Russische Nationalflagge
Bislang gibt es mehr Spekulationen als gesicherte Informationen zum tödlichen Raketentest im Norden Russlands. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Sewerodwinsk Rätsel um Russlands Raketenunglück

Das tödliche Unglück bei einem Raketentest im Norden Russlands gibt weiter Rätsel auf. Bewohner eines nahegelegenen Dorfes sollen am Mittwoch ihren Wohnort verlassen. Diese versichern, das sei reine Routine.

Russische Nationalflagge
Bislang gibt es mehr Spekulationen als gesicherte Informationen zum tödlichen Raketentest im Norden Russlands. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Auch knapp eine Woche nach der Explosion eines Raketenmotors im Norden Russlands gibt es weiter Spekulationen über Hintergründe und Folgen. Die Bewohner des Dorfes Njonoksa in der Nähe des Testgeländes sollen offenbar am Mittwoch ihren Wohnort verlassen. Russische Medien berichteten unter Berufung auf Dorfbewohner, sie seien vom örtlichen Militär dazu aufgefordert worden.

Das Archangelsker Online-Portal 29.ru zitierte zugleich Dorfbewohner, es gehe dabei um planmäßige Arbeiten und passiere regelmäßig, circa einmal im Monat. Bisher seien auch immer einige zu Hause geblieben. Diesmal würden wohl alle fahren. Auch die Stadt Sewerodwinsk hatte den Dorfbewohnern empfohlen, ihre Häuser während der Arbeiten auf dem Testgelände vorübergehend zu verlassen.

Wetterdienst berichtet über erhöhte Strahlung

Unterdessen  informierte  der russische Wetterdienst Rosgidromet, dass bei der Explosion mehr radioaktive Strahlung freigesetzt worden sei, als bislang bekannt gegeben wurde. Der natürliche Wert sei in der Spitze um das 16-Fache überschritten worden. Erhöhte Werte seien innerhalb von zwei Stunden gemessen worden. Den Spitzenwert gab der Wetterdienst mit 1,78 Mikrosievert pro Stunde an. Laut der Weltgesundheitsbehörde WHO steigt das Krebsrisiko jedoch erst ab einem Wert von 50.000 Mikrosievert. Auch Greenpeace erklärte, der Wert als solcher sei nicht dramatisch. Es komme vielmehr darauf an, welche strahlenden Stoffe freigesetzt worden sein. Dazu gebe es aber keine offiziellen Angaben.

Tote bei Raketentest

Am vergangenen Donnerstag war es bei einem Raketentest in der Nähe der Hafenstadt Sewerodwinsk nahe Archangelsk zu einer Explosion auf einer Plattform im Meer gekommen. Mehrere Menschen kamen ums Leben. Der Atombehörde Rosatom zufolge war der Treibstoff in Brand geraten. US-Spezialisten vermuteten, dass Russland an einer neuen atomar betriebenen Rakete arbeitet. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte im vergangenen Jahr neue Waffen angekündigt, darunter einen atomgetriebenen Marschflugkörper. 

Ob es sich bei dem Test, wie von den USA vermutet, um den von der Nato als SSC-X-9 "Skyfall" bezeichneten Marschflugkörper gehandelt hat, blieb unklar. Rosatom-Chef Alexej Lichatschow hatte bei der Trauerfeier für die getöteten Experten lediglich gesagt, die Arbeit an neuen Waffentypen werde zu Ende geführt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. August 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 18:53 Uhr