Spaniens König Felipe VI.
Während in Katalonien Hunderttausende Menschen gegen Polizeigewalt und die Unabhängigkeit der Region von Spanien demonstierten, hat Spaniens König Felipe VI. die katalanische Regionalregierung scharf kritisiert. Er warf ihr vor, die Einheit Kataloniens und Spaniens zu gefährden. Bildrechte: dpa

Nach Unabhängigkeitsreferendum König Felipe appelliert an protestierende Katalanen

Während in Katalonien Hunderttausende gegen Polizeigewalt und für die Unabhängigkeit der Region demonstrierten, meldete sich erstmals König Felipe VI. zu Wort. In einer TV-Ansprache kritisierte er die Regionalregierung.

Spaniens König Felipe VI.
Während in Katalonien Hunderttausende Menschen gegen Polizeigewalt und die Unabhängigkeit der Region von Spanien demonstierten, hat Spaniens König Felipe VI. die katalanische Regionalregierung scharf kritisiert. Er warf ihr vor, die Einheit Kataloniens und Spaniens zu gefährden. Bildrechte: dpa

Erstmals hat sich Spaniens König Felipe VI. in den Konflikt um das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien eingeschaltet. In einer TV-Ansprache an die Nation kritisierte er scharf die katalanische Regionalregierung.

"Regionalregierung bewegt sich außerhalb des Gesetzes"

Der Monarch warf ihr vor, mit ihrem Vorhaben, in den nächsten Tagen die Abspaltung von Spanien auszurufen, setze sie die wirtschaftliche und soziale Stabilität Kataloniens und ganz Spaniens aufs Spiel. Die Regionalregierung bewege sich außerhalb des Gesetzes und habe Katalonien mit ihren Aktionen entzweit.

Felipe verteidigt zudem die Zentralregierung. Angesichts dieser Situation von extremer Tragweite sei es die Pflicht der legitimen Staatsführung, die verfassungsmäßige Ordnung und das normale Funktionieren der Institutionen sicherzustellen. Auf die Polizeigewalt während des Unabhängigkeitsreferendums ging er nicht ein.

Der 49-Jährige zeigte sich aber überzeugt, die Krise überwinden zu können. Er wolle allen Spaniern eine Botschaft der Ruhe und der Hoffnung übermitteln. Ohne demokratischen Respekt gebe es kein friedliches Zusammenleben. Es liege in der Verantwortung des Staates, die verfassungsmäßige Ordnung sicherzustellen.

Schach auf der Autobahn

Am Dienstag hatten in Katalonien Hunderttausende Menschen gegen die Polizeigewalt beim Unabhängigkeitsreferendum demonstriert. Zudem lähmte ein Generalstreik die Region im Nordosten Spaniens.

Proteste gegen Polizeigewalt für Unabhängigkeit Katalonien, Barcelona. Ein Kind trägt am 03.10.2017 in Barcelona (Spanien) die Estelada, das Symbol der Unabhängigkeit.
Hundertausende Menschen haben in Katalonien gegen die Polizeigewalt während des Unabhängigkeitsreferendums protestiert. Bildrechte: dpa

In der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona war der Universitätsplatz zum Bersten voll. Am Nachmittag meldete die städtische Polizei 300.000 Demonstranten. Am Abend sprach sie dann sogar von 700.000 Teilnehmern an den Protesten. Die Menschen sangen die katalanische Nationalhymne und riefen: "Die Straßen gehören uns!" In Girona fanden sich mehr als 30.000 Menschen ein.

Auch in Reus und anderen Städten gab es große Demonstrationen. Bereits am Morgen blockierten Demonstranten Straßen und Autobahnen. Auf der Autobahn Richtung Frankreich stellten zwei Jugendliche einen Klapptisch auf und spielten Schach.

Kein Training bei Barca

Auch am Generalstreik, der von mehreren Gewerkschaften und anderen Organisationen ausgerufen wurde, beteiligten sich unter anderem Hafenarbeiter, Verkehrsbetriebe, Universitäten und Museen.

