Seenotretter "Lifeline"-Prozess: Kosten von einer Viertelmillion Euro

Nach der Berufung gegen das Urteil im Prozess gegen Kapitän Claus-Peter Reisch bleibt das Schiff weiter im Hafen von Valletta. Das kostet laut "Mission Lifeline" jeden Tag 500 Euro. Es ist seit Juni 2018 festgesetzt.

Das Seenotrettungsschiff "Lifeline" ist auch nach der Urteilsverkündung im Prozess gegen Kapitän Claus-Peter Reisch weiter festgesetzt. Die durch das Gericht erfolgte Freigabe ist aufgehoben, da Reisch gegen das Urteil Revision eingelegt hat. "Die Berufung kann bis zu einem Jahr dauern", erklärt "Mission Lifeline"-Sprecher Axel Steier gegenüber MDR-exakt. Die Kosten für das Schiff werden so weiter steigen.

Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Geht gegen das Urteil in Berufung: "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch. Bildrechte: dpa

Insgesamt habe die Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline" mit "Prozessfolgekosten von etwa einer Viertelmillionen Euro" zu kämpfen, erklärt Steier. Zwar habe es die durch Jan Böhmermann initiierte Spende 200.000 Euro für den Prozess gegeben, doch die seien inzwischen fast aufgebraucht. "Allein die Liegegebühr für die ´Lifeline´ beträgt pro Tag über 200 Euro", sagt Steier. Insgesamt würden die Kosten etwa 500 Euro pro Tag betragen.

Erstes Urteil im Zusammenhang mit Seenotrettung

Reisch soll laut Urteil 10.000 Euro an lokale Hilfsorganisationen zahlen, weil er das Schiff "Lifeline" vergangenen Sommer ohne ordnungsgemäße Registrierung gesteuert habe. "Das Urteil ist hanebüchen. Es ist klar, dass das ein politisches Urteil ist, es hat nichts mit Recht zu tun", sagt Steier. Es sei das erste Mal, dass in der EU jemand im Zusammenhang mit der Rettung von Migranten auf See verurteilt worden sei. Gegen den Kapitän war Anklage erhoben worden, kurz nachdem er mit der "Lifeline" im Juni 2018 im Hafen von Valletta mit 234 geretteten Migranten anlegte. Seitdem wird das Schiff auf Malta festgehalten

Dennoch will "Mission Lifeline" Anfang Juni mit einem neuen Schiff zur nächsten Seenotrettungs-Mission aufbrechen. Dies konnte durch weitere Spenden finanziert werden. "Welches Schiff das ist, wo es steht und unter welcher Flagge es fahren wird, ist noch ein Geheimnis", sagt Steier. Er befürchtet, dass das Schiff sonst noch vor dem Auslaufen festgesetzt wird. Nur so viel: es sei ein wenig kleiner als die "Lifeline", was vor allem Kostengründe habe.

Gedenktafel für ertrunkene Flüchtlinge enthüllt

"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch mit dem Erzbischof von Malta, Charles Scicluna
"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch trifft den Erzbischof von Malta, Charles Scicluna, um eine Gedenktafel für ertrunkene Flüchtlinge zu enthüllen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Kapitän der "Lifeline" wird aufgrund des weiter laufenden Verfahrens voraussichtlich nicht an Bord des neuen Schiffes sein. Claus-Peter Reisch hatte einen Tag nach der Urteilsverkündung gemeinsam mit dem Erzbischof von Malta, Vertretern des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und maltesischen Hilfsorganisationen auf einem Friedhof in Malta eine Gedenktafel für ertrunkene Flüchtlinge enthüllt. Diese erinnert an 24 Menschen, die bei einem der größten Schiffsunglücke im Mittelmeer starben und anonym auf dem Friedhof beerdigt wurden.

Im April 2015 war ein völlig überfülltes Flüchtlingsschiff zwischen Libyen und Lampedusa gesunken. Nur 28 Menschen wurden gerettet, es starben offenbar mehr als 500. Die meisten Leichen wurden erst ein Jahr später geborgen, als Italien das Wrack des ehemaligen Fischkutters vom Meeresgrund holen ließ. Wie viele Menschen an Bord waren, wird sich wohl nie vollständig klären lassen. Überlebende berichteten, es seien deutlich mehr als 500 gewesen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 15. Mai 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2019, 16:31 Uhr