internationale Pressekonferenz im Haus der Demokratie und Menschenrechte.
Marie Naass versichert in Berlin, dass sich die "Lifeline" an alle Konventionen gehalten hat. Bildrechte: dpa

Seenotrettungsorganisation "Lifeline"-Helfer beklagen "Kriminalisierungskampagne"

Tagelang waren die Helfer der Dresdner Rettungsorganisation "Lifeline" mit 230 Flüchtlingen an Bord auf Irrfahrt. Nun klagen sie über eine "Kriminalisierungskampagne". Der Kapitän wurde inzwischen zweimal verhört. Anders als zuvor angekündigt, wurde die "Lifeline" selbst nicht beschlagnahmt.

internationale Pressekonferenz im Haus der Demokratie und Menschenrechte.
Marie Naass versichert in Berlin, dass sich die "Lifeline" an alle Konventionen gehalten hat. Bildrechte: dpa

Die Helfer der Dresdner Seenotrettungsorganisation "Lifeline" haben nach tagelanger Irrfahrt auf See mit 230 Flüchtlingen an Bord über eine "Kriminalisierungskampagne" geklagt. Auf einer Pressekonferenz sagte Sprecherin Marie Naass, "wir werden zu Sündenböcken gemacht für eine gescheiterte Migrationspolitik auf europäischer Ebene". Die Organisation weise alle Anschuldigungen zurück. Die "Lifeline" habe sich an bestehende Konventionen gehalten.

Es sei weder ein Transponder ausgeschaltet worden, um eine Ortung des Rettungsschiffes zu verhindern, noch habe man auf eigene Faust gehandelt. "Die italienische Küstenwache hatte ein ständiges Update von uns", sagte Naass. Auch mit dem Auswärtigen Amt in Berlin habe man in Kontakt gestanden.

Kapitän zum zweiten Mal verhört

Derweil wurde der Kapitän des Rettungsschiffs "Lifeline" von der Polizei in Malta zum zweiten Mal verhört. Er und die Crew sind Naass zufolge in einem Hotel in Malta untergebracht.

Der deutsche Kapitän hatte bereits am Mittwochabend mit der Polizei zu tun gehabt. Dabei sei es um Formalitäten nach dem Anlegen gegangen. Ihm drohen Ermittlungen, da er den Transponder ausgeschaltet haben soll, der die Ortung von Schiffen ermöglicht.

Anders als zuvor angekündigt wurde das Schiff aber nicht beschlagnahmt, sagte ein anderer Sprecher von "Mission Lifeline" der Deutschen Presse-Agentur.

"Lifeline": Alle Anweisungen befolgt bis auf eine

Ein gerettetes Migrantenkind, vom deutschen Flüchtlings-Rettungsschiff 'Lifeline', wird am Hafen von Valletta von einem Helfer von Bord getragen.
Helfer bringen eines der fünf aufgenommenen Kinder zum Festland. Bildrechte: dpa

Das Rettungsschiff hatte vor etwa einer Woche mehr als 230 Flüchtlinge vor der libyschen Küste gerettet und danach tagelang einen Hafen gesucht. Unter den Aufgenommenen befanden sich nach Angaben der Dresdner Organisation auch Frauen, die von Vergewaltigungen berichtet hätten. In Libyen gebe es keine sicheren Häfen, sagte ein Sprecher. Deshalb habe die "Lifeline" zwar alle übrigen Anweisungen der italienischen Küstenwache befolgt, einen aber nicht: Den, nach Tripolis zu fahren. Dort drohten Frauen Vergewaltigungen und Männern Folter.

Neun Länder wollen Bootsflüchtlinge aufnehmen

Bislang haben sich neben Malta acht weitere Länder bereit erklärt, die Menschen aufzunehmen: Norwegen, Portugal, Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg, Irland und die Niederlande. Deutschland ist nicht dabei. Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte am Mittwoch im Bundestag mit Blick auf Hilfsangebote anderer Länder erklärt, derzeit gebe es keine "Handlungsnotwendigkeit für Deutschland".

MDR AKTUELL RADIO

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2018, 14:57 Uhr

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42 Kommentare

29.06.2018 10:24 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 42

@ 41:
Zitat "Für den einen sind es Helfer für den anderen Schlepper. Kommt darauf an wie man im Kopf so tickt. Leider ist das eine Hilfe die keinem so wirklich Hilft."

Für Dich scheinen es tatsächlich "Schlepper" zu sein.
Man hat den Eindruck, man könnte auch einen Feuerwehrmann, der einen im Eis eingebrochenen Menschen "rettet", als "Schlepper" bezeichnen, da er ja einen Menschen 'an rettende Ufer "schleppt"...

29.06.2018 03:22 Andreas 41

Für den einen sind es Helfer für den anderen Schlepper. Kommt darauf an wie man im Kopf so tickt. Leider ist das eine Hilfe die keinem so wirklich Hilft. Viele wollen diese Menschen nicht hier haben. So was wie Integration gibt es nicht außer in unser Sozialsysthem. Jede Nation lebt auch hier in ihrer eigenen Welt. Verstehe ich auch. Kenne jemand der wohnt in Thailand auch da wo welche aus der Heimat wohnen. Der wird auch nie ein Thailänder, das ist halt so. Da man ja weiss das in Afrika die Bevölkerung trotz Hunger und Krieg immer weiter Explosionsartig wächst kann ich mit Sicherheit sagen das die Völkerwanderung noch bevor steht. Wenn man sich in Afrika als Mann auf den Weg nach Europa macht dann darf dieser nicht mehr zurück kommen ohne Erfolg zu haben. Das ist da so. Andere Länder andere Sitten. Selbst ich als Linkswähler bin nicht Blind. Ich verstehe die Menschen die aus der Armut raus wollen. Aber es können halt nicht alle nach Deutschland. Das wäre dann Chaos pur.

