Ramelow vor der Ost-Ministerpräsidentenkonferenz
Will eine neue Nationalhymne: Bodo Ramelow Bildrechte: dpa

Vor dem Jubiläum Ramelow wirbt für neue Nationalhymne

30 Jahre nach dem Mauerfall ist es nach Ansicht von Thüringens Ministerpräsident Ramelow Zeit für eine neue Nationalhymne. Viele Ostdeutsche würden die jetzige nicht mitsingen. Er wünsche sich ein wirklich gemeinsames Lied. Widerspruch kommt von seinem sächsischen Amtskollegen.

Ramelow vor der Ost-Ministerpräsidentenkonferenz
Will eine neue Nationalhymne: Bodo Ramelow Bildrechte: dpa

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für eine neue Nationalhymne ausgesprochen. Der Linken-Politiker sagte der "Rheinischen Post", er singe zwar die dritte Strophe des Deutschlandlieds mit, könne aber "das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden".

Ramelow: Viele Ostdeutsche singen nicht mit

Auch viele Ostdeutsche würden die Hymne nicht mitsingen, sagte Ramelow. "Ich würde mir wünschen, dass wir eine wirklich gemeinsame Nationalhymne hätten." Bisher habe dieser Wunsch "leider immer nur für empörte Aufregung gesorgt". Ramelow plädierte für "etwas ganz Neues" - "einen neuen Text, der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: Das ist meins".

Verweis auf Brechts Kinderhymne

Ramelow verwies auf den Runden Tisch der DDR. Dieser habe 1990 vorgeschlagen, mit der Wiedervereinigung auf beide bestehenden Hymnen zu verzichten und gemeinsam eine neue zu wählen – nämlich die Kinderhymne von Bertolt Brecht. Dieser hatte 1950 unter dem Titel "Anmut sparet nicht noch Mühe" unter anderem gedichtet: "Und nicht über und nicht unter andern Völkern woll'n wir sein".

Kretschmer: Ich singe die Hymne sehr gern

Michael Kretschmer
Will die jetzige Hymne behalten: Sachsens Ministerpräsident Kretschmer Bildrechte: dpa

Widerspruch erntete Ramelow von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Der CDU-Politiker erklärte: "Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Emotionen bei unserer Nationalhymne sind. Ich singe sie sehr gern und verbinde damit genau diesen großartigen Teil unserer Geschichte - die friedliche Revolution, Helmut Kohl und die Deutsche Einheit." Gerade für die Ostdeutschen habe die Hymne eine besondere Bedeutung.

Junge Union: Ramelow will Bekenntnis zu Nation umdeuten

Auch der Vorsitzende der Jungen Union Thüringen, Stefan Gruhner, wies Ramelows Forderung zurück: "Herrn Ramelow geht es offenkundig darum, Traditionen und Bekenntnisse zu unserer nationalen Identität im Sinne einer linken Geschichtsschreibung zu verändern und umzudeuten", erklärte Gruhnert alaut einer Mitteilung in Erfurt. Einigkeit und Recht und Freiheit seien die Werte, für die die Menschen 1989 auf die Straße gegangen seien: "Es gibt keinen Grund dies in Frage zu stellen."

Haseloff: Es gibt wichtigere Themen

Reiner Haseloff
Reiner Haseloff: Energiewende und Mietpreisentwicklung sind wichtiger Bildrechte: CDU Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hält Ramelows Vorschlag für überflüssig: "Wir sollten uns den Themen zuwenden, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht, wie zum Beispiel der Energiewende oder der Mietpreisentwicklung", erklärte der CDU-Politiker: "Als Ostdeutscher sage ich, der Inhalt der Nationalhymne ist ein Grund gewesen, der Bundesrepublik beizutreten. Denn für diese galt: 'Einigkeit und Recht und Freiheit'"

Debatte um Hymne nach AfD-Treffen

Die Debatte um die Nationalhymne wurde jüngst wieder angefacht, nachdem mehrere Medien über ein Treffen der AfD-Gruppierung "Der Flügel" im bayerischen Greding berichtet hatten, wo zum Schluss alle drei Strophen des Deutschlandliedes gesungen wurden. Laut einem Video stimmte der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke bei der zweiten Strophe in den Gesang ein.

