Flüchtlinge  auf dem Rettungsschiff "Lifeline" der Hilfsorganisation Mission Lifeline.
Auf dem 30 Meter langen Rettungsschiff "Lifeline" herrschen sehr beengte Verhältnisse für die rund 200 Flüchtlinge und ihre Retter. Bildrechte: Felix Weiss/Mission Lifeline/dpa

Mission Lifeline Auch Spanien lehnt Rettungsschiff mit Flüchtlingen ab

Seit Tagen harrt das Rettungsschiff "Lifeline" mit mehr als 200 Flüchtlingen an Bord auf dem Mittelmeer aus - nach Italien und Malta hat nun auch Spanien dem Schiff eine Absage erteilt. Bundestagsabgeordnete warnen indes vor einer brenzligen Situation an Bord. Die Seenotretter selbst erheben schwere Vorwürfe an die europäische Politik.

Flüchtlinge  auf dem Rettungsschiff "Lifeline" der Hilfsorganisation Mission Lifeline.
Auf dem 30 Meter langen Rettungsschiff "Lifeline" herrschen sehr beengte Verhältnisse für die rund 200 Flüchtlinge und ihre Retter. Bildrechte: Felix Weiss/Mission Lifeline/dpa

Spanien will das deutsche Rettungsschiff "Lifeline" mit 234 Flüchtlingen an Bord derzeit nicht in seine Häfen lassen. Das sagte der für Spaniens Häfen verantwortliche Minister für öffentliche Arbeiten, José Luis Abalos im Interview mit dem spanischen Radiosender "Cadena Ser".

Vorerst keine zweite "Aquarius"

Die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, hatte am Sonntag noch angeboten, als "sicherer Hafen" für Flüchtlinge zu dienen. Abalos lehnte das jedoch ab mit der Begründung, Spanien könne nicht "zur maritimen Rettungsorganisation für ganz Europa" werden. Mitte Juni hatte das Land 629 Bootsflüchtlinge aufgenommen - nachdem Italien und Malta ihre Häfen für das Rettungsschiff "Aquarius" geschlossen hatten, konnten die Flüchtlinge und ihre Retter nach tagelanger Irrfahrt im Hafen von Valencia einlaufen.

Medizinische Versorgung vorerst sichergestellt

Die Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline" hatte die Flüchtlinge am Donnerstag aus Seenot gerettet. Malta und Italien verweigern dem Schiff seitdem die Einfahrt in einen ihrer Häfen. Am Sonntag trafen der Hilfsorganisation zufolge Versorgungslieferungen mit Lebensmitteln und Trinkwasser sowie Medikamente und Decken ein.

Wir sind in der Pflicht, unsere Werte zu verteidigen. Das heißt, wir sind auch in der Pflicht diesen Menschen zu helfen.

Axel Steier, Mitbegründer der Hilfsorganisation "Mission Lifeline"

"Lifeline"-Mitbegründer Axel Steier sagte am Montag dem RBB, die medizinische Versorgung der Flüchtlinge sei zunächst sichergestellt. Viele der Menschen seien aber unterernährt "durch monatelange Aufenthalte in Folterlagern in Libyen". Einige Personen an Bord seien bereits mehrfach von der libyschen Küstenwache zurückgeschickt worden, andere berichteten von Vergewaltigungen und anderen schlimmen Erfahrungen. Alle Menschen an Bord der "Lifeline" hätten ein Recht, Asyl zu beantragen.

Bundestagsabgeordnete warnen vor Zuspitzung der Lage

Mehrere Bundestagsabgeordnete machten sich indes selbst ein Bild von der Lage an Bord des Rettungsschiffes. Die migrationspolitische Fraktions-Sprecherin der Grünen, Luise Amtsberg, ihr Parteikollege Manuel Sarrazin und der Linke Michel Brandt riefen die Bundesregierung auf, sich für eine schnelle Lösung einzusetzen. Die Flüchtlinge dürften nicht alleingelassen werden, weil Europa versage, erklärten sie via Twitter.

 Flüchtlinge auf einem Schlauchboot werden werden vom Rettungsschiff Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline aufgenommen.
Auf übervollen Schlauchbooten geraten Flüchtlinge im Mittelmeer regelmäßig in Seenot - oft kommt jede Hilfe zu spät. Bildrechte: dpa

"Die Lage an Bord ist untragbar [und] wird mit schlechtem Wetter gefährlich!", schrieb Sarrazin. Brandt warnte vor einem bevorstehenden Wetterumschlag am Dienstag - dann sei "das Leben der Gäste nicht mehr garantierbar". Eine Lösung müsse daher noch am Montag her. Den Behörden von Italien und Malta warf Brandt vor, Geflüchtete und Seenotretter wie Kriminelle zu bekämpfen.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte bereits ams Sonntag erklärt, er wolle "dem Geschäft der Schlepper und der Maffia ein Ende setzen".

Dänische Regierung fordert Italien zum Einlenken auf

Auch das dänische Handelsschiff "Alexander Maersk" mit 113 Flüchtlingen an Bord wartet bisher vergeblich auf eine Einfahrtserlaubnis. Die italienische Küstenwache hatte das Schiff in der Nacht zu Freitag gebeten, die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten. Anschließend verweigerte Italien den Menschen jedoch die Aufnahme.

Italien anlaufen - das können sie vergessen!

