Verschwörungstheoretiker QAnon-Anhänger kandidieren für US-Kongress

Bei Trump-Wahlveranstaltungen gehören sie zum harten Kern: Die Anhänger der Verschwörungstheorie QAnon. Ein paar Dutzend von ihnen wollen ihrem Idol jetzt sogar in die Politik folgen. Sie kandidieren im November für den Kongress.

Marjorie Taylor Greene lässt sich von ihren Anhängern feiern: Die Geschäftsfrau aus Georgia ist als Kandidatin für den US-Kongress nominiert worden. Mit sehr guten Aussichten: Ihr ländlicher Bezirk im Norden von Atlanta ist fest in republikanischer Hand.

Die Fake Media, der Sumpf in DC, das politische Establishment hätten versucht sie zu verhindern, ruft die platinblonde Mit-Vierzigerin: "Aber wir sind mehr als die." Greene hat den Philanthropen George Soros als "Nazi" und die Top-Demokratin Nancy Pelosi als "Bitch", als Hure, verunglimpft. Sie behauptet, dass es eine islamische Invasion der US-Regierung gibt. Und: Greene ist Anhängerin der Verschwörungsbewegung QAnon.

Mehr als 70 Kandidaten

Der Gründer der Bewegung, der ominöse Q, sei ein Patriot, der mit ihnen voll auf Linie liege und auch pro-Trump sei, so Greene in einem You-Tube-Video von 2017, das sie inzwischen gelöscht hat. Greene ist eine von über 70 republikanischen Kandidaten, die QAnon mehr oder weniger offen und intensiv anhängen. Und eine der knapp 20, die von den Wählern ihrer Partei bislang auch tatsächlich nominiert wurde.

QAnon entstand 2017 in einem anonymen Chatroom, erklärt Joe Uscinski im Skype-Interview. Der Professor von der Universität von Miami studiert seit zehn Jahren Verschwörungstheorien und politische Randgruppen. Er erklärt die Hintergründe der Bewegung so: "Diese Person oder diese Personen haben behauptet, für Trump zu arbeiten. Der sei dabei, einen satanischen, Baby-fressenden Prostitutionsring zu bekämpfen, der Teil des Staats im Staate sei. Und dass er bald all die Mitglieder dieser Kabale festnehmen und nach Guantanmo bringen werde, um sie dort wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufzuhängen."

Eine Frau hält ein Plakat
Anhängerin von QAnon Bildrechte: imago images/UIG

Das FBI stufte die Bewegung im vergangenen Jahr als potenzielle inländische Terrororganisation ein. Einige Anhänger wurden wegen verschiedener Gewaltdelikte festgenommen. Einer steht in New York wegen Mord vor Gericht. Er hatte einen Mafia-Boss erschossen. Um Trump zu helfen, wie er angab.

Trump als Held

Verschwörungsexperte Uscinski warnt davor, QAnon als ultra-rechts abzustempeln. Umfragen würden zeigen: Dreiviertel der Amerikaner hätten nie von davon gehört. Unter den vielen Verschwörungstheorien sei QAnon eine der unbeliebtesten – und von ihren relativ wenigen Anhängern würden sich genauso viele als Demokraten wie als Republikaner bezeichnen. "Das einzige, was die Bewegung konservativ oder republikanisch macht, ist, dass Trump ihr Held ist. Aber die Republikaner an sich lieben die QAnon-Leute nicht. Im Gegenteil: Einige von denen würden sie am lieben aufknüpfen", sagt Uscinski.

Der US-Präsident hat mit diesen Unterstützern offenbar gar kein Problem. Im Gegenteil: fast 200 Tweets von QAnon-Anhängern hat der Präsident schon weitergeleitet und einen zu sich ins Weiße Haus eingeladen. Bei seinen Wahlkampfveranstaltungen gehört das Q auf Postern, T-Shirts und Kappen längst dazu. Und Greene, die Q als Patrioten pries, sagte dem Präsidenten eine große Zukunft in ihrer Partei voraus.

Bündnis gegen "Establishment"

Den Verschwörungsexperten Uscinski wundert die Einschätzung Trumps nicht: "Er hat noch nie eine Verschwörungstheorie ausgelassen. Und manche, die er unterstützt, sind noch verrückter als diese. Und der Grund ist, dass er eine Koalition von Leuten gebildet hat, die Anti-Establishment sind und einen starken Hang zu Verschwörungstheorien haben. Die haben ihn ins Amt gebracht – und jetzt muss er mit ihnen weitertanzen."

Dass deshalb aber die gesamte republikanische Partei in Gefahr sei, von QAnon-Anhängern unterwandert zu werden, glaubt Usinski nicht. Selbst wenn tatsächlich ein paar von ihnen ab November im US-Kongress sitzen werden. Marjorie Green, die QAnon-Kandidatin aus Georgia sieht das ganz anders. Wenn die Republikaner im Herbst gewinnen wollten, dann müssten sie auf Politikerinnen wie sie hören. Sie spreche für die schweigende Mehrheit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. September 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

MDR-Team vor 4 Wochen

Lieber Karl Schmidt,
Ironie funktioniert im Internet leider nur bedingt. Wir möchten explizit nochmal darauf hinweisen, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 kein "harmloser Schnupfen" ist, auch wenn dieser Sachverhalt abseits des eigentlichen Themas ist und wir an dieser Stelle darüber nicht weiter diskutieren möchten.
Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Karl Schmidt vor 4 Wochen

Dort wo Sie lesen können, dass Trump der 1. US-Präsident ist, der keinen Krieg irgendwo angezettelt hat, können Sie wiederum nicht lesen, dass Trump bereits die 4fache Todeszahl der gefallenen US-Amerikaner im Vietnam-Krieg „erreicht“ hat. Und das ausnahmsweise im eigenen Land!
Er brauchte dazu nur einen „harmlosen“ Schnupfen. Der gute & friedfertige……

Sein privater Twitteraccound dient lediglich dem "Selbstbashing". Heute so, morgen so....

wo geht es hin vor 4 Wochen

Immer öfter habe ich den Eindruck, dass wir Menschen hier in Deutschland den Präsidenten der USA wählen - zumindest, wenn ich mir das tägliche Trumpbashing hier so reinziehe und in den Medien damit so getan wird, als ob wir hier irgend einen Einfluss auf diese Wahl hätten. Und nach Meinung der hiesigen Medien sind Trumpanhänger eben Verschwörungstheoretiker (oder stehen denen wenigstens nahe), Verrückte, Polizeigewalt unterstützende Nazis, Rassisten und was was weis ich nicht noch so alles. Der klare Sieger kann nur Biden heissen. Bei dem Gedanken und den "Umfragen" erinnere ich mich komischerweise wieder an eine strahlende Wahlsiegerin Clinton bei der letzten US - Wahl. Selbst einen Tag vor der Wahl veröffentlichte der Ö/R eine Umfrage Trump vs Clinton mit dem Ergebnis 13:87 %. Aber da war ja noch was....Richtig: der dabei störende US - Wähler! PS: Ich habe hier noch nie lesen dürfen, dass Trump seit Ewigkeiten der 1. US - Präsident ist, der keinen Krieg irgendwo angezettelt hat.