Lied der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben

Das "Lied der Deutschen" wurde 1841 von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gedichtet und in der Weimarer Republik zur Nationalhymne gemacht. Die Nationalsozialisten ließen lediglich die erste Strophe mit der Zeile "Deutschland, Deutschland über alles" singen. Nach Gründung der Bundesrepublik einigten sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und Bundespräsident Theodor Heuß darauf, die dritte Strophe "Einigkeit und Recht und Freiheit" als Nationalhymne zu verwenden. Gesetzlich verboten ist das Singen der ersten Strophe nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Mai 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2019, 15:27 Uhr

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150 Kommentare

11.05.2019 19:01 Johanna 150

Mir gefällt die übliche Version der deutschen Nationalhymne mit ihrer feierlichen Melodie sehr. Ich singe sie anlassbezogen mit emotionaler Beteiligung und fühle mich gut dabei. Selbstverständlich trete ich jederzeit für die demokratische Grundordnung und dafür ein, dass sich die NS-Verbrechen nicht mehr wiederholen können. Herrn Ramelows Äußerung ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. Ich finde sie allerdings befremdlich. Aber so oder so, ich gehöre nicht zur Wählerschaft seiner Partei.

11.05.2019 18:04 eigentlich 149

brauchen wir in unserem Land keine neue Hymne, es scheint jedoch, dass Thüringen "reif" für einen neuen Ministerpräsidenten ist.

11.05.2019 16:38 na dann 148

vielleicht eine, in deren Text " Messerfreie Zonen" vorkommt?
Denn wie schrieb hier ein user sinngemäß?
Die Hymne sollte die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse widerspiegeln.....

11.05.2019 16:25 Fragender Rentner 147

Wie wäre es mit dem Lied, ein Vöglein kommt geflogen und setzt sich ... .

War doch bzw. ist doch auch ein schönes Lied. :-)

11.05.2019 10:50 Lisa 146

@145

Die Werte sind geblieben nur haben sich die Grenzen verschoben, oder auch nicht

Dann nehmen wir das Lied der Deutschen mit allen 3 Strophen und ersetzen Deutschland durch Europa, dann passt das wieder.

10.05.2019 20:15 Ulf 145

Ramelow kann für eine neue Nationalhymne werben. Die Hymne ist überholt und passt nicht mehr recht in die heutige Zeit. Die Gesellschaft lebt davon, dass sie sich ständig wandelt und so sollte der Wandel auch nicht vor der Nationalhymne halt machen. Auch die Werte haben sich verändert. Dies kann in einer neuen Nationalhymne zum Ausdruck kommen.

10.05.2019 19:33 pp2910 144

Es sind sehr viel dumme Antworten auf dieser Internetseite aber wo soll es auch herkommen, wenn selbst die Kanzlerin meint das die Hymne sehr gut ankommt. Nun dann sollte man fragen welches Kind
sie da vertritt? Es klingt wie es Trump erklingen lässt.

10.05.2019 16:29 Querdenker 143

Ergänzung zu meinem Beitrag 125:

Das „Lied der Deutschen“ (1841) hat als Hymne eine Art „Ewigkeitsanspruch“.

In dem Lied steckt viel deutsche Geschichte insbesondere was die Entstehung des Liedes und die Entstehung des ersten deutschen Staates und der ersten deutschen Demokratie betrifft.

Das Bodo Ramelow bei dem Lied vorrangig „Naziaufmärsche“ im Kopf hat, sagt viel über ihn aus und weniger über die Hymne.

Das gesamte „Lied der Deutschen“ sollte im Schulunterricht ausführlich mit behandelt, zeitlich eingeordnet und die Strophen entsprechend erklärt werden.

10.05.2019 16:01 Fragender Rentner 142

Man wollte auch bei den Verhandlungen zum Beitritt der 5 BL zur BRD keine neue Hymne haben und nun der Zirkus dazu.

10.05.2019 06:22 Sr.Raul 141

@96 (Realist2014), weil schon allein der Umstand Teilung D nicht mehr besteht. Das GG wurde ja auf Anraten der Besatzungsmächte GB,F,USA installiert, weil eine Verfassung vom gesamten dt. Volke beschlossen werden sollte. Das ging ja aus den bekannten Gründen nicht und ist mittlerweile, mit Blick auf nicht mehr existente Ausgangssituation, auch schon 30 Jahre überfällig. Die in " gesetzte "Verfassung der Deutschen" als Begriff für das GG war also nur als Provisorium einer Verfassung bis zur Vollendung der Einheit vorgesehen.