Greta Thunberg
Greta Thunberg hat eine weltweite Bewegung losgetreten. Bildrechte: dpa

Porträt Greta Thunbergs Kampf für das Klima

Greta Thunberg hat eine Bewegung losgetreten, die inzwischen auch in vielen deutschen Städten immer freitags zu beobachten ist: Junge Menschen, vorwiegend Schülerinnen und Schüler, gehen auf die Straße und protestieren gegen die Klimapolitik ihrer Länder und der Weltgemeinschaft. Dafür wurde Thunberg jetzt für den Friedensnobelpreis nominiert. Was treibt die 16-Jährige an?

Greta Thunberg
Greta Thunberg hat eine weltweite Bewegung losgetreten. Bildrechte: dpa

Spätestens seit dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos im Januar kommt keiner mehr um diese 16-Jährige aus Schweden herum: Greta Thunberg. Die Klimaaktivistin hatte die dort anwesenden Spitzenpolitiker und Wirtschaftsbosse aufgerufen, in Panik zu geraten:

Die Erwachsenen sagen immer, wir müssen den jungen Menschen Hoffnung machen, aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich möchte nicht, dass ihr hoffnungsvoll seid. Ich möchte, dass ihr in Panik geratet. Ihr sollt die Angst spüren, die ich jeden Tag spüre. Und ich möchte, dass ihr handelt. Dass ihr so handelt wie in einer Krise. Ich möchte, dass ihr so handelt, als wenn unser Haus brennen würde. Denn es brennt bereits.

Greta Thunberg, Klimaaktivistin

Jeden Freitag vor dem schwedischen Reichstag

Thunberg hat die Nase voll von Politikern, die sich kaum auf Minimalziele beim Klimaschutz einigen können. Und wenn sie es dann doch geschafft haben, diese Ziele nicht umsetzen. So hat sie sich im vergangenen August dazu entschlossen, jeden Freitag vor dem Reichstag in der schwedischen Hauptstadt Stockholm für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Thunbergs "Schulstreiks für das Klima" wurden schnell über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt und sind zur internationalen Bewegung "Fridays for Future" angewachsen. Jeden Freitag gehen Zehntausende junge Leute in verschiedenen Ländern weltweit zur Demonstration statt zur Schule. Jetzt wurde sie sogar für den Friedensnobelpreis nominiert.

Ein Engagement zur Selbsthilfe

Dabei hat Thunberg nicht erst letztes Jahr zu ihrem vehementen Einsatz für die Umwelt gefunden: Nach eigenen Angaben wurde sie im Alter von acht Jahren auf die menschengemachte Erderwärmung aufmerksam und begann mit dem Klimaschutz zunächst zu Hause: Das Licht musste ausgeschaltet werden, wenn es nicht benötigt wurde. Später habe sie beschlossen, nicht mehr zu fliegen und sich vegan zu ernähren. Davon habe sie auch ihre Eltern überzeugt. Wenn es geht, reist Thunberg statt mit dem Flugzeug mit dem Zug oder per Mitfahrgelegenheit zu Konferenzen oder Protesten.

Mit elf Jahren hörte Greta Thunberg auf zu sprechen und verweigerte die Nahrungsaufnahme. Sie habe unter einer ernsten Depression gelitten, erzählte ihr Vater, Svante Thunberg, der "Financial Times". Ihr Engagement für den Klimaschutz half Greta Thunberg, sich zu erholen.

Der unfreiwillige PR-Coup

Im Mai 2018 gewann Thunberg einen Schreibwettbewerb der Zeitung "Svenska Dagbladet" zur Umweltpolitik. Nach der Veröffentlichung des Beitrages kamen viele Kontakte zustande, die sie zu ihrem öffentlichen Handeln inspiriert hätten, sagt Thunberg.

Greta Thunberg
Am Anfang stand Greta Thunberg ganz alleine vor dem schwedischen Reichstag. Bildrechte: dpa

Am 20. August 2018 stellte sich die damals 15-Jährige mit einem Pappschild ("Schulstreik für das Klima") erstmals vor den schwedischen Reichstag. Das aus dem einzelnen Mädchen aber eine weltweite Bewegung werden konnte, verdankt Thunberg wohl Ingmar Rentzhog. Rentzhog ist Gründer der Aktiengesellschaft "We don't have time", einer Plattform, die nach eigenen Angabe "Druck auf Leader, Politiker und Unternehmen" ausüben möchte, um für das Klima zu agieren. Rentzhog hatte mit einem Fotografen als Erster Bilder von der streikenden Thunberg geschossen, diese mit dem Hashtag #wedonthavetime versehen und auf Facebook verbreitet. Außerdem machte er die örtlichen Medien auf das Mädchen aufmerksam.

Diese Beziehung ist die Grundlage für zahlreiche Gerüchte und Theorien über Greta Thunberg. In einschlägigen Artikeln wurde sie als PR-Marionette für "Propagandaorganisationen" bezeichnet. Tatsächlich war Thunberg eine Zeit lang Jugend-Berater für "We don't have time". Nachdem die Organisation ihren Namen ohne ihr Wissen in einem Prospekt verwendet hatte, gab Thunberg ihre Beraterposition auf und distanzierte sich in einem Facebook-Post von Rentzhog.

Zentrale Botschaft: Jeder kann etwas bewegen

Immer wieder betont Thunberg, in ihrer Meinung und ihrem Protest unabhängig zu sein, abgesehen davon, dass sie manche Wissenschaftler regelmäßig um Rat frage, wie sich Sachverhalte erklären ließen. Dieses unabhängige Vorgehen erklärt sie auch mit ihrer Asperger-Diagnose, eine Form des Autismus: Wäre sie ein "normaler" Mensch, hätte sie sich wohl in einer bestehenden Organisation engagiert. Da ihre sozialen Fähigkeiten aber weniger gut ausgeprägt seien, tat sie etwas allein gegen den Klimawandel.

Thunberg vertritt die Überzeugung, dass die Politik zu wenig für den Klimaschutz unternimmt. Das hält sie für unverantwortlich gegenüber jungen Menschen. Diese müssten nun selbst aktiv werden. Bezogen auf den Schulstreik sagte sie in einem Interview, Schüler müssten selbst entscheiden, ob sie streiken oder nicht. Für sie mache es aber keinen Sinn, in der Schule für eine Zukunft zu lernen, die nicht existieren werde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 15. März 2019 | 05:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2019, 06:00 Uhr