In Barcelona etwa blieben Schulen, Geschäfte, Büros und Cafés geschlossen. Beim Fußballklub FC Barcelona fiel das Training aus. Auch das Personal der Sagrada Familia, der berühmten Basilika in der Regionalhauptstadt, legte die Arbeit nieder.

Aufruf zum friedlichen Protest

Die Proteste verliefen friedlich. Die 10.000 von der spanischen Zentralregierung entsandten Polizisten blieben fast alle in den Unterkünften. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hatte die Demonstranten aufgerufen, bei den Protesten friedlich zu bleiben. Auf Twitter ermahnte der 54-Jährige seine Landsleute, sich nicht provozieren zu lassen.

Hotels werfen Polizisten raus

Ein spanischer Nationalpolizist schießt in Barcelona mit Gummigeschossen auf Menschen, die zu einer von katalanischen Regierung zum Wahllokal bestimmten Schule wollen
Spanische Nationalgardisten hatten unter anderem mit Gummigeschossen auf Menschen gefeuert, die zu Wahllokalen wollten. Bildrechte: dpa

Zu dem Aktionstag hatten dutzende Gewerkschaften und andere Organisationen aufgerufen. Die beiden größten Gewerkschaftsverbände Spaniens, CCOO und UGT, hatten sich ursprünglich dem Aufruf angeschlossen, zogen aber ihre Teilnahme am Montag zurück.

Offiziell geht es bei dem Ausstand um die Polizeigewalt während des gerichtlich verbotenen Unabhängigkeitsreferendums vom Sonntag. Dabei waren knapp 900 Menschen verletzt worden.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in Katalonien zahlreiche Proteste gegen die spanische Polizei gegeben. Unter anderem wurden Hotels, in denen von Madrid entsandte Beamte untergebracht sind, von Demonstranten belagert. Einige Hotels an der Küste weigerten sich, Polizisten zu beherbergen.

Regionalregierung besteht auf Unabhängigkeit

Inoffiziell geht es beim Generalstreik aber um die Unabhängigkeit von Spanien. Bei dem gerichtlich untersagten Referendum hatten am Sonntag nach Angaben der Regionalregierung rund 90 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei 42 Prozent.

Nach dem Referendum hatte der Regierungschef Puigdemont die Ausrufung der Unabhängigkeit Kataloniens angekündigt. Zugleich betonte er die Notwendigkeit einer Vermittlung.

Gegner kündigen ebenfalls Proteste an

Die Zentralregierung hatte betont, das Referendum sei nach der Verfassung vollkommen illegal. Sie hatte die Polizei angewiesen, die Wahl zu verhindern. So wurden Wahlzettel und Wahlurnen vorab beschlagnahmt und Wahlbüros besetzt.

Unterstützung bekommt die Regierung in Madrid am kommenden Sonntag. Gegner der katalanischen Unabhängigkeit haben an diesem Tag eine große Demonstration gegen die Abspaltung von Spanien angekündigt. Àlex Ramos, Vizepräsident der zivilen Organisation Societat Civil Catalana sagte, es gehe darum, "Basta" zu dem ganzen Prozess zu sagen und wieder die Vernunft zurückzugewinnen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 03.10.2017 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2017, 22:25 Uhr

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7 Kommentare

05.10.2017 06:59 H.E. 7

Was mich an seiner Rede gestört hat, daß er kein Wort zu der brutalen Vorgehensweise der Bundespolizei, die Madrid unterstellt ist, gesagt hat. So etwas spaltet noch mehr!

04.10.2017 14:16 KritischeStimme 6

2004 Wurden Baltischen Staaten i/d EU aufgenommen wo jetzt noch in Estland+Letland 330.000 Einwohner keine normalen Buergerrechte haben,koennen nicht an Wahlen+Buergerfunktionen teilnehmen.2014 Wurde mit der Ukraine einen Beitrittsantrag unterzeichnet ohne zu verlangen das der Status der veraengstigten russischen Minderheit im Osten geloest wird(schon 1,5 mio Fluechtlinge),i/d Moldau wurden Wahlen organisiert fuer einen EU-Beitrittsantrag+kurz bevor wurde eine groessere (russische) politische Partei v/d Wahl ausgeschlossen.Natuerlich hat man 3-5 Jahre zuvor im US-NatoHauptquartier die Moeglichkeiten fuer Osteuropa extrapoliert.2012 Erhielt die EU den NobelFriedensPreis mit Begruendung aus Europa ein Kontinent des Friedens gemacht zu haben,waehrend man gerade den Keim fuer Unruhen gesaeht hat.Kosovo bekam 2008 Unabhaengigkeit ohne Referendum was 2017 Kalalonien verweigert wird nach Referendum m 90% JaStimmen.Weiteres moegliche Unabhaengigkeitsreferendum 2017 Venetien,Italien

03.10.2017 22:40 Markus 5

Klar, der König will ganze Spanien für sich. Das ist absolut normal. Es gab noch nie ein König, der freiwillig etwas frei gab. Spanische König hat schon keine reale Macht, aber Gewohnheit... Ein König bleibt König...

03.10.2017 20:44 Qwerleser 4

Tja Werner wenn zwei das selbe wollen ist es immer noch nicht gleich. Die Katalanen wollen aus einem demokratischen Staat innerhalb der EU ausscheren, dass geht gar nicht! Stellen Sie sich vor die Völker Europas würden sich selbst bestimmen! Wir hätten dann mit Korsika, Flandern, Schottland, Basken, Sardinien, vieleicht sogar Venetien fünf neue Staaten außerhalb der EU Direktion! Undenkbar! Souveränität ja, aber bitte nicht in westlichen Demokratien. Nur da wo es der EU Direktion nützt.
Und wir müssen den Bewohnern drohen. Mit Isolation und Armut. Denn Kleinstaaterei geht gar nicht. Siehe Schweiz, Luxemburg und Dänemark.

03.10.2017 18:28 Atheist aus Mangel an Beweisen 3

Werner 2
Werner setzen 1 mit Stern
Ich kenne mich nicht so genau aus aber was ich so lese ist die Tatsache das ein gebürtiger Ungar in Katalonien einen großen Enfluß haben soll - von daher kann ich mich da nicht so recht entscheiden.

03.10.2017 17:39 Werner 2

Eine der Konsequenzen aus "Katalonien": "„Wie konnten 22 EU-Mitglieder diese Abtrennung anerkennen – entgegen dem Gemeinschaftsrecht und jener Politik, auf der die EU gründet? Warum darf Kosovo, Katalonien aber darf nicht? Das ist das schlimmste Beispiel von Doppelmoral in der Weltpolitik“ sagte der serbische PRÄSIDENT Aleksandar Vucic im Zusammenhang mit der Volksabstimmung in Katalonien...Als es 2008 um die Abspaltung Kosovos ging, habe die EU-Kommission anerkannt, es sei rechtens, die territoriale Integrität Serbiens zu verletzen. Jetzt aber setze sich die EU dafür ein, dass Spaniens territoriale Integrität gewahrt werden müsse... Die Expertin betont zudem, die Pflicht, Entscheidungen zu PRÜFEN und zu REVIDIEREN, liege dem Völkerrecht zugrunde, weil alle Staaten gleichberechtigt seien. Indes hat auch die serbische Premierministerin Ana Brnabic erklärt, sie werde DIESES THEMA bei den ANSTEHENDEN Gesprächen in Brüssel ansprechen." Sputniknews 03.10.17

03.10.2017 16:58 Peter Finger 1

Der MDR sollte einmal recherchieren, welche personellen Verflechtungen es zwischen den immer noch vorhandenen Franko-Anhängern und der konservativen Regierungspartei gibt. Auch sollte die Guardia Cevil untersucht werden, welche Verbindungen es zu Franco gibt.