Matteo Salvini, Italiens Innenminister

Ein Sprecher der Reederei warnte, das Schiff sei nicht für so viele Menschen ausgelegt und die 25-Mann-Besatzung nicht in der Lage, sich um mehr als 100 Menschen zu kümmern. Es brauche "eine Lösung in Minuten und Stunden, nicht in Tagen". Die dänische Integrationsministerin Inger Støjberg forderte die Regierung in Rom auf, die Flüchtlinge an Land gehen zu lassen. Bisher durften lediglich fünf Frauen und Kinder das Schiff verlassen.

Kommerzielle Schifffahrt warnt vor Schließung von Häfen

Das strikte Vorgehen gegen die privaten Rettungsorganisationen führt aus Sicht der kommerziellen Schifffahrt zu einer sehr problematischen Situation im Mittelmeer. Immer häufiger müssten Handelsschiffe Menschen retten, sagte John Murray vom internationalen Schifffahrtsverband ICS dem Evangelischen Pressedienst. Sie hielten sich an ihre Verpflichtung laut internationalen Regularien. Aber so seien auch die Mittelmeer-Anrainerstaaten verpflichtet, den Geretteten das Ausschiffen schnell zu ermöglichen. Auf den Handelsschiffen sei nicht genügend Platz und die Crews seien nicht für die Betreeuung der oftmals traumatisierten und körperlich schwachen Menschen ausgebildet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juni 2018 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2018, 18:46 Uhr

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54 Kommentare

27.06.2018 13:40 Bingo 54

Früher oder später, werden "Flüchtlinge" sicher in Deutschland eingeflogen,weil die EU-Anliegerstaaten des Mittelmeeres ,aufgewacht sind und keine Schlepperschiffe mehr an Land lassen.

26.06.2018 15:42 ralf meier 53

@Jale Nr. 52: Hallo, Sie machen mich neugierig auf Ihren Kommentar. Schicken Sie ihn doch einfach noch mal und statt des direkten Links nennen Sie zwei drei Stichworte, unter dem man ihren Verweis findet. Das ist hier so üblich und erlaubt es der Moderation auch, Ihren Beitrag freizuschalten.

26.06.2018 13:39 Jale 52

Lieber MDR, wo bleibt denn mein Kommentar, der als Nr. 46 die Antwort an 'Beobachter' sein sollte?
Ist es peinlich für den MDR, dass er solche 'Seenotretter' beschäftigt? Kann ja gar nicht sein. Die gute Frau wurde sogar von Mama Merkel geehrt, das wäre doch einen Bericht auf diesen Seiten wert!

[Entsprechend unserer Netiquette, entfernen wir Kommentare, die Verlinkungen enthalten, die auf Internetseiten außerhalb des Angebots der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten verweisen, Ihre MDR.de-Redaktion]

26.06.2018 12:25 Montana 51

26.06.201811:00 Thüringer : Die Frage erübrigt sich mit Sicherheit. Was bezahlen die Politiker aus eigener Tasche ?

26.06.2018 11:44 jochen 50

43# Eine Gemeinheit ?

Sie dürfen später gerne einige zu sich in Ihr Haus nehmen.

26.06.2018 11:41 jochen 49

Zurück mit ihnen nach Afrika -
Ist denn so schwierig ?

Es sei denn, die Asylanten sollen ganz bewusst nach Europa gebracht werden.
Das aber wäre ein EU-Verrat an den Bürgern Europas.

26.06.2018 11:36 Tokaito 48

Ich bin für eine schnelle Seenotrettung, aber nicht für eine dauerhafte Erpressung, das nur eine Rettung von Fahrgästen im Mittelmeer in einen Hafen der EU möglich ist. Ich kann auch alle Länder in Europa verstehen, die nicht daran glauben, dass eine Rettung von allen armen Fährgästen aus der ganzen Welt möglich ist. Solange viele noch der Meinung sind, das geht in Deutschland, braucht es noch ein wenig Zeit, bis es an den eigenen Geldbeutel geht, mehr Polizei, mehr Überwachung, mehr Wohnungsbau, mehr Schulen, mehr Kitas und so weiter. Man kann zwar fordern alle anderen Länder müssten mit uns solidarisch sein, weil wir so gut sind und die Welt retten wollen. Wer will aber schon Betonklötze und Polizei mit Maschinenpistolen auf Weihnachtsmärkten. Das gibt es doch wohl nur in Deutschland, das nur ein Wort „Asyl“ ausreicht und das Füllhorn öffnet sich.

26.06.2018 11:28 ralf meier 47

@Jochen Nr 32: Sie schreiben: 'Wie verkommen manche sind zeigt der mdr wunderbar auf,indem er alles und jeden hier seine unfug absondern lässt.'

Dieser Aussage kann ich nach dem Lesen Ihres Kommentars nur zustimmen.

26.06.2018 11:00 Thüringer 46

Deutsche Politiker haben die Lifeline besucht. Haben denn diese Politiker, diese kosten aus der EIGENEN TASCHE bezahlt? Oder war es wieder der Steuerzahler? Die AfD Politiker hätten bestimmt alles aus eigener Tasche bezahlen müssen. Mal berichten wieviel dieser Besuch insgesamt gekostet hat!

26.06.2018 08:32 Beobachter 45

Warum gibt der MDR hier Schleppern wir Herrn Steier und deren politischen Unterstützern aus der grünen Partei hier Raum zur Verteidigung und das ohne kritische Distanz und Gegenrede?
Dann werden wohl auch Drogendealer erklären, wie gut der Drogenhandel für die kokabauern und die Bedürftigen ist.