Eine Menschenmenge steht um einen schwarzen Sarg mit Blumen.
Ein Sarg steht symbolisch für die Niederschlagung des Prager Frühlings. Ihn hatten am Mittwoch Demonstranten nahe der Prager Burg aufgestellt. Bildrechte: imago images / CTK Photo

Nach 51 Jahren Demonstranten erinnern an Niederschlagung von Prager Frühling

Seit über einem Jahr regiert in Tschechien eine Minderheitsregierung, toleriert von der Kommunistischen Partei. Das trieb am Mittwoch Tausende auf die Straße, wo vor 51 Jahren der Prager Frühling niedergeschlagen wurde.

Eine Menschenmenge steht um einen schwarzen Sarg mit Blumen.
Ein Sarg steht symbolisch für die Niederschlagung des Prager Frühlings. Ihn hatten am Mittwoch Demonstranten nahe der Prager Burg aufgestellt. Bildrechte: imago images / CTK Photo

Mehrere Tausend Menschen haben in Prag gegen die Tolerierung der Regierung durch die Kommunisten demonstriert. Anlass war der 51. Jahrestag des Einmarschs der Warschauer-Pakt-Truppen in die damalige Tschechoslowakei und der Niederschlagung des Prager Frühlings. Zum Protest aufgerufen hatte die Bürgerbewegung "Eine Million Augenblicke für Demokratie". Sie erklärte, die Ereignisse von damals seien auch heute aktuell. Die Demonstranten hielten Schilder hoch, auf denen unter anderem stand "Nach 50 Jahren demonstriere ich wieder - für die Demokratie".

Minderheitskabinett von Kommunisten toleriert 

Das tschechische Minderheitskabinett, das aus der populistischen ANO von Ministerpräsident Andrej Babiš und der sozialdemokratischen CSSD besteht, ist die erste Regierung seit dem Ende des Kommunismus 1989, die auf die parlamentarische Unterstützung der Kommunistischen Partei (KSCM) angewiesen ist. Seit über einem Jahr ist diese Regierung an der Macht.

Der Multimilliardär Babiš war zudem vor der Wende von 1989 Mitglied der Kommunistischen Partei. Im Juni hatten Hunderttausende Menschen bei Protesten in Prag seine Absetzung verlangt.

Bei einer Demonstration werden ein Papp-Schild und eine Tschechische Flagge hochgehalten.
Bei einer Demonstration wird ein Papp-Schild hochgehalten, in Erinnerung an die Ereignisse vom 21. August 1968. Bildrechte: dpa

Blutige Niederschlagung des Prager Frühlings

Vor genau 51 Jahren – in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 - waren Truppen des Warschauer Pakts in die verbündete Tschechoslowakei einmarschiert, um die Hoffnung auf einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu zerschlagen. Der Erste Sekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, Alexander Dubček, war die Symbolfigur des sogenannten Prager Frühlings. Er hatte 1968 die Pressezensur aufgehoben, Rede- und Versammlungsfreiheit wurden eingeführt, Reisen ins westliche Ausland erlaubt.

Als am Morgen des 21. August 1968 die Panzer auf Prag zurollten, versuchten die Bürger der ČSSR ihre neu errungene Freiheit zu verteidigen. Ihr friedlicher Protest wurde von den Soldaten der Warschauer-Pakt-Staaten blutig niedergeschlagen. Dubček und andere führende Parteimitglieder wurden nach Moskau entführt und gezwungen, das "Moskauer Protokoll" zu unterschreiben. Es sah die Aufhebung fast aller Reformprojekte vor.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. August 2019 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 21:19 Uhr