29.06.2018 00:32 DER Beobachter zur Anfrage 32 40

Versuch einer Antwort auf Ihre Fragen. Fragen, die mich beschäftigen... 1. Auf so ein großes komisches übliches u-förmiges Schlauchboot passen bzw. werden gepresst nach meiner Fotokenntnis mindestens 100, eher mehr. 2. Hotelbewachg. wohl nicht nötig. Die verantwortl. Kapitäne sind ggf. bekannt und stehen zu dem, was sie tun. 3. Reisen in Familienverbänden ist wohl Legende, spätestens seitdem Familien auseinander gerissen werden. Richtig wohl, dass das zweijährige Würstchen eine Vertrauensperson haben muss. Entweder eine, die noch mitreisen kann, oder jemand, der sich in diesem Chaos noch verantwortl. fühlen will. 4. "Nachprüfung der Geschichten" ist in der Verantwortung der jeweils zuständigen Behörden. 5. Für Kleinkinder existiert noch nicht Bezugsebene Heimat, sondern der Familie oder einer sonstigen für sie fühlbaren Vertrauensperson. 6. DDR-Bezug ist richtig. Komisch wirds, wenn aktuell in USA Familien auseinandergerissen werden und das von PegidAfD-Verstehern hofiert wird.

28.06.2018 23:46 DER Beobachter @ Beobachter 29 39

Naja, von andern Sachlichk. einfordern u. andrers. Beweiskette aufstellen zu wollen auf dünnsten tönernen Füßen, ist schon starker Tobak! "Beweis 1" Wie sollen Schlepper Signale erfassen, wenn sie weder mit NGOs noch mit zuständigen Seebehörden zusammenarbeiten? Sie arbeiten sehr wohl mit lib. Behörde o. vielmehr dem, was davon noch übrig ist, aber auch das arbeitet nicht (mehr) mit den anderen Behörden. Und wie sollen sie Signale empfangen, wenn der Transponder ausgeschaltet sei? "Beweis 2". Sie unterschätzen sowohl geograf., hydrograf... Bedingungen + Entfernungen im südl. Mittelmeer von den lib. "Abreiseorten" nach Tunis, als auch lib.-tunes.Beziehg. Wenns so einfach wäre, wäre das Ding vllt. nach Ihrer Vorstellung gelöst, ists aber eben nicht. "Beweis 3" Außerhalb des lib.Seeraums, also dort, wo die NGOs als auch Frontex etc. agieren müssen, ist und fühlt sich die lib. Marine eben nicht mehr völkerrechtl. verantwortlich.

28.06.2018 23:18 DER Beobachter @ Olivier 38

Das einzig vollständig Richtige an Ihrem Kommentar ist, dass die tatsächlichen Schlepper Geld wollen. Die arbeiten aber nicht mit den Seenotrettern weder der NGOs noch der europäischen und Mittemlmeer-GOs zusammen, sondern ausschließlich mit den libyschen Behörden. Dass vorwiegend junge Männer ankommen, ist logisch, sie haben die größten realen Überlebenschancen. Nicht die Alten, nicht die Familien, nicht die Frauen... Die Behauptung, dass D Fluchtland 1 sei, ist ausdrücklich falsch. Malta und Italien bspw. haben mehr Leute aufgenommen und die Mehrzahl der in Libyen Gestrandeten will gar nicht nach D! Bitte ferner um die präzise Angabe der UN-Quelle!

28.06.2018 22:52 DER Beobachter @ Marco 31 37

3 Fragen: 1) Auf welcher Rechtsbasis erheben Sie Ihre Forderungen? 2) Möchten Sie diese Forderungen auch auf die Einheiten der italienischen, deutschen und US-Marine angewendet sehen, die gerade im Mittelmeer ebenfalls Flüchtlinge auffischen müssen? 3) Möchten Sie diese Forderungen ebenfalls auf die libysche Marine bzw. die paramilitärischen libyschen Marineeinheiten angewendet sehen, die tatsächlich engstens mit echten finanziell interessierten Schleppern zusammenarbeiten?

28.06.2018 21:21 D.o.M. 36

Die Aquarius ist auf dem Weg nach Marseille. Es geht doch.

28.06.2018 21:17 D.o.M. 35

Nicht beschlagnahmt ?! Ich fasse es nicht ! Aber wenigstens versenkt wird sie doch ?

28.06.2018 21:05 Klaus 34

@ { 28.06.2018 18:25 Beobachter }
Das sind keine Beweise, sondern alles nur Luftnummern.
Ein Schlauchboot kann die Luft wochenlang halten und wenn man nachpumpt sogar deutlich länger.
Das Hauptproblem ist eher das Wasser und bei vielen Leuten die Enge und die Angst. Es waren auch Kinder mit Säuglingen dabei, da ist die Situation besonders problematisch. Und das die Boote nicht wegen irgendwelcher Rettungsboote ausfahren, zeigen die vielen Leichen, die aus dem Wasser gefischt werden.
Und dann noch die letzte Sache: Warum bringt FRONTEX die Flüchtlinge nicht umgehend nach Afrika zurück, wie man dies von der Lifeline verlangt hat?

28.06.2018 20:44 real_silver 33

Da machen sich die Täter zu Opfern. Und wenn ich das Bild weiter unten sehe, ist's eh vorbei - wie solche Leute immer und immer wieder Kinder für ihre politischen Zwecke einsetzen, ist echt eine Schande. Syrien und Weißhelme lassen grüßen. Hoffentlich stellt sich nächstes mal auch Malta stur.

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