall durch einen Bericht des polnischen Nachrichtensenders TVN24. Ein Reporter hatte sich als Arbeiter bei der Firma eingeschleust. Der Leiter des polnischen Hauptveterinäramtes, Pawel Niemczuk, bestätigte das "illegale Prozedere in der Nacht, als es keine Veterinäraufsicht gab". Polens Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski sprach von einem Einzelfall. Der Betrug schade aber dem Ruf polnischer Lebensmittel enorm, kritisierte er. Schlachtbetriebe sollten nun stärker kontrolliert werden.

Kritik an Informationspolitik

Tschechien kündigte seinerseits an, importiertes Fleisch aus Polen intensiv zu prüfen. Landwirtschaftsminister Miroslav Toman kritisierte die Informationspolitik des Nachbarlands. "Man hatte uns mehrmals versichert, dass die Fleischlieferungen nicht nach Tschechien gegangen seien", sagte er im Fernsehen.

Fleisch im Labor
Tests ergaben polnischen Behörden zufolge, dass das Fleisch kein Gesundheitsrisiko darstellt. Bildrechte: Colourbox.de

Polnische Behörden erklärten, das Fleisch und die Produkte wegen der illegalen Schlachtung vom Markt zu nehmen. Eine Gefahr für Gesundheit und Leben von Menschen schlossen sie nach Untersuchungen aber aus. Das Fleisch und daraus erzeugte Produkte könnten verzehrt werden, teilten Veterinär- und Sanitäramt nach Untersuchungen mit.

Polen ist ein bedeutender Fleischproduzent in der Europäischen Union. Vergangenes Jahr wurden nach Angaben des Fleischproduzentenverbandes PZPBM 415.000 Tonnen Rindfleisch produziert. Davon seien fast 90 Prozent ins Ausland verkauft worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Februar 2019 | 15:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2019, 03:24 Uhr

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1 Kommentar

02.02.2019 15:33 Fragender Rentner 1

Hoch lebe der Profit.

Oh Entschuldigung uns wird ja eingeredet, dass wir es so wollen.