Maduro mit seiner Frau Flores bei einer Veranstaltung nach der Wahl in Venzuela.
Maduro mit seiner Frau Flores nach der Wahl in Venzuela. Bildrechte: dpa

Venezuela Maduro zum Sieger erklärt

Es waren noch nicht alle Stimmen ausgezählt, da hat die Wahlkommission den amtierenden Präsidenten in Venezuela, Maduro, zum Sieger erklärt. Die Opposition kündigte Widerstand an, der Westen erkennt das Ergebnis nicht an. Das ölreichste Land der Erde steckt in einer schweren wirtschaftlichen und humatitären Krise.

Maduro mit seiner Frau Flores bei einer Veranstaltung nach der Wahl in Venzuela.
Maduro mit seiner Frau Flores nach der Wahl in Venzuela. Bildrechte: dpa

Die Wahlkommission in Venezuela hat den amtierenden Präsidenten Nicolas Maduro zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen erklärte Kommissionschefi Tibisay Lucena, Maduro komme auf 67,7 Prozent der Stimmen, in absoluten Zahlen sind das rund 5,8 Millionen Stimmen. Sein Herausforderer Henri Falcon komme auf 21,2 Prozent. Für den Sozialisten stimmten demnach 1,8 Millionen Wähler.

Stimmberechtigt waren 20,5 Millionen Menschen. Die Wahlbeteiligung lag Lucena zufolge bei 46 Prozent. Die Opposition spricht hingegen von weniger als 30 Prozent. Bei der vorangegangenen Wahl hatten sich noch 80 Prozent der Venezuelaner an der Wahl beteiligt, diesmal aber hatte die Opposition zum Boykott der Abstimmung aufgerufen.

Maduro spricht von Neustart für Wohlstand

Maduro sprach in einer ersten Reaktion von einem "Sieg des Volkes". Auf Twitter schrieb er, der Frieden und die Demokratie hätten triumphiert. Das Volk sollte den Neustart feiern, der zu Wohlstand führe.

Opposition: "Für uns gab es keine Wahlen"

Sein einziger ernstzunehmender Rivale in der Abstimmung, Falcon, erkannte die Wahl wegen Unregelmäßigkeiten nicht an und forderte Neuwahlen. Auf einer Pressekonferenz sagte er: "Wir erkennen diesen Wahlprozess nicht als gültig, nicht als wahr an. Für uns gab es keine Wahlen". Nur mit Neuwahlen könne eine Antwort für die Venezolaner gefurnden werden, die an Hunger und an Krankheiten litten. Der Regierung warf er vor, Wähler unter Druck gesetzt oder gekauft zu haben.

Maduro hat die Wahl vorgezogen, die erst am Jahresende fällig gewesen wäre. Zahlreiche Länder und die Europäische Union wollen sie nicht anerkennen. Viele Gegner Maduros sitzen in Gefängnissen, wurden von der Wahl ausgeschlossen oder sind ins Ausland geflohen. Das Oppositionsbündnis MUD beklagte massive Behinderungen im Wahlkampf und befürchtet Wahlbetrug. Es boykottiert deshalb die Abstimmung.

Ein tief gespaltenes Land

Das südamerikanische Land steckt in einer schweren Krise. Dem Präsidenten wird vorgeworfen, die Demokratie auszuhebeln. Das Land ist tief gespalten zwischen Maduro-Anhängern und Gegnern. Im vergangenen Jahr kam es zu monatelangen Protesten, bei denen 125 Menschen getötet wurden. Das von der Opposition dominierte Parlament wurde von Maduro entmachtet. An seine Stelle wurde eine verfassungsgebende Versammlung eingesetzt. Die Opposition ist darin nicht vertreten. Die USA haben inzwischen viele Funktionäre mit Sanktionen belegt. Vom internationalen Finanzmarkt ist Venezuela weitgehend abgeschnitten.

Die Ölförderung - die wichtigste Einnahmequelle des Landes - ist in den vergangenen Jahren zusammengeschrumpft. Weil Devisen fehlen, kann das ölreichste Land der Welt kaum noch Lebensmittel und Medikamente einführen. Und die Abwärtsspirale ist noch lange nicht gestoppt. Der Währungsfonds rechnet für dieses Jahr mit einem weiteren Einbruch der Wirtschaftskraft um 15 Prozent und einer Geldentwertung von mehr als 13.000 Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Mai 2018 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2018, 11:10 Uhr

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5 Kommentare

21.05.2018 20:53 Schneemann-lieber "rechts" als käuflich 5

Passend dazu der Artikel: AI prangert staatlich verbreiteten Hass an. Soll wohl in Verbindung zu Venezuela gebracht werden, aber uns fallen dazu nur Pack, Mischpoke und Dunkeldeutschland ein.

Unglaublich auch, das die Wertegemeinschaft nur noch Wahlen und Demokratien anerkennt, die ihr ins Geschäft passen.

Wir hoffen, daß das venezolanische Volk durchhält und seine Bodenschätze der Gier des Westens vorenthält.

21.05.2018 14:02 L. Trommer 4

„Falcon, erkannte die Wahl wegen Unregelmäßigkeiten nicht an und forderte Neuwahlen.“ ??? +++ Wird sich Martin Schulz (SPD) der Argumentation des glühenden Demokraten Falcon anschließen und bezüglich der Bundestagswahl demnächst (endlich) erklären "Wir erkennen diesen Wahlprozess nicht als gültig, nicht als wahr an.“???

21.05.2018 11:43 part 3

Wieder ein Wahlergebnis das nicht in die Doppelmoral des Westens passt, handelt es sich bei Venezuela um ein Land das seine Ölvorräte nicht irgendwelchen Konzernen zur Ausbeutung überlässt. Der Handels- und Medienkrieg gegen diesen Staat wird deshalb mit unveränderter Härte weiter geführt. Im Gegensatz zu den USA traten hier keine Multimillionäre gegeneinander an. Sicher waren auch internationale Wahlbeobachtungskommissionen vor Ort, von denen man bisher nichts Negatives gehört hat.

21.05.2018 09:58 Roberto 2

@ 1: Und Kapitalismus funktioniert?

20.05.2018 17:47 Erik 1

Wieviele Versuche zur Erschaffung des wahren Sozialismus benötigt es noch, damit der "materialistische"*1 Teil der Menschen einsieht, daß Sozialismus nicht funktioniert?

1) für die jungen Leute "Dialektischer Materialismus", das war damals das durch Marx begründete Weltbild. Ich empfehle Marx zu lesen, das ist aus meiner Sicht die Anleitung zur Gründung einer Diktatur, die seit 100 Jahren in vielen Versuchen gescheitert ist. Heutzutage werden für diesen Religionsgründer wieder Statuen aufgestellt (05.05.2018 in Trier).