Frank-Walter Steinmeier hält eine Rede an einem Stehpult
Bundespräsident Steinmeier bat die Polen beim Gedenken am Sonntagmorgen um Vergebung. Bildrechte: imago images / Eastnews

Weltkriegsgedenken Steinmeier bittet in Polen um Vergebung

Die polnische Kleinstadt Wieluń war die erste, die 1939 von der Wehrmacht angegriffen wurde. Genau 80 Jahre später bat Bundespräsident Steinmeier die Opfer um Vergebung.

Frank-Walter Steinmeier hält eine Rede an einem Stehpult
Bundespräsident Steinmeier bat die Polen beim Gedenken am Sonntagmorgen um Vergebung. Bildrechte: imago images / Eastnews

Am 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Menschen in Polen um Vergebung gebeten. Bei einer Gedenkfeier in der polnischen Kleinstadt Wieluń sagte er am Sonntagmorgen, es seien Deutsche gewesen, die in Polen ein Menschheitsverbrechen verübt hätten. Wieluń sei ein Terrorangriff der deutschen Luftwaffe und ein Vorzeichen für alles gewesen, was in den dann kommenden sechs Jahren folgen sollte.

Ich verneige mich vor den Opfern des Überfalls auf Wieluń. Ich verneige mich vor den polnischen Opfern der deutschen Gewaltherrschaft. Und ich bitte um Vergebung.

Bundespräsident Steinmeier auf Polnisch und Deutsch beim Besuch in Polen

Duda: moralische Wiedergutmachung

Das Gedenken fand bereits vor dem Morgengrauen statt – und damit genau 80 Jahre nach dem Angriff auf die polnische Kleinstadt, die den Beginn des Zweiten Weltkriegs markierte, der rund 60 Millionen Menschen das Leben kostete. Beim Überfall auf Wieluń am 1. September 1939 starben rund 1.200 Menschen. Angegriffen wurden unter anderem ein Krankenhaus und eine Synagoge.

"Es war ein Kriegsverbrechen", sagte der polnische Präsident Andrzej Duda, der die Gräuel des Angriffs am Morgen plastisch schilderte. Selbst ein rotes Kreuz auf dem Dach des Krankenhauses habe die Deutschen nicht stoppen können. An Steinmeier gerichtet sagte er: "Dass sie hier sind, ist eine Form der moralischen Wiedergutmachung."

Zentrale Gedenkfeier in Warschau

Die zentrale Gedenkveranstaltung zum Kriegsbeginn 1939 fand am Sonntagmittag in Warschau statt. Dazu waren Staatsgäste aus rund 40 Ländern angereist, unter ihnen neben Steinmeier auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Vizepräsident Mike Pence.

Im Mittelpunkt standen Appelle zu internationaler Zusammenarbeit und zum Einsatz für den Frieden. Steinmeier würdigte das vereinte Europa als die "rettende Idee" und die "Lehre aus Jahrhunderten von Krieg und Verwüstung, von Feindschaft und Hass". Europa müsse stärker und selbstbewusster werden - aber nicht ohne oder gar gegen Amerika, fügte der Bundespräsident hinzu. US-Vizepräsident Pence sagte: "Heute sind wir hier als Freunde, als Alliierte zusammen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. September 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2019, 17:30 Uhr