Neben einem Feuer wirft ein Demonstrant bei Ausschreitungen einen Gegenstand.
In Barcelona legten Randalierer Feuer. Bildrechte: dpa

Katalonien Barcelona erlebt erneut Nacht der Gewalt

Die katalanische Regionalhauptstadt Barcelona hat eine weitere Nacht mit Krawallen erlebt. Randalierer legten Feuer und griffen Polizisten an. Mehr als 180 Menschen sollen verletzt worden sein. Zuvor hatten rund 500.000 Menschen friedlich demonstriert. Die katalanische Regionalregierung berief eine Krisensitzung ein.

Neben einem Feuer wirft ein Demonstrant bei Ausschreitungen einen Gegenstand.
In Barcelona legten Randalierer Feuer. Bildrechte: dpa

In Barcelona ist es in der fünften Nacht in Folge zu Krawallen gekommen. Randalierer errichteten am Abend Barrikaden und warfen Steine und Feuerwerkskörper auf Polizisten. Medienberichten zufolge entzündeten junge Demonstranten zudem in der Nähe der Polizeizentrale von Barcelona ein riesiges Feuer. Es sei dicker schwarzer Rauch aufgestiegen. Die Polizei habe Tränengas, Gummigeschosse und erstmals auch Wasserwerfer eingesetzt.

Rettungskräfte sprachen zunächst von 60 Verletzten. Im Laufe des Samstag wurden die Zahlen deutlich nach oben korrigiert. Inzwischen ist von mehr als 150 Verletzten in Barcelona die Rede. In anderen Städten Kataloniens soll es etwa 30 Verletzte gegeben haben. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums wurden mehr als 80 Menschen festgenommen.

Katalanischer Innenminister schockiert

Der katalanische Innenminister Miquel Buch sagte in einem Fernsehinterview, eine solche extreme Gewalt habe es in Katalonien noch nie gegeben. Die Randalierer seien keine Separatisten, sondern Gewalttätige. Sie würden es nicht schaffen, die Befürworter der Unabhängigkeitsbewegung "zu besudeln".

Nach einer Krisensitzung am Samstag rief die Regionalregierung die Regierung in Madrid zu Verhandlungen auf. Ministerpräsident Pedro Sánchez müsse umgehend einen Termin für Gespräche "ohne Vorbedingungen" nennen, sagte der katalanische Regionalpräsident Quim Torra. Mit seiner Forderung zielt Torra auch auf ein neues Unabhängigkeitsreferendum ab, das die spanische Zentralregierung allerdings kategorisch ablehnt.

Die Regierung in Madrid erklärte, sie sei stets bereit "für einen Dialog im Rahmen der Gesetze". Sie forderte den katalanischen Regionalpräsidenten auf, die Gewalt in der Region "aufs Schärfste zu verurteilen".

Zunächst friedliche Massenkundgebung

Vor den Randalen hatten rund eine halbe Million Menschen friedlich in Barcelona demonstriert. Sie forderten die Freilassung der verurteilten Unabhängigkeitsbefürworter sowie das Recht auf Selbstbestimmung der Katalanen.

Zudem beteiligten sich Tausende Menschen an einem Streikaufruf der Gewerkschaften. Am Flughafen von Barcelona wurden Flüge gestrichen, die Oper sagte eine für den Abend geplante Aufführung ab. Die weltberühmte Gaudí-Kathedrale Sagrada Família wurde für Besucher geschlossen.

Anlass für die Großkundgebung und den Generalstreik waren die Urteile gegen neun Anführer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Der Oberste Gerichtshof in Spanien hatte sie Anfang der Woche zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Oktober 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 07:17 Uhr

4 Kommentare

Leachim-21 vor 4 Wochen

nach meiner Meinung nach war es ein sehr großer Fehler der Zentralregierung in Madrid das Referendum zu untersagen. man hätte es durch führen sollen und für die Einheit sprechen sollen. denn in dieser Woche und auch davor wurde berichtet die Unabhängigkeitsbefürworter hätten nur was bei 45% . somit wäre es fraglich ob das Referendum für Sie ausgegangen wäre. man hätte nur die Menschen dazu bringen sollen zur Abstimmung zu gehen und somit wären diese Bilder der letzten 5 Tage nicht gewesen oder liege ich da etwa falsch.

GerdMueller vor 4 Wochen

Macht kaputt, was euch kaputt macht! Das kommt in Deutschland auch noch, wenn die soziale Hängematte nicht mehr zu finanzieren ist.
Ich freu mich drauf.

kennemich vor 4 Wochen

Schau mal heut z.B. nach